Wie für viele andere Südafrikaner war Nelson Mandela auch für Regisseur Khalo Matabane ein Jugendheld. Stark und zum Kampf bereit - so hatte er ihn sich in seiner Kindheit, als Mandela im Gefängnis saß, vorgestellt. Als dieser endlich entlassen wurde und zum Staatsmann aufstieg, erschien er ihm allzu zerbrechlich und gütig. Wo war seine Wut? Stattdessen hielt Mandela ganz Südafrika dazu an, den Tätern des Apartheidregimes zu vergeben. In einem persönlichen Brief an Nelson Mandela, der wie ein roter Faden durch den Film führt, stellt Matabane seinem Kindheitshelden kontroverse Fragen, die ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt haben. Ist Nelson Mandela mit seiner Politik der Vergebung und Versöhnung sowie mit seinen Kompromissen zu weit gegangen? Hat er Entscheidungen getroffen, die heute zu noch mehr Ungleichheit und Armut geführt haben? Oder konnte er gar nicht anders handeln?

Mit diesen Fragen im Kopf reist der Regisseur kurz vor Mandelas Tod um die Welt, um mit internationalen, teils polarisierenden, Persönlichkeiten zu sprechen. Überall in Südafrika werden Forderungen nach wirklicher Freiheit laut. Aber wo finden wir letztendlich die Wahrheit? In Nelson Mandelas Widersprüchen? Auf der filmischen Spurensuche nach seinem "Helden" erlebt Regisseur Khalo Matabane gegensätzliche Perspektiven. Er regt zum Nachdenken an und eröffnet neue Debatten. Der Dokumentarfilm wurde 2013 mit dem Spezialpreis der Jury beim Internationalen Amsterdamer Dokumentarfilmfestival IDFA ausgezeichnet und lief beim Human Rights Watch Film Festival in London 2014 im offiziellen Wettbewerb.

Foto: ZDF/© Nicolaas Hofmeyr