Im Schein der Öllampe putzen sich Dennis und Chrissi jeden Abend die Zähne. Sehr gewissenhaft achtet der zehnjährige dabei auf seine kleine Schwester. Seit ihre Mutter vor knapp einem Jahr gestorben ist, sind die beiden Vollwaisen. Zwei von etwa zwei Millionen geschätzten Aids-Waisen in Uganda. In dem ostafrikanischen Land ist deshalb ein besonderes Projekt entstanden: Infizierte Eltern schreiben mit ihren Kindern sogenannte MemoryBooks, Erinnerungsbücher. Offen und ehrlich, gleichzeitig aber sehr sensibel wird den Kindern nahe gebracht, dass sie bald auf sich alleine gestellt sein werden. Eltern und Kinder finden in dem Prozess des gemeinsamen Erinnerns und Schreibens unerwartete Stärke und Trost. Später werden die entstandenen Bücher den wohl wichtigsten Leitfaden im Leben der Waisenkinder bilden.

Lange musste die Dokumentarfilmerin Christa Graf für "Memory Books" kämpfen, bevor sie überhaupt mit den Dreharbeiten beginnen konnte. Zunächst winkte das Fernsehen ab, bei einer ersten Reise nach Uganda zeigten sich die betroffenen Frauen gar nicht begeistert von Grafs Vorhaben, doch mit viel Geduld, Einsatz und der nötigen Unterstützung von außen gelang es Graf schließlich doch, dieses herzerwärmende Stück über das Leben Aids-infizierter Mütter und deren Kinder in Uganda abzuschließen. Die Idee für ihren Film kam Graf übrigens durch den Henning Mankell, dessen Lesung sie besuchte. Dort beschrieb der erfolgreiche Autor das Leben HIV-positiver Mütter in Uganda, die ihren Kindern Erinnerungsbücher schreiben, in denen sie von ihrer Familie erzählen, von Bräuchen und Ritualen. Für Graf stand fest, dass dies ihr nächstes Projekt werden würde. Graf ist ein wichtiger und außergewöhnlicher Film gelungen.

Foto: Stardust