Überleben im Wal

"Whalefall": Kann ein Mensch wirklich eine Stunde lang im Inneren eines Wals überleben?

15.10.2026, 12.49 Uhr
Der neue Kinofilm "Whalefall" zeigt einen Taucher, der von einem Pottwal verschluckt wird. Biologe Dr. Mario Ludwig erklärt, warum dies in der Realität kaum möglich ist.

Menschen in Walfischen – es ist ein uraltes, wiederkehrendes Motiv. Man kennt es aus der biblischen Geschichte um den Propheten Jona, der von einem "großen Fisch" (später gedeutet als Wal) verschluckt und dann wieder ausgespuckt wurde, aus Erzählungen von Seefahrern und aus "Pinocchio". Auch im neuen Survival-Abenteuer "Whalefall" (ab sofort im Kino) landet ein Mann im Inneren eines gigantischen Meeressäugers. Es bleibt ihm eine Stunde Zeit, um sich zu befreien. Aber könnte ein Mensch wirklich so lange in einem Wal überleben?

Der limitierende Faktor in "Whalefall" ist vor allem die Luft zum Atmen: Der Sauerstoffvorrat des Tauchers Jay Gardiner (Austin Abrams), der im Pazifik von einem Pottwal verschluckt wird, reicht für etwa eine Stunde aus. Der promovierte Biologe und Autor Dr. Mario Ludwig, bekannt als "Experte für alles Tierische", sieht darüber hinaus aber ganz andere Probleme.

"Der Mann würde zwar durch die Speiseröhre hindurchpassen, die ist prinzipiell groß genug. Aber er würde wohl kaum lebendig bis in den Magen kommen", erklärt der Experte. Der erste Magenabschnitt eines Pottwals sei extrem muskulös und darauf ausgerichtet, die Nahrung zu zerkleinern – im Normalfall sind das Riesenkalmare, die bevorzugte Beute der bis zu 50 Tonnen schweren Meeresräuber. "Das passiert mit einem unglaublich hohen mechanischen Druck. Ich würde schätzen, das sind etwa 500 Pfund. Heißt also, ein Mensch würde hier schon einmal zusammengepresst und zerquetscht werden."

Zerkleinert und verätzt: "Das wäre dann schon ziemlich übel"

Im zweiten Magenabschnitt des Wals träfe der Mensch dann auf die Magensäure (Hauptbestandteil: Salzsäure) und die Verdauungsenzyme. Der Taucher im Film sei zwar durch einen Neoprenanzug geschützt, räumt Dr. Ludwig ein. "Wer aber schon einmal tauchen war, weiß, dass trotzdem immer Wasser in den Anzug eindringt, speziell rund um die Gesichtspartie und an den Händen, wo die Haut auch frei liegt. Der Mensch würde hier also völlig verätzt werden."

Ob man bei entsprechender Sauerstoffversorgung eine Stunde lang in der Magensäure überleben könnte, sei laut Dr. Ludwig schwer zu sagen. "Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass man das lange aushält. Es handelt sich hier wirklich um eine aggressive Säure, die dann auch das Silikon der Tauchermaske und des Atemreglers angreift – das wäre dann schon ziemlich übel." Und selbst wenn man das alles überlebte, würde für den Tierexperten eigentlich kein Weg mehr durch die Speiseröhre zurück nach draußen führen – "man müsste auch hier gegen eine unglaubliche Muskulatur ankämpfen".

Was in der Hollywood-Produktion "Whalefall" also möglich scheint, hält der Fachmann Dr. Mario Ludwig für praktisch ausgeschlossen. "Überleben könnte der Mensch im Magen des Wals auf gar keinen Fall, auch nicht für eine Stunde." Zwar höre man immer wieder Erzählungen von Menschen, die angeblich von Walen verschluckt wurden und sich dann doch wieder befreiten, aber diese Geschichten seien alle nicht belastbar. "Es gibt keinen belegten Fall, bei dem ein Mensch im Magen eines Wals gelandet ist und dann wieder herauskam. Ich halte das für kompletten Unsinn, da ist einfach zu viel 'Es geht nicht' dabei."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das könnte dich auch interessieren