Als Ursula Becker, geborene Levi, 1996 stirbt, hinterlässt sie ihrer Tochter, der Filmemacherin Angelika Levi, ein umfangreiches Archiv von Fotos, Tagebüchern, wissenschaftlichen Arbeiten, Briefen, Filmaufnahmen, Zeitungsartikeln und Tonbandprotokollen. Die Nachricht, dass ihre Mutter im Sterben lag, erreichte Angelika Levi in Chile. Hierher war Ursula Levi mit ihrer Mutter Karla nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewandert, nachdem beide die Nazizeit in Hamburg überlebt hatten. Hier traf sie ihren Vater Robert Levi wieder, der bereits 1938 aus Deutschland geflohen war und dem sie von der fast vollständigen Ermordung seiner Familie berichten musste. In dem südamerikanischen Land wurde Ursula Levi Botanikerin und erste Ökologin Chiles, und hierhin zog es immer wieder die Tochter Angelika, die nie verstehen konnte, warum die Mutter Ende der 50er Jahre nach Deutschland zurückgekehrt war.

Angelika Levi geht in ihrem essayistischen Dokumentarfilm dieser Frage nach und rekonstruiert aus dem Nachlass ihrer Mutter deren weiteren Lebensweg auch nach der Zeit in Chile. Sie erzählt von der Heirat mit einem evangelischen Theologiestudenten, den Schwierigkeiten, sich in die Rolle der Pfarrfrau einzufügen und von dem Misstrauen gegenüber den Deutschen der Täter- und Mitläufergeneration, von der Geburt der beiden Kinder, den bald folgenden schweren Erkrankungen und ihrem Überlebenskampf. "Mein Leben Teil 2" ist ein Film über die Präsenz von Geschichte und über Traumata, die in immer neuer Gestalt - auch über Generationen hinweg - wiederkehren, ein Film der nach der Möglichkeit jüdisch-deutscher "Normalität" und nach der Positionierung der zweiten Generation Überlebender in Deutschland fragt. Der Film ist gleichzeitig auch das Porträt einer faszinierenden Frau, die sich mit Mut, Witz und Wut trotz aller schwieriger Lebenserfahrungen immer wieder für das Leben entschieden hat.