Geheimnisse sind Lügen, heißt es in "The Circle", dem Dystopie-Bestseller der Generation Internet. Und weil Lügen falsch sind, so die naheliegende Deduktion, darf niemand mehr Geheimnisse haben. Nur: Kriminalfernsehen gäbe es dann wohl auch nicht mehr. Zumindest nicht solches wie hier, im 14. Film der ZDF-Reihe "Unter anderen Umständen". Denn der Film mit dem etwas prätentiösen Titel "Das Geheimnis der Schwestern" funktioniert nur, weil hier eben jeder etwas zu verheimlichen hat. So entstehen Eifersüchteleien unter Kollegen, und so kann es auch passieren, dass eine junge Frau ums Leben kommt.

Der Film von Judith Kennel, die einmal mehr die Regie übernahm, ist dann auch ein Moralstück, das am Ende die Erkenntnis vermittelt, dass – genau – Geheimnisse nichts bringen außer Tod und Qualen. Zunächst muss das Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) spüren, ohne überhaupt zu wissen, wie ihr geschieht. Ein Führungsposten als Kriminalrätin wird ihr da angeboten, was bedeuten würde: Arne Brauner (Martin Brambach), ihr Vorgesetzter, wäre seinen Job los.

Brauner, der heimlich in Janas Büroschubladen geschnüffelt hat, bekommt Wind von der Angelegenheit und lässt in der Folge nichts ungenutzt, um sich zu profilieren. Ein Ertrinkender, der verzweifelt versucht, sich ans Ufer zu retten. Jana, nichts ahnend, bekommt Brauners Unmut zu spüren während der Mordermittlung, die "Das Geheimnis der Schwestern" erzählt. Es dauert dann sehr lange, bis Jana erfährt, warum sich ihr Chef so widerwärtig verhält. Hätte sie mal mit offenen Karten gespielt!, so die Moral von der Geschicht'.

Kleinklein des Vorstadtlebens

Daneben lässt das Drehbuch von André Georgi freilich noch genug Platz für den Mord, den die sich kabbelnden aufzuklären haben. Daria, eine junge Frau aus der Ukraine, wurde in einem Naturschutzgebiet gefunden. Bevor sie die Wildschweine entdeckten, wurde die Unglückliche bereits übel zugerichtet. Die einzige Spur, der die Ermittler für lange Zeit folgen können, ist eine anonyme Anruferin, die in der Nacht zuvor einen Streit zwischen dem Opfer und einem jungen Mann beobachtet haben will. Die Tote ist bald als Prostituierte entlarvt, die für eine Sexparty angeheuert war, die Anruferin als Katharina Seidel (Nele Mueller-Stöfen), Hausfrau eigentlich, doch, natürlich, eine mit Geheimnis. Das teilt sie mit ihrer Schwester Sybille (Janna Striebeck), die auch dabei war an jenem Abend, als Katharina den Streit beobachten hatte.

Bald verliert sich der Film dann im Kleinklein des Vorstadtlebens von Katharina und ihrem in Geldnöten versinkenden Mann Andreas (Martin Lindow), der, mit kaputtem Rücken, ein Eigenheim gebaut hat. Ganz am Ende dann wird die Moral von den Geheimnissen, die nur Scherereien bringen, noch einmal herausgekramt. Dann nämlich, wenn die beiden Schwestern endlich herausrücken mit der Wahrheit. Bis dahin aber ist es in diesem Krimi ein weiter Weg, ein Hindernislauf über wohlbekannte Krimibausteine und voller Stolperfallen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst