Der Alltag in einem völlig normalen Büro wird durch einen Chef zur Dauerbelastung. Steve Carell spielt Michael Scott als Mann, der unbedingt gemocht werden will und dabei zuverlässig jede soziale Situation falsch einschätzt. Lob wird zur Beleidigung, Witze kippen ins Unangenehme, Meetings werden zur Zumutung. Die Serie steigert Fremdscham nicht durch einzelne Gags, sondern durch das konsequente Ausstellen sozialer Blindheit.
Gut zu wissen:
Der Meister der Fremdscham, Klappe 2: Andy (Steve Carell) lebt ein ruhiges, ordentliches Leben und hat ein Geheimnis, das seine Kollegen unbedingt lösen wollen. Carell spielt ihn als höflichen, zurückhaltenden Mann, dessen Unschuld in Gesprächen über Sex immer wieder schonungslos offengelegt wird. Fremdscham entsteht aus dem Kontrast zwischen Andys Ernsthaftigkeit und der grenzenlosen Übergriffigkeit seines Umfelds, das jede Grenze überschreitet und dabei überzeugt ist, ihm etwas Gutes zu tun.
Gut zu wissen:
Borat ist eine Figur, die jede gesellschaftliche Konvention ignoriert und genau dadurch Gesprächspartner entwaffnet. Sacha Baron Cohen spielt ihn nicht als Witzfigur, sondern als sozialen Blindgänger, der Fragen stellt, die man normalerweise nicht stellt – und Antworten provoziert, die man sonst nie hören würde. Fremdscham entsteht hier nicht durch Borat selbst, sondern durch das hilflose Mitmachen, Lachen oder Ausweichen der Menschen, die ihm begegnen.
Gut zu wissen:
Und nochmal Ali G: Der österreichische Modejournalist Brüno bewegt sich selbstbewusst durch gesellschaftliche Räume, die ihn eigentlich ablehnen. Sacha Baron Cohen spielt die Figur als kompromisslos höflichen Provokateur, der Regeln nicht bricht, sondern wörtlich nimmt. Fremdscham entsteht aus der Diskrepanz zwischen Brüno’s Selbstverständlichkeit und der sichtbaren Überforderung seiner Umgebung, die zwischen Lachen, Wegsehen und Aggression schwankt.
Gut zu wissen:
Ein pensionierter Musiklehrer reist spontan zu seiner Tochter nach Bukarest, wo sie als Unternehmensberaterin arbeitet. Peter Simonischek spielt Winfried als Mann, der Nähe über Irritation herstellt, Sandra Hüller seine Tochter Ines als perfekt kontrollierte, emotional abgekoppelte Karrierefrau. Fremdscham entsteht aus dem permanenten Zusammenstoß zweier Lebensentwürfe: Hier Anpassung, Status und Professionalität, dort absurde Masken, falsche Zähne und peinlich genaue Beobachtung. Der Film zwingt dazu, Szenen auszuhalten, in denen niemand ausweicht – und genau das macht sie so stark.
Gut zu wissen:
Larry David spielt eine leicht fiktionalisierte Version seiner selbst: wohlhabend, prinzipientreu und unfähig, kleine soziale Regelbrüche zu ignorieren. Aus banalen Situationen – Begrüßungen, Geschenke, Warteschlangen, Höflichkeitsfloskeln – entstehen endlose, unangenehme Diskussionen, weil Larry immer ausspricht, was andere denken, aber nie sagen würden. Fremdscham entsteht hier aus der Erkenntnis, dass Larry oft recht hat – und es trotzdem unerträglich ist, ihm dabei zuzusehen.
Gut zu wissen:
Eine junge Frau in London stolpert durch Beziehungen, Sex, Trauer und Selbstsabotage – und kommentiert ihr eigenes Scheitern direkt in die Kamera. Phoebe Waller-Bridge spielt Fleabag als Figur, die ihre Peinlichkeit offensiv ausstellt und das Publikum zum Komplizen macht. Fremdscham entsteht hier aus Nähe: Man weiß mehr als alle anderen Figuren, sieht die Lügen entstehen und kann nicht eingreifen, wenn Situationen bewusst gegen die Wand gefahren werden.
Gut zu wissen:
Nathan Fielder hilft kleinen Unternehmen mit angeblich genialen Marketingideen – und setzt sie mit todernster Höflichkeit um. Nathan Fielder spielt eine Version seiner selbst, die soziale Regeln buchstabengetreu befolgt und dadurch ad absurdum führt. Fremdscham entsteht aus der Kollision von professionellem Ton und völlig unpraktikablen Maßnahmen, denen echte Geschäftsinhaber aus Höflichkeit oder Verzweiflung folgen.
Gut zu wissen:
Zwei Highschool-Freunde wollen vor dem Schulabschluss endlich erwachsen wirken und stolpern von einem peinlichen Moment in den nächsten. Jonah Hill spielt Seth als lautstarken Überkompensierer, Michael Cera Evan als sozial übervorsichtigen Gegenpol; beide verheddern sich in Gesprächen über Sex, Alkohol und Status, die sie sichtbar überfordern. Fremdscham entsteht hier aus dem krampfhaften Versuch, cool zu sein, während jede Situation die eigene Unsicherheit offenlegt.
Gut zu wissen:
Ein Mann will beim ersten Besuch der Schwiegereltern alles richtig machen und scheitert an jeder einzelnen Kleinigkeit. Ben Stiller spielt Greg als nervösen Dauer-Erklärer, der sich immer tiefer verheddert, Robert De Niro seinen zukünftigen Schwiegervater als kontrollierenden Ex-CIA-Mann, der jede Unsicherheit seziert. Fremdscham entsteht aus dem Versuch, Höflichkeit, Ehrlichkeit und Anpassung gleichzeitig zu leisten – und dabei alles zu verlieren.
Gut zu wissen:
John Wilson filmt scheinbar beiläufige Alltagsbeobachtungen in New York und kommentiert sie mit ruhiger, persönlicher Stimme. Aus harmlosen „How-to“-Fragen entstehen Gespräche, die zu intim, zu ehrlich oder zu lang werden – und genau darin liegt die Fremdscham. Menschen reden weiter, obwohl sie längst merken, dass sie zu viel preisgeben, und man als Zuschauer dabei bleibt, weil Wegsehen unhöflich wäre.
Gut zu wissen:
Zwei Mitbewohner in London scheitern zuverlässig an sozialen Situationen, Beziehungen und ihrem eigenen Anspruch, normal zu wirken. David Mitchell spielt Mark als überkontrollierten, statusfixierten Pessimisten, Robert Webb Jeremy als verantwortungslosen Hedonisten mit chronischer Selbstüberschätzung. Das Besondere: Die Serie lässt das Publikum permanent an den inneren Monologen der Figuren teilhaben. Fremdscham entsteht hier aus der brutalen Nähe zwischen dem, was gedacht wird, und dem, was dann trotzdem gesagt oder getan wird.
Gut zu wissen: