Als Mitte der Siebzigerjahre in New York und London die so genannte Punk-Bewegung entstand, schwappte diese Welle in den beginnenden Achtzigerjahren auch schnell nach Deutschland. Mit ihrem provozierendem Aussehen und ihrem rebellischen Verhalten sorgten Bands wie "Die Toten Hosen" und "Die Ärzte" auch in Westdeutschland für Aufsehen. Was allerdings nur wenige wissen: Auch in der damaligen DDR gab es Punkbands wie "Wutanfall", "Schleimkeim", "L’Attentat", "Betonromantik" oder "Planlos". Punk im Osten, das war Tumult, das war totale Verweigerung. Die Punks in der DDR stießen an die Grenzen eines Systems, das seine Jugend steuern wollte, von dem sie sich aber nicht lenken ließen.

Regisseur Carsten Fiebeler ("Die Datsche", "Kleinruppin Forever") porträtiert in seinem Dokumentarfilm einige Protagonisten der frühen Ostpunk-Bewegung über den DDR-Infarkt hinaus, erzählt von Anpassung, Konsequenz, Zwängen, Unabhängigkeit und von der Verwandlung der Ablehnung in künstlerische und politische Praxis. So gerät der Film nicht zur Musealisierung einer Bewegung oder zur ideologischen Abrechnung, sondern zum mitreißenden Porträt einer Subkultur. Fiebeler mixte aktuelle Filmaufnahmen mit unveröffentlichtem original Super-8-Material, DDR-Propagandafilmen und Animationen mit Clipcharakter. Die ehemals illegalen Aufnahmen von DDR-Punkbands dürften in dieser Bandbreite bisher einmalig sein.

Foto: Neue Visionen