Ost-Berlin, 20.11.1976: Drei Tage sind es her, dass der Sänger Wolf Biermann ausgewiesen wurde. In der Villa des populären Schauspielers Manfred Krug und seiner Frau Ottilie versammeln sich Autoren, Regisseure und prominente Schauspieler - die Künstler-Elite der DDR. Unter ihnen Jurek Becker, Stefan Heym, Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf, Frank Beyer und Heiner Müller. Sie alle haben schriftlich gegen die Abschiebung Biermanns protestiert - eine unerhörte Aktion im SED-Staat. Der Staatsapparat reagiert sofort und schickt linientreuen Besuch, im Gepäck: Maßregelungen, Einschüchterungen, Drohungen. Manfred Krug muss geahnt haben, was ihn nach dieser seltsamen Tafelrunde erwartet. Dennoch zeigt er eine enorme Zivilcourage: Er nimmt das Gespräch heimlich mit Tonband auf ...

"Abgehauen" schildert die dramatischste Phase im Leben des Publikumslieblings Manfred Krug, der nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns zu einem der prominentesten Opfer staatlicher Willkür unter dem SED-Regime wurde. Frank Beyer, der wie Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf zu den Weggefährten des Schauspielers und Mitunterzeichners des Protestbriefes gehörte, inszenierte den Film mit Peter Lohmeyer in der Rolle des jungen Krug. Aber auch Manfred Krug selbst kommt zu Wort: Immer wieder greift er - die Ereignisse von damals kommentierend und reflektierend - in die Spielhandlung ein. Entstanden ist ein bemerkenswertes Zeitdokument. Die Folgen des Treffens in der Ost-Berliner Schauspieler-Villa sind ein Stück Zeitgeschichte. Jeder der Anwesenden ist gezwungen, sein Verhältnis zu sich selbst, seinem Beruf und seinem Staat zu überdenken, wenn nicht neu zu definieren.

Foto: MDR/WDR/Alex Reute