Der Facharzt für Frauenheilkunde Dr. Heß lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in einer Kreisstadt im Südwesten der Bundesrepublik. Er führt in zahlreichen Fällen, in denen die Patientinnen ihm eindringlich ihre soziale und psychische Notlage und ihre Entschlossenheit zur Abtreibung darstellen, Schwangerschaftsabbrüche durch. Viele seiner Patientinnen haben keine Beratungsatteste, wie es im Gesetz vorgesehen ist, aber der Arzt ist von ihrer Notlage überzeugt, hilft ihnen und bricht ambulant die Schwangerschaft ab. Eines Tages dringen Beamte der Steuerfahndung unvermittelt in die Praxis ein, durchsuchen die Buchhaltung und beschlagnahmen die Patientenkartei. Kurz darauf erfährt der Arzt, dass die Unterlagen, die unter Arztgeheimnis stehen, bei der Staatsanwaltschaft liegen und Gegenstand eines großangelegten Ermittlungsverfahrens wegen illegalen Schwangerschaftsabbruchs geworden sind. Hunderte von Frauen werden vernommen und mit Verfahren überzogen. Um den Arzt zieht sich das Netz der Ermittlungen immer enger zusammen...

"Abgetrieben" von Norbert Kückelmann basiert auf dem sogenannten "Memmingen-Prozeß" der Jahre 1988/89. Dort mußten sich über 100 Frauen und der sie behandelnde Arzt wegen illegalen Schwangerschaftsabbruchs vor Gericht verantworten. Frauen und Arzt wurden verurteilt, weil das Gericht eine nach damaligem Recht gebotene Notlage nicht gegeben sah. Memmingen und die dort gemachten Erfahrungen waren ein wesentlicher Anstoß für die Parlamentarier des deutschen Bundestages, die Reform des Paragraphen 218 in Gang zu setzen.