Gustaf Gründgens

Genial in der Verkörperung des Mephisto: Gustav 
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Genial in der Verkörperung des Mephisto: Gustav Gründgens  
Gustaf Gründgens
Geboren: 22.12.1899 in Düsseldorf, Deutschland
Gestorben: 07.10.1963 in Manila, Philippinen

"Vorbei ... ein dummes Wort!" Diesen Ausspruch legt Goethe seinem Mephisto im zweiten Teil des "Faust" in den Mund. Vorbei war es für Gustaf Gründgens am 7. Oktober 1963, als er auf einer Weltreise in Manila an Magenblutungen nach Schlafmitteleinnahme starb. Über 30 Jahre lang war er die wohl faszinierendste Gestalt des deutschen Theaters gewesen. Auf der Bühne genial, als "Mephisto" - den er 1932 erstmals spielte - unerreicht, als Intendant und Regisseur wegweisend, politisch jedoch wegen seiner Nähe zum Dritten Reich schwer belastet.

Schauspieler, Regisseur, Intendant - der Name Gustav Gründgens ist wie kaum ein anderer mit der deutschen Theatergeschichte verknüpft. Alle Faszination, die von diesem hoch sensiblen Künstler ausgeht, war feinsinnig voraus geplant, er wurde zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. "Ich liebe Ordnung und Genauigkeit", sagte er einmal von sich selbst und meinte sowohl seine Arbeit auf der Bühne als auch die in dem sonst Künstlern so fremden Verwaltungsbereich. Er beherrschte sein Publikum und sein Ensemble, ganz gleich ob als Gaukler, General oder Weiser, als Lebemann oder tragischer Held. Seine "Faust"-Inszenierung wurde in der Sowjetunion genauso bejubelt wie in den Vereinigten Staaten; man feierte ihn als "Retter des Theaters". Gustaf Gründgens war ein Star. Der deutsche Theaterstar. Wenn er auftrat, waren die Aufführungen ausverkauft. Um seine Gagen zu rechtfertigen, aber die Theater nicht zusätzlich zu belasten, wurden die Eintrittspreise zu Stücken, in denen er auftrat, erhöht. Er war ein Regisseur auf Tournee: Paris, Moskau, New York, Florenz.

Der unvergessene Theatermann hatte aber auch eine dunkle Seite: "Um der Sache willen, der ich zehn Jahre diente, habe ich mehr schlucken müssen, als man wohl darf, ohne Schaden an seiner Seele zu nehmen. Ich weiß, dass ich immer wieder so handeln müsste: Es ist wohl meine Natur, die immer nur das Nächstliegende ganz begreift und dafür begabt ist; und so war die Tatsache, wie sehr ich damals nötig war überzeugender, als alle Erwägungen, wie es mir heute ergehen würde. Jetzt ist eine Leere in mir", so urteilte Gustaf Gründgens über seine Verflechtung mit dem Nationalsozialismus.

1936 schrieb der Schriftsteller Klaus Mann seinen Roman "Mephisto", die Geschichte des ehrgeizigen und begabten Schauspielers Hendrik Höfgen, der in der Hitler-Diktatur Karriere macht. Gemeint war natürlich Gustaf Gründgens, der vor allem in der Rolle des Mephistopheles berühmt wurde. Durch die Protektion von Hitlers rechter Hand, dem preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, brachte Gründgens es bis zum Generalintendanten des Staatstheaters und Preußischen Staatsrat. Göring schützte ihn auch vor Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, der die Vorherrschaft über die deutschen Theater anstrebte. Dies gelang ihm auch - bis auf die preußischen Staatstheater, die weiterhin Göring unterstanden.

Als Vorbild für diese Hauptfigur diente Klaus Mann also Gründgens, mit dem ihn bis 1930 eine mehrjährige Freundschaft verband - Manns Schwester Erika war seit 1926 die Ehefrau von Gründgens - und dessen späteres Verhalten im Dritten Reich er scharf kritisierte. Dementsprechend verließ Mann bereits nach der Machtergreifung das Land und leistete politisch engagierte Arbeit im Exil, während sich Gründgens alias Mephisto alias Hendrik Höfgen mit den Nazis arrangierte. Während Gründgens seine Karriere nach dem Krieg beinahe lückenlos fortsetzen konnte, blieb Klaus Mann ein gebrochener Mensch. Am 21. Mai 1949 starb er nach einer Überdosis Schlaftabletten in Cannes. Die Veröffentlichung des "Mephisto" in Deutschland erlebte Mann nicht mehr, denn erst 1980 war das Buch schließlich im Handel erhältlich, nachdem Gründgens und seine Erben jahrelang mit langwierigen juristischen Verfahren gegen die Veröffentlichung gekämpft hatten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte Berlin im zerstörten und geteilten Deutschland seine Rolle als kultureller Mittelpunkt verloren.In der neuen Bundesrepublik blühten die Stadttheater auf, sie waren geprägt durch Intendanten wie Heinz Hilpert in Göttingen, Hans Schweikart in München, Karlheinz Stroux in Düsseldorf und insbesondere Gustaf Gründgens. Auch nach seiner Entnazifizierung rissen seine Erfolge nicht ab. Auf Berlin folgten Düsseldorf und Hamburg. Auf die Klassiker Stücke von Cocteau und Brecht. Die Rolle des Mephisto in Goethes Faust war und blieb die Rolle seines Lebens. Gustaf Gründgens propagierte die Unantastbarkeit der reinen Kunst und sang trotzdem Couplets in schummrigen Bars. Er inszenierte Opern, Stücke, Filme. Er forderte alles von sich und von anderen. Wer mit ihm gearbeitet oder gelebt hat, wer ihn nur einmal auf der Bühne gesehen hat, war in seinen Bann gezogen. Und er liebte nichts mehr, als geliebt zu werden.

Zu seinem Nachkriegs-Ensemble gehörten seinerzeit Will Quadflieg, der neben anderen großen Rollen bei Gründgens Darsteller des "Faust" wurde. Doch auch andere junge Nachwuchsschauspieler verdienten unter Gründgens ihre ersten Sporen, so etwa Ernst Busch, Bernhard Wicki, der "Tatort"-Kommissar und Manfred Krug-Kollege Charles Brauer sowie Uwe Friedrichsen. Zu einem international viel beachteten und gefeierten Ereignis wurde die "Mephisto"-Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, die am 21. April 1957 Premiere hatte. Insgesamt 600 Mal verkörperte Gründgens die Figur aus Goethes Faust.

Schon bald nach der Premiere erschienen die ersten Tonmitschnitte der Aufführung auf Schallplatte, doch vermisste man bei aller sprachlichen Brillanz natürlich die optischen Eindrücke. Pläne, die Inszenierung für das Fernsehen aufzeichnen zu lassen, scheiterten. Peter Gorski, der Adoptivsohn von Gustaf Gründgens, und Dr. Barthels, Chef der Gloria-Film, kamen beide fast zur selben Zeit auf die Idee, die einmalige Inszenierung in einem Kinofilm festzuhalten. Der Film reduziert sich dabei nicht nur auf das bloße Abfilmen des Faust-Stoffes, sondern schöpfte mit den gestalterischen Mitteln des Mediums Film die herausragende Darstellung der Akteure besser und perfekter aus, als sie vom menschlichen Auge im Zuschauerraum wahrgenommen werden konnte. Gründgens wurde seinem Anspruch, weder "abgefilmtes Theater" noch "reinen Film" zu machen, in vorher nie erreichter Weise gerecht, eben, wie ein Kritiker seinerzeit schrieb: "dem Theater treu und den Gesetzen des Films nicht zuwider".

Filme mit Gustaf Gründgens: "Va Banque" (1930), "Ich glaub' nie mehr an eine Frau" (1930), "Hokuspokus" (1930), "Brand in der Oper" (1930), "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931), "Yorck" (1931), "Der Raub der Mona Lisa" (1931), "Luise, Königin von Preußen" (1931), "Danton" (1931), "Die Gräfin von Monte-Christo" (1931), "Une histoire d'amour" (1933), "Liebelei" (1933), "Der Tunnel" (1933), "Die schönen Tage von Aranjuez" (1933), "So endete eine Liebe" (1934),"Der Spion des Kaisers" (1934), "Das Erbe in Pretoria" (1934), "Pygmalion" (1935), "Das Mädchen Johanna" (1935), "100 Tage" (1935), "Frau ohne Bedeutung" (1936), "Kapriolen" (1937), "Der Tanz auf dem Vulkan" (1938) "Ohm Krüger" (1941), "Friedemann Bach" (1941), "Das gab's nur einmal" (1958), "Faust" (1960), "Das Glas Wasser" (1960).  

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