"Freitag, 11. Juli 1941. Das Wetter ist schön. Es weht ein warmer Wind. Der Himmel ist nur leicht bewölkt. Vom Wald her hört man Schüsse." Mit diesen Worten beginnt der polnische Journalist Kazimierz Sakowicz aus Ponar, einem kleinen Dorf zehn Kilometer westlich von Vilnius, der Hauptstadt von Litauen, sein Tagebuch, das 1999 erstmals von der Holocaust-Überlebenden und jüdischen Widerstandskämpferin Rachel Margolis veröffentlicht wurde. Zwischen 1941 und 1944 wurden bei Ponar mehr als 100000 Menschen umgebracht, zum größten Teil Juden. Sakowicz hörte die Schüsse und wusste, dass ganz in der Nähe etwas Seltsames geschah. Er beschloss, heimlich alles, was er hörte und sah, aufzuschreiben. Insgesamt dokumentierte er 835 Tage des Genozids.

Das in Deutschland erst 2004 erschienene Buch "Die geheimen Notizen des K. Sakowicz - Dokumente zur Judenvernichtung in Ponary" ist eines der wichtigsten und zugleich entsetzlichsten Zeugnisse des Holocaust. Bereits ein Jahr vor der deutschen Erstveröffentlichung nahmen sich die israelischen Filmemacher Yaron Kaftori Ben Yosef und Limor Pinhasov Ben Yosef dieses heiklen Thema an und verarbeiteten es zu ihrem ersten abendfüllenden Dokumenatarfilm. Dabei verzichten die beiden auf historisches Filmmaterial, zeigen weder Leichen noch Blut. Vielmehr bezieht "Stimmen aus dem Wald" seine Authenzität aus den Erzählungen der Überlebenden, die einst nicht weit von den Exekutionsplätzen lebten und das Grauen in ihren Geschichten noch einmal auferstehen lassen. Sicher ein wichtiges Werk, doch wer geth dafür ins Kino?