Spannender Neuanfang

Kieler "Tatort" im Wandel: So realistisch soll Polizeipsychologie gezeigt werden

12.10.2026, 12.57 Uhr
Nach dem Abschied von Axel Milberg als Borowski übernimmt Almila Bagriacik mit neuer Tiefe die Ermittlungen in Kiel. An ihrer Seite: Polizeipsychologin Elli Krieger, gespielt von Karoline Schuch. Der Tatort in Kiel stellt mit neuen Themen wie Wirtschaftskriminalität und psychologischen Aspekten Vertrauen und Freundschaft in den Fokus.

Den "Tatort" aus Kiel – 22 Jahre lang verband man ihn mit dem Namen Axel Milberg. Als Kommissar Klaus Borowski war er von 2003 bis 2025 an der Förde aktiv. Sein letzter, sehr guter Fall "Borowski und das Haupt der Medusa" entließ den heute 70 Jahre alten Schauspieler bereits im März 2025 in die Rente. Schon länger war klar, dass seine Partnerin Mila Şahin (Almila Bagriacik) dem Standort Kiel erhalten bleibt.

Doch wer aus dem alten Ensemble bleibt – und wer geht? Und vor allem: Warum sieht man die in den Medien vermeldete Nachfolgerin Milbergs, Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger, erst spät und lediglich in einer Nebenrolle der Folge "Tatort: Unter Freunden"?

Neue Kollegin in Kiel: Anna Nowak bringt ihre eigenen Geheimnisse mit

Kommissarin Şahin hat sich auf die Nachfolge von Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel) als Dienststellenleiterin beworben. Neu an ihrer Seite ist Anna Nowak (Lilith Stangenberg), eine enge Freundin aus Polizeischultagen in Berlin. Sie wirkt aufgedreht und schweigt über die Gründe ihres Wechsels nach Kiel. Wegen ihrer Bewerbung muss sich Şahin einer Begutachtung durch Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch) unterziehen.

Und einen Mordfall gibt es auch: Francesca Polidoro fühlte sich von ihrem Arbeitgeber, der aufstrebenden Kieler Prometheus AG, unter Druck gesetzt. Sie hatte heimlich Akten gesammelt. Geht es um ein Wirtschaftsverbrechen? Şahin und Nowak suchen Unterstützung im Wirtschaftsdezernat unter Kriminalrat Iwersen (Yorck Dippe) und dessen Mitarbeiter Jan Kuper (Sven Schelker). Letzterer scheint sich mehr für Anna Nowak als die Lösung des Falls zu interessieren.

Mehr Psychologie, mehr Tiefe: Das ist die Zukunft des Kieler "Tatort"

Regisseur Lars Kraume, der auch das Frankfurter Team Nina Kunzendorf und Joachim Król aus der Taufe hob und 2025 den Borowski-Abschied inszenierte, hat in seinem Zweiteiler gleich mehrere Themen unter einen Hut zu bringen: Almila Bagriacik soll nach dem Abgang von Platzhirsch Axel Milberg sehr viel mehr Tiefe und Facetten erhalten.

Ihr zur Seite gestellt wird – vor allem ab Film zwei – Karoline Schuch, die keine Polizistin, sondern eine Psychologin spielt. Entsprechend sollen im Kiel der "Tatort"-Zukunft psychologische Themen rund um Verbrechen stärker in den Mittelpunkt rücken. Auch Kriminalrat Iwersen (Yorck Dippe) soll dem Team über den Zweiteiler hinaus erhalten bleiben. Im Doppelfall zum Auftakt geht es um Meta-Themen wie Freundschaft, Vertrauen und Korruption sowie Facetten der Wirtschaftskriminalität.

Lilith Stangenberg sorgt für einen denkwürdigen Kurzauftritt im "Tatort"

Wer Film eins bis zum Ende schaute, weiß: Anna Nowaks Karriere beim "Tatort" bleibt eine kurze. Dafür wird der Auftritt ihrer Darstellerin Lilith Stangenberg wohl länger im Gedächtnis haften bleiben: Selten sah man im "Tatort" eine seltsamere, ja verloren wirkende Ermittlerin.

Stangenberg, geboren am 14. August 1988 in Berlin, gilt als eine der kompromisslosesten Schauspielerinnen Deutschlands. Die Autodidaktin wurde 2010 von "Theater heute" zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gekürt. Von 2012 bis 2017 prägte sie als Ensemblemitglied das radikale Theater Frank Castorfs an der Berliner Volksbühne.

Ihr Durchbruch im Kino erfolgte 2016 mit dem vielfach preisgekrönten Drama "Wild". Darin spielt sie eine junge Frau, die aus bürgerlichen Konventionen ausbricht und eine obsessive Beziehung zu einem Wolf eingeht. Zuletzt sah man Stangenberg in einer Hauptrolle im gefeierten Familiendrama "Sterben" von Matthias Glasner.

Karoline Schuch spielte schon 2001 im "Tatort" – jetzt ermittelt sie in Kiel

Polizeipsychologin Elli Krieger spricht im "Tatort: Unter Freunden" ab Minute 40 ihre ersten, wenigen Sätze. Für längere Auftritte muss die Psychologin bis zum nächsten Sonntag und auf den "Tatort: Unter Feinden" warten. Ganz neu ist die ältere Schwester von Schauspielstar Albrecht Schuch beim "Tatort" allerdings nicht: Karoline Schuch, die tatsächlich einen Uni-Abschluss in Psychologie erworben hat, war bereits als Jugendliche und junge Erwachsene beim "Tatort" tätig.

Zwischen 2001 und 2010 verkörperte sie über sechs lose Folgen eine der beiden Töchter des Kölner Ermittlers Freddy Schenk (Dietmar Bär). Außerdem spielte Schuch, 44 Jahre alt und Mutter zweier Kinder, im ersten Kieler Fall mit Almila Bagriacik, "Tatort: Borowski und das Haus der Geister" (2018), eine Episoden-Hauptrolle.

So realistisch soll Polizeipsychologie im Kieler "Tatort" gezeigt werden

Psychologin Krieger analysiert Biografien und Beziehungsgeschichten von Tatpersonen und stellt offene Fragen statt Ja-Nein-Fragen. Karoline Schuch erwartet laut NDR, dass sich "mehr auf der Beziehungsebene erzählen lässt", und rechnet mit Reibung: Psychologie braucht Zeit, Ermittler vertrauen oft ihrer Intuition. Eine Superkraft, Lügen zu erkennen, habe Krieger nicht.

Für Authentizität der Stoffe soll die Hamburger Kriminalpsychologin Claudia Brockmann als Fachberaterin sorgen. Sie war laut Regisseur Kraume das wichtigste Vorbild für die Figur und wirkte bei Fällen wie Reemtsma und Dagobert mit. Laut Schuch will sie, dass Polizeipsychologie realistisch gezeigt wird, lässt der Fiktion aber Raum.

Neue "Tatort"-Folgen für 2027 stehen fest

Beim neuen Kieler "Tatort" ist man offenbar sehr fleißig. Zwei weitere Folgen mit dem neuen Duo Bagriacik und Schuch sind bereits im Kasten: "Tatort: Der Goldspinner" und "Tatort: Wer Wölfe ruft" lauten die Arbeitstitel. Ausgestrahlt werden beide Filme 2027. Die Dreharbeiten für die Folgen fünf und sechs mit Bagriacik und Schuch starten demnächst.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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