Tomás G. Alea

Tomás G. Alea (l.) mit seinem Kollegen und
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Tomás G. Alea (l.) mit seinem Kollegen und Lebensgefährten Juan Carlos Tabio
Tomás Gutiérrez Alea
Geboren: 11.12.1928 in Havanna, Kuba
Gestorben: 16.04.1996 in Havana, Kuba

"Guantanamera - Eine Leiche auf Reisen", Tomás G. Aleas letzter Film von 1995 ist eine Mixtur aus Komödie, Love-Story und Satire vor dem Hintergrund des modernen Kuba. Er hat diesen Film gemeinsam mit seinem jüngeren Kollegen und Lebensgefährten Juan Carlos Tabio inszeniert und das hat den beiden getreuen Sozialisten das Leben im eigenen Land schwer gemacht. Es gab Behinderungen bei Auslandsreisen, bei Filmkopien, bei bürokratischem Alltagskram, doch Alea konnte sich dank seines Ansehens, seiner Position als Kämpfer aus den frühen Tagen der Revolution gegen alle Behinderunsgversuche durchsetzen. Er negierte ganz einfach stur Anweisungen - und niemand traute sich, sich ihm zu widersetzen.

In "Guantanamera" geht es auch um die bürokratischen Komplikationen, die die Beerdigung eines Bürgers behindert und verzögert. Als Alea starb, mussten seine Freunde daran denken und schmunzeln. Kurz vor den Dreharbeiten zu seinem letzten Film sagt er im Freundeskreis: "Jedenfalls möchte ich mich nicht jetzt zurückziehen, wo so vieles in Frage gestellt ist - ich möchte nicht in diesem Augenblick der Ungewissheit aufhören." Zu diesem Zeitpunkt weiß er, dass er nicht mehr lange leben wird, aber keine andere Aussage könnte die Person und das Leben Tomás Gutiérrez Alea besser beschreiben. Er, der große Freund und Kämpfer für die Revolution, musste sich in den letzten Jahren der Veränderung in seinem Lande immer wieder fragen "Ist das unser Land" - wie einer seiner ersten Dokumentarfilme von 1958 heißt.

Alea hat immer kritisch nachgedacht: über die Menschen, die Revolution und den Sozialismus, aber auch den sozialistischen Alltag mit seinen Widersprüchen und Lügen. Diese Auseinandersetzung steht auch im Zentrum seines bedeutenden Films "Erdbeer und Schokolade" von 1993. Die Dreiecksgeschichte zwischen einem Soziologiestudenten, einem Schwulen und einer reifen Frau wird zum Spiegel der kubanischen Gesellschaft. Es wird Kritik an der Revolution geübt, eine Kritik von Innen, mit der Utopie einer Erneuerung von innen. Komik und Humor in seinen Filmen schafft bei allen schwierigen Lebensfragen, die thematisiert werden, eine stets wirkungsvolle Brücke zu den Zuschauern: Alea war immer ein Publikumsliebling, seine Filme waren bis zuletzt erfolgreich.

Tomás Alea, das war Kuba, die kubanische Revolution. Als Student dreht er Dokumentarfilme, darunter "Una confussión" in Co-Regie mit Nestor Almendros, dem namhaften Kameramann. 1950 beginnt Alea das Studium am Centro sperimentale in Rom. Nach seiner Rückkehr dreht er gemeinsam mit Juan García Espinosa 1956 den Film "Mengano", der sich mit den Bergarbeitern von Cienga de Zapata befasst und während der Entstehung sehr starken Zwängen ausgesetzt war. 1961 dreht Alea die dreiteilige Dokumentation "Geschichten der Revolution". Mit dem Film und darüberhinaus mit seinem Leben stellt sich Alea in die vorderste Front der Revolution von 1959. In dem Film "Die 12 Stühle" verlegt Alea die Vorlage von Ilf und Petrow auf kubanische Schauplätze, 1966 folgt "Tod eines Bürokraten - schon das ist eine wirkungsvolle Attacke aufs Beamtentum. Einer seiner wichtigsten Filme aber ist "Erinnerungen an die Unterentwicklung", der die Rolle des Intelektuellen in der kubanischen Revolution untersucht.

Ein sehr opulenter Film ist das Farbfesko "Das letzte Abendmahl" (1976). Die Geschichte eines französischen Landadligen, der mit seinen Sklaven das letzte Abendmal zelebriert, aber später seine Jünger wegen Rebellion ermorden läddt. Kritik an der Kolonialpolitik und am Christentum - auf opulente Art. Beim Studium in Rom lernt Alea seinen späteren Freund, den Kameramann Nestor Almendros und Gabriel Garcia Marquez kennen, der ihm später, 1988 das Buch zu "Cartas del Parque" schreibt. Er begegnet dem "Kapital" von Karl Marx und dem italienischen Neorealismus, der ihn prägt. Alea studiert Rechtswissenschaft und beginnt mit 20 humoristisch-satirische Kurzfilme zu drehen.

Die Politik Batistas weckt Aleas revolutionären Eifer. In Zeitschriften und bei prärevolutionären Aktionen steht er gemeinsam mit seinen Kollegen Espinoza und Santiago Alvarez an der Spitze - auch dabei: der spätere Gründer und Direktor des Filminstituts Alfredo Guevara. Das ICAIC, das berühmte kubanische Filminstitut, beruht mit auf seinen Ideen und Alea hat immer Zeit gefunden, als Lehrer, Mentor, Co-Autor und Berater im Studienalltag und am Set mitzuwirken.


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