prisma: Der Film stellt die Frage „Einmal Mörder, immer Mörder?“ Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Filmidee gehört haben?
Julia Koschitz: Ich war davon sehr angetan, weil ich das Thema Resozialisierung für wichtig erachte. Ein Thema, das uns als Gesellschaft angeht, auch wenn die meisten von uns davon im Alltag nicht viel mitbekommen.
Im Film wird aber auch die Perspektive der Mutter aufgegriffen, die durch den Täter, der eine zweite Chance bekommen soll, ihr Kind verloren hat. Können Sie auch diese Seite verstehen?
Natürlich kann ich nachvollziehen, dass man als betroffene Person wenig Verständnis für den Täter oder die Täterin aufbringen kann oder möchte und ganz simpel Vorbehalte hat, dass ein Schwerverbrecher rückfällig wird. Aber man muss auch sagen, dass das Ganze ein sehr langer Prozess ist, der mit stufenweisen Lockerungen einhergeht. Jeder Fall wird intensiv geprüft und beurteilt. Und vor allem reden wir von Maßnahmen, die nach einer abgesessenen Haftstrafe, nach langen Therapien im Maßnahmenvollzug in Kraft treten. Da muss man einfach über eine Rückführung in die Gesellschaft reden.
Was hat Sie am Drehbuch begeistert?
Jetzt wiederhole ich mich, aber das relevante Thema, das viele Fragen stellt. Ob jemand, der selbst schwere Schuld auf sich geladen hat, das Anrecht hat, nach einer Haftstrafe wieder ein normales Leben zu führen. Ob und wie man so jemanden verzeihen kann, oder sollte. Kann ein Mensch sich bessern? Wann verdient man eine zweite Chance? Wenn jemand vom richtigen Weg abkommt, was muss derjenige leisten, damit die Gesellschaft ihn wieder aufnimmt? Und was muss die Gesellschaft leisten, statt denjenigen bis ans Lebensende zu stigmatisieren. Das sind alles sehr spannende Fragen.
Für Ihre Figur Karla ist der Fall kein leichter – Sie gerät in Konflikt mit Kollegen und wird von der Presse verfolgt. Wie schafft man es da, einen klaren Kopf zu bewahren?
Ich bewundere alle Menschen, die so große Verantwortung tragen. Seien es Ärztinnen und Ärzte, Richterinnen und Richter, Politikerinnen und Politiker, wer auch immer existentielle Entscheidungen trifft. Das einmal vorweg. Ich trage Verantwortung für meine Figur, die Geschichte des Films, das war’s. Ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen würde. Aber wenn man seinen Beruf liebt, macht man ihn gewissenhaft, man steht für eine Überzeugung und nimmt auch Risiken in Kauf – so ungefähr geht es meiner Filmfigur.
Sie haben bereits zum dritten Mal jetzt Karla Eckhardt gespielt. Was mögen Sie so an ihr?
Ich mag das Sperrige an dieser Figur. Sie will nicht gefallen, ist stur, gibt nicht viel auf Konventionen, eine Einzelgängerin mit Ecken und Kanten. Sie hat ihren ganz eigenen Humor, manchmal ist sie aber auch einfach unfreiwillig komisch. Diese Figur ist auf jeden Fall noch nicht auserzählt, da gäbe es noch Potential.
Die Reihe beschäftigt sich mit menschlichen Abgründen. Welches Thema fänden Sie denn mal spannend?
Gute Frage, da habe ich jetzt so auf die Schnelle keine Antwort. Aber egal worum es geht, ich finde es immer wichtig, dass es eine universelle Ebene gibt, mit der sich jeder identifizieren kann.
Können Sie sich eine weitere Fortsetzung vorstellen?
Bisher ist von einem neuen Teil noch keine Rede, aber ich bin diesbezüglich offen.
Schauen Sie privat auch gerne Krimis?
Ich mag Krimis, wenn sie eine gute Mischung aus unterschiedlichen Genres sind. Sei es Komödie, Drama, oder Thriller, oder auch mit Horrorelementen, die immer mehr eine Rolle spielen. Diesen Genremix spiele ich auch selbst am liebsten. Privat schaue ich aber mehr Komödien, Thriller oder Dramen. Außerdem liebe ich das Kino!
Was war der letzte gute Kinofilm, den Sie gesehen haben?
Absolut unerreicht war im letzten Jahr „One battle after another“, ein grandioser Film und auf eine schreckliche Weise prophetisch. „Sirāt“, viel arthousiger, aber auch ein sehr politischer Film, hat mich ebenfalls umgehauen. Und zuletzt habe ich „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Simon Verhoeven gesehen und sehr gemocht. Ich habe das Buch von Joachim Meyerhoff geliebt und hatte fast ein bisschen Angst, enttäuscht zu werden, aber der Film und vor allem Senta Berger und Michael Wittenborn haben mich sehr berührt.
Worauf freuen Sie sich 2026 besonders?
Ich freue mich auf mein nächstes Projekt, ein Kinofilm in Österreich mit Simon Schwarz und Robert Stadlober. Ich würde sagen eine schwarze Tragik-Komödie. Zuletzt habe ich eine Serie gedreht, in der ich eine Polizistin spiele, die an einer frühen Form von Alzheimer leidet. Das war emotional schon eher fordernd, insofern freue ich mich jetzt über ein bisschen Abwechslung.
„Im Schatten der Angst – Der Skorpion“
Montag, 9. März, 20.15 Uhr im ZDF