Die Neue

Karoline Schuch über ihre neue Rolle als Elli Krieger im Kieler "Tatort"

15.10.2026, 10.59 Uhr
Karoline Schuch ist die Neue im Kieler "Tatort" – als Polizeipsychologin Elli Krieger. Im Interview verrät sie, warum sie den Wirbel um ihre Rolle unterschätzt hat.
Karoline Schuch trifft am 29.05.2026 zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Berliner Palais am Funkturm ein.
Karoline Schuch tritt in die Fußstapfen von Axel Milberg und verstärkt als Polizeipsychologin Elli Krieger das Team des Kieler "Tatort".  Fotoquelle: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Karoline Schuch (44) kennt den "Tatort" aus mehreren Blickwinkeln. Früher spielte sie die Tochter des Kölner Kommissars Freddy Schenk, heute unterstützt sie als Polizeipsychologin Elli Krieger das neue Kieler Ermittlerteam. Neben Almila Bagriacik (36), in der Rolle der Kommissarin Mila Şahin, beginnt für sie ein neues Kapitel der Krimireihe. Dass ihr Einstieg so viel Aufmerksamkeit auslösen würde, hatte sie nach eigener Aussage nicht auf dem Zettel.

Ihr Debüt gab Schuch am 11. Oktober 2026 im ersten Teil der Doppelfolge "Unter Freunden/Unter Feinden", die Fortsetzung "Unter Feinden" läuft am 18. Oktober im Ersten. Im Gespräch erzählt die Schauspielerin, warum sie bewusst keine klassische Kommissarin spielen wollte, was ihr reales Psychologiestudium mit der Arbeit am Set zu tun hat und warum sie mit Kritik an ihrer zunächst verschlossen wirkenden Figur gut leben kann.

Wirbel um den Einstieg: Warum Karoline Schuch den "Tatort"-Hype unterschätzt hat

Als der NDR im Oktober 2024 verkündete, dass Karoline Schuch zum Kieler "Tatort" stößt, rechnete sie offenbar mit mäßiger Resonanz. Ihr Gedanke: Wen interessiert schon, wer neu in die Reihe kommt? Die Reaktionen belehrten sie eines Besseren.

"Anscheinend ist der 'Tatort' immer noch eine große und wichtige Institution. Ich habe es unterschätzt", sagt Schuch. Dass sich so viele Menschen für ihren Einstieg begeistern, freut sie. Ihr erster Auftritt als Elli Krieger lockte über sieben Millionen Zuschauer vor den Bildschirm, der Marktanteil lag damit bei rund 30 Prozent.

Mit ihrem Wechsel nach Kiel tritt Schuch in große Fußstapfen, denn Axel Milberg (70) ermittelte hier über 20 Jahre als Klaus Borowski und prägte die Reihe maßgeblich. Schuch ersetzt ihn allerdings nicht nur, sondern führt mit der Psychologie eine neue berufliche Dimension in die Fälle ein. Das Zusammenspiel zwischen Kommissarin und Polizeipsychologin verspricht zahlreiche frische Geschichten.

Elli Krieger statt Kommissarin: Darum wollte Schuch eine Psychologin spielen

Für Schuch hing die Entscheidung eng am besonderen Profil der Figur. Eine weitere typische TV-Kommissarin hätte sie nicht gereizt. Im deutschen Fernsehen herrscht wahrlich kein Mangel an unterschiedlich charakterisierten Ermittlerfiguren, also fragte sie sich, um welche Facette sie die bestehende Vielfalt sinnstiftend ergänzen könnte.

Beim Gedanken an eine Polizeipsychologin fiel ihr die Antwort leichter. Psychologie spielt in der Polizeiarbeit eine zunehmend größere Rolle, erhält aber im Fernsehen noch nicht genug Raum. Schuch möchte sich mit ihrer Figur starkmachen, diese Tatsache zu verändern. Elli Krieger bringt die Ermittlungen voran, kann diese aber andererseits durch ihre eigene Herangehensweise auch verlangsamen, weil sie anders auf Tatverdächtige blickt als die polizeilichen Ermittlungsbeamten.

Krieger interessiert sich für Biografien, Motive und Beziehungsgeschichten. Statt eindeutigen Ja-Nein-Antworten serviert sie subtile offene Fragen. Damit ist sie das Gegenstück zu Mila Şahin, die eher "aus dem Bauch heraus" arbeitet, akribisch Spuren verfolgt und klassische Verhörtechniken anwendet. Die sich stark unterscheidenden Methoden versprechen einiges an Reibung - jedoch ohne, dass die beiden Frauen gegeneinander arbeiten würden.

Diplom-Psychologin im Krimi: Hilft das Studium Schuch als Polizeipsychologin?

Karoline Schuch bringt eine ungewöhnliche Voraussetzung mit ans Set: Sie hat tatsächlich Psychologie studiert und 2010 ihr Diplom an der Freien Universität Berlin bestanden. Einen zwangsweisen Vorsprung sieht sie darin allerdings nicht. Auf Elli Krieger bereitete sie sich genauso vor wie auf jede andere Rolle auch.

Das Studium garantiere keine überzeugende Darstellung einer Polizeipsychologin. Sie erläuterte sinngemäß, dass ein Psychologiestudium leider keine Superkraft verleihe. Eine Verbindung zwischen Schauspiel und Psychologie sieht sie dennoch: In beiden Berufen nehme das Interesse an anderen Menschen eine zentrale Stellung ein. Aufmerksam zuhören und nachfragen bringe sie als wichtige Eigenschaften gewiss mit.

Ob Elli Krieger und Karoline Schuch darüber hinaus viel gemeinsam haben, lässt die Schauspielerin offen. Ihre Figur gibt kaum Privates preis und bleibt auch im Gespräch mit anderen meist die Fragende, statt von sich selbst zu erzählen. Das findet Schuch spannend, denn eine zurückhaltende Person müsse nicht zwingend langweilig sein.

Steif oder faszinierend? Wie Schuch mit Kritik an Elli Krieger umgeht

Nicht bei allen Figuren kommt Elli Krieger auf Anhieb gut an. Ihre sachliche, distanzierte Art lässt sie manchmal steif wirken. In der Geschichte unterstellt man ihr deshalb sogar einen "Stock im Arsch". Schuch nimmt es mit Humor und kann damit gut leben. Dass man über die Psychologin privat wenig erfahre, sei Teil der Rolle.

Dass die ständigen Gegenfragen Zuschauer durchaus nerven könnten, räumt sie freimütig ein. Normalerweise wechseln sich in einem üblichen Gespräch Frage und Antwort ab, Elli dagegen beantwortet eine Frage gern mit einer anderen. Schauspielerisch findet Schuch das reizvoll, weiß aber zugleich um die Herausforderung, dass die Figur das Publikum trotz dieser Eigenart packen muss.

Wie sich Elli weiterentwickeln wird, wird sich während der Arbeit an den kommenden Fällen zeigen. Schuch ist an den Gesprächen über die Zukunft der Figur beteiligt, und ihr ist es wichtig, dass das Team gemeinsam entscheidet, in welche Richtung sich Elli bewegen wird. Die Rolle solle sich nicht nur über ihre professionelle Expertise definieren, sondern nach und nach weitere Seiten zeigen.

Axel Milbergs Tipp und der Draht zu Almila Bagriacik: Das neue Kieler Duo

Vor ihrem Einstieg bekam Schuch einen Rat von Axel Milberg: Sie solle Spaß an der Arbeit haben und sich klarmachen, wofür sie kämpfen will. Dieser Tipp gefällt ihr sehr gut. Trotzdem möchte sie sich nicht unentwegt mit ihrem Vorgänger vergleichen.

Der Einstieg fiel ihr auch deshalb leicht, weil sie Almila Bagriacik schon kannte. Beide standen 2018 in "Borowski und das Haus der Geister" gemeinsam vor der Kamera. Schuch in einer Episodenrolle, Bagriacik damals schon als Mila Şahin. Beim aktuellen Wiedersehen fühlte sich Schuch herzlich aufgenommen. Die Zusammenarbeit bezeichnet sie als eine gute Verbindung, auch wenn die beiden Schauspielerinnen sich nicht besonders ähnlich seien.

Gerade die unterschiedlichen Standpunkte ihrer Figuren sieht sie als Vorteil. Mila und Elli müssen nicht in jeder Szene miteinander ringen, um Spannung zu erzeugen, denn der Gegensatz zwischen intuitiver Ermittlungsarbeit und psychologischer Analyse liefert genug Konfliktstoff. In den kommenden Episoden soll sich das Verhältnis der beiden weiter verändern.

Karoline Schuch im Porträt: Vom "Verbotene Liebe"-Star zur festen "Tatort"-Psychologin

Karoline Schuch wurde am 19. Oktober 1981 in Jena geboren. Erste Bühnenerfahrung sammelte sie schon als Kind im "Kinderstudio Jena", später nahm sie Schauspiel- und Stimmunterricht. Im Jahr 2000 gelang ihr mit der Rolle der Lara Cornelius in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" der Einstieg ins Fernsehen. Sie spielte die Figur in 248 Folgen.

2001 stand sie erstmals für den "Tatort" vor der Kamera. Im Kölner Team verkörperte sie bis 2010 Melanie Schenk, die Tochter des von Dietmar Bär (65) gespielten Kommissars Freddy Schenk. Daneben hatte sie Gastauftritte in Frankfurt, Ludwigshafen und Erfurt. Für die Frankfurter Folge "Bevor es dunkel wird" bekam sie 2008 den Günter-Strack-Fernsehpreis als beste Nachwuchsdarstellerin.

Auch im Kino machte sie auf sich aufmerksam, etwa mit "7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug" (2006), "Zweiohrküken" (2009), "Zeiten ändern dich" (2010), "Hannas Reise" (2014) und "Ballon" (2018). In "Die Toten am Meer" übernahm sie 2020 als Kommissarin Ria Larsen erstmals eine Ermittlerrolle.

Karoline Schuch privat: Familie, Landleben und "Maulwurfphasen"

Ihr Privatleben hält Karoline Schuch weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Bekannt ist, dass sie mit ihrem Partner und zwei Kindern in Mecklenburg-Vorpommern lebt. Die Familie zog vor einigen Jahren aus Berlin aufs Land. Ein dauerhaftes Leben in der Großstadt könne Schuch sich für ihre Familie nicht vorstellen.

Nach intensiven Dreharbeiten gönnt sie sich bewusst Zeit für sich. Diese Ruhephasen nennt sie "Maulwurfphasen", weil sie sich dann zurückziehe und möglichst wenig nach außen wirke. Andere sprechen vom "Dreh-Loch" - für Schuch gehört diese Form der Auszeit zum Arbeitsrhythmus: Nach anstrengenden Produktionen braucht sie Abstand, um wieder Kraft zu tanken.

Wie es beruflich weitergeht, lässt sie offen. Ob die feste Rolle im "Tatort" ihre Projektauswahl verändern wird, kann sie noch nicht sagen. Sie will auch weiterhin andere Figuren spielen und sich als Schauspielerin weiterentwickeln. Der Kieler "Tatort" soll sie nicht auf Elli Krieger festlegen.

Nach "Unter Freunden/Unter Feinden": So geht es mit Mila und Elli weiter

Mit "Unter Freunden" ist der Neustart des Kieler "Tatorts" nach Axel Milbergs Abschied geglückt. Der zweite Teil der Doppelfolge, "Unter Feinden", folgt am 18. Oktober 2026 im Ersten. Die Zusammenarbeit von Mila Şahin und Elli Krieger geht weiter. Zwei weitere Filme mit dem neuen Duo sind schon abgedreht: "Der Goldspinner" und "Wer Wölfe ruft" sollen 2027 ausgestrahlt werden.

Schuch hat eine Figur übernommen, die nicht sofort Sympathien gewinnen muss. Ihre Polizeipsychologin hört lieber zu, analysiert und hakt nach, statt sich mit schnellen Antworten zufriedenzugeben. Wie sich Elli neben Mila Şahin behaupten und welche privaten Seiten sie zeigen wird, dürfte in den nächsten Fällen klarer werden.

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