Schwarzwald-Mysterium

"House of Yang": Kritik zur Miniserie von Stefanie Ren und Mia Spengler in der ARD

09.10.2026, 06.00 Uhr
Das ungewöhnliche Serienkonzept von "House of Yang" setzte sich beim SWR-Ideenwettbewerb "Tief im Südwesten" mit seinem Mystery-Plot, der interkultureller Geschichte und dem Setting Schwarzwald gegen 180 andere Bewerber durch. Stefanie Rens Miniserie läuft ab 9. Oktober auch in der ARD-Mediathek.

Dass Häuser Geschichten erzählen können, weil sie bei entsprechendem Baujahr viel gesehen haben, ist eine Erkenntnis, die Filmemacher schon lange der Realität abgeschaut haben. Der deutsche Oscar-Bewerber des Jahres 2026, "In die Sonne schauen" (seit 11. September in der ZDF-Mediathek), arbeitete mit einem Generationenhaus als Schauplatz – und nun tut das auch Stefanie Rens (Drehbuch) und Mia Spenglers (Regie) Miniserie "House of Yang". Am späten Freitagabend strahlt das Erste die sechs Folgen linear aus. Am selben Tag steht die Serie auch in der ARD-Mediathek. Worum geht es?

ARD
House of Yang
Miniserie • 09.10.2026 • 23:55 Uhr

Jessie (Elisa Hofmann) reist mit Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) in ihr Elternhaus im Schwarzwald, um das alte Gemäuer und damit ihr Erbe abzuwickeln. Ein echtes Filetstück des Immobilienmarkts ist das entlegene Haus nicht gerade, lässt der Makler durchblicken – zumal die muffeligen Möbel aus vergangenen Jahrzehnten immer noch herumstehen und alles so wirkt, als habe man dieses Schwarzwald-Grusel-Ambiente fluchtartig verlassen.

In der Tat rankt sich ein schwer zu begreifendes Geheimnis um Jessies Elternhaus: Hier verschwand im Kindesalter ihre jüngere Schwester Isabel (Xue Lili Pautze). Trotz intensiver Suche wurde das Mädchen nie gefunden. Augenzeugen behaupten gar, das Haus habe Isabel förmlich verschluckt. Bei den Bewohnern des Hauses handelt es sich nicht um Bio-Deutsche.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stießen asiatische Einwanderer zur Familie, was sie immer wieder mit rassistischen Bemerkungen und Vorurteilen konfrontierte. Und dann kommt heraus: Isabel war nicht das erste Kind, das im Haus verschwand. Offenbar gab es einen ähnlichen Vorfall in einer bereits länger zurückliegenden Zeit. Die Serie "House of Yang" erzählt ihre Geschichte auf drei Zeitebenen.

Permanentes Abgelehntwerden löst archaische Ängste aus

Drehbuchautorin Stefanie Ren und auch Regisseurin Mia Spengler haben selbst asiatische Wurzeln. Aus dem Serienkonzept "House of Yang" erschufen die beiden Frauen einen wahrhaft seltsamen Genre-Mix aus Mystery, einer Familien-Saga über drei Generationen und Geschichten rund um interkulturelle Mythen und Rassismus.

Ihr im Schwarzwald angesiedelter Plot setzte sich beim SWR-Ideenwettbewerb "Tief im Südwesten" gegen 180 andere Bewerber durch und lief zudem bei der Berlinale. Stefanie Ren verarbeitete in der Serie ihre eigene Familiengeschichte: "Meine Schwester und ich wurden in Taiwan geboren und wuchsen als Töchter einer Deutschen und eines Chinesen im Schwarzwald auf, wo wir immer wieder Rassismus gegenüber uns und unserer Familie erlebt haben. Nicht nur von Nachbar:innen oder Mitschüler:innen. Meine deutsche Großmutter hatte Angst vor meinem chinesischen Vater."

Dass sich die Serie mit ihren Generationenthemen und mysteriösen Querverbindungen auch ein bisschen beim internationalen deutschen Netflix-Hit "Dark" bedient, darauf könnte man als Genre-Kenner ebenfalls kommen. Dennoch hat die nur sechsmal 25 Minuten lange Serie auch eigene Ideen und Themen zu bieten, die man so in diesem Genre bis dato noch nicht vorfand. Dass man den ein oder andere Grusel-Twist samt Jump Scare-Idee schon mal gesehen zu haben glaubt, liegt auch ein wenig an der Lust des Mystery-Genres, ähnliche Themen und Rätsel immer wieder begutachten zu wollen. Dass ein Gefühl des permanenten Abgelehntwerdens in der Gesellschaft aber auch archaische Ängste auslösen kann, mit diesem Horrorgefühl kann "House of Yang" in der deutschen Serienlandschaft bisher ziemlich exklusiv aufwarten.

House of Yang – Fr. 09.10. – ARD: 23.55 Uhr

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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