Ruth Drexel

Ruth Drexel als Regina Lechner in "Zwei am großen
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Ruth Drexel als Regina Lechner in "Zwei am großen See"
Fotoquelle: rbb/Degeto/Magdalena Mate
Ruth Drexel
Geboren: 14.07.1930 in Vilshofen, Niederbayern, Deutschland
Gestorben: 26.02.2009 in Feldkirchen, Bayern, Deutschland

Als Mama von Ottfried Fischer in mehr als 60 Folgen der bayerischen Krimiserie "Der Bulle von Tölz - Der Tölzi" erfuhr Ruth Drexel einen Publikumserfolg, der schnell vergessen ließ, dass sie bereits auf eine langjährige und sehr erfolgreiche Karriere als bayerische Volksschauspielerin, Charakterdarstellerin, Regisseurin und Intendantin zurückblicken konnte. Geboren im niederbayerischen Vilshofen, wuchs Ruth Drexel in Trostberg im Chiemgau auf. Eigentlich sollte sie Näherin werden, reagierte aber trotzig auf die vorgegebene Berufswahl, verließ die bayerische Provinz und zog - gerade einmal 17 Jahre alt - nach München, wo sie Schauspielerin werden wollte. Dank ihres großen Talents erhielt sie an der Otto-Falckenberg-Schule einen Ausbildungsplatz.

1949 gab sie in Kurt Hoffmanns "Heimliches Rendezvous" ihr Filmdebüt, vier Jahre später ihr Bühnendebüt an den Münchner Kammerspielen in Arthur Millers "Hexenjagd". 1956 gehörte sie dem Berliner Ensemble von Bertolt Brecht an. Außerdem spielte sie an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin (1966), am Württembergischen Staatstheater Stuttgart (1970/1971), am Staatstheater Darmstadt (1972 - 1975), im Düsseldorfer Schauspielhaus (1976 - 1979) und am Bayerischen Staatsschauspiel (ab 1976). Die Rollen, in die sie schlüpfte, füllte sie bravourös aus. Am Bayerischen Staatsschauspiel brillierte sie unter anderem als "Mutter Courage" in Brechts gleichnamigen Stück. Regisseure wie Peter Zadek, Peter Palitzsch oder Wilfried Minks wussten, warum sie die resolute Niederbayerin engagierten.

Dass sich Ruth Drexel schon früh einen Namen als Regisseurin und Intendantin machte, zeigt deutlich, dass sie schon immer eine durchaus zielstrebige Persönlichkeit war. Wer Ruth Drexel auf die Rolle als ländliche Übermutter oder bäuerliche Schlaubergerin reduziert, der tut ihr Unrecht. Sie galt als streitbar und politisch unangepasst. Sie war nie volkstümelnd, doch verleugnete sie das Bayerische nie, sondern präsentierte es auf eine aufgeklärte Weise. Bereits 1978 gab sie am Düsseldorfer Schauspielhaus ihre Regiedebüt, drei Jahre später war sie am Bayerischen Staatsschauspiel die erste Frau, die eine Regiearbeit (Nestroys "Talisman") vorstellte. Sie scheute sich nicht davor Neuland zu betreten. Manche ihrer Stücke galten als skandalträchtig. Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin und Regisseurin war sie von 1988 bis 2002 (mit kurzer Unterbrechung) Intendantin des Münchner Volkstheaters, das sie unter schwersten Bedingungen im Münchner Kulturleben etablierte. Unangefochtener Star der Bühne war Hans Brenner, mit dem Ruth Drexel fast 30 Jahre lang - bis zu seinem Tod - zusammenlebte. Kennengelernt hatten sie sich 1969 als sie für Martin Sperrs "Jagdszenen aus Niederbayern" gemeinsam auf der Bühne standen.

Neben ihren Arbeiten am Theater war Ruth Drexel auch schon früh auf der Leinwand und vor allem im Fernsehen präsent. Bereits Mitte der Fünfzigerjahre übernahm sie viele Filmrollen. Darüber hinaus konnte man sie vom Beginn ihrer Karriere auch regelmäßig in Serien-Produktionen bewundern. Darunter waren unter anderem Auftritte in Krimi-Klassikern wie "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger", "Tatort", "Der Alte" und "Derrick". Außerdem sah man sie in Rainer Werner Fassbinders brillanter Arbeiterserie "Acht Stunden sind kein Tag" (TV-Serie, 1972-1973) ebenso wie in Helmut Dietls "Münchner Geschichten" (1974).

In den Achtzigerjahren übernahm sie Episodenrollen in "Monaco Franze - Der ewige Stenz" (1983) und "Polizeiinspektion 1" (1985). In der inzwischen zum Kult gewordenen bayerischen Fernsehserie "Irgendwie und sowieso" (1986) von Regisseur Franz Xaver Bogner spielte Ruth Drexel erstmals an der Seite ihres späterer Seriensohnes Ottfried Fischer, der hier in die Rolle des berühmt-berüchtigten "Sir Quickly" schlüpfte. Ein Jahr später standen beide erneut für eine Serienproduktion unter der Regie von Franz Xaver Bogner vor der Kamera. In "Zur Freiheit", erzählt wird die Geschichte einer heruntergekommenen Schlachthofwirtschaft im Schlachthof München, übernahm Ruth Drexel den Part der Paula, der Besitzerin des Großmarkthallen-Kiosks, die von ihrem Konkurrenten zur Aufgabe gezwungen wird und schließlich die Schlachthofwirtschaft pachtet. Der Regisseur und seine Hauptdarstellerin - stellvertretend für alle Schauspieler - wurden 1989 für "Zur Freiheit" mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet. Nur einer von vielen Preisen, den Ruth Drexel im Laufe ihres Lebens erhalten hat. Unter anderem erhielt sie den Bayerischen Theaterpreis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Romy, den Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk und die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold.

1995 begann für Ruth Drexel die Zeit als Resi Berghammer, die resolute Mutter des "Bullen". Gekonnt spielte sie ihren Seriensohn an die Wand und galt von Anfang an als der heimliche Star der bayerischen Krimireihe. 2004 überzeugte sie in der Rolle der Heilerin in Holger Barthels Familiendrama "Die Heilerin". Darüber hinaus etablierte sich die humorvolle Darstellerin als Alpen-Miss-Marple in der heiteren Detektivserie "Agathe kann's nicht lassen" (2005-2007) und agierte neben Uschi Glas in dem Mehrteiler "Zwei am großen See" (2004-2006). 2006 sah man sie zudem in der ersten Folge des vermeintlichen "Der Bulle von Tölz"-Ablegers "Stadt, Land, Mord! - Enthüllungen". Als sie 2007 wegen einer Erkrankung pausieren und für einige Folgen den Tölzer Bullen verlassen musste, gingen die Quoten der beliebten Serie in den Keller. Doch die Rückkehr an Ottfried Fischers Seite war nicht von großer Dauer. Als sie nach der Zwangspause wieder vor der Kamera stand, konnte gerade mal eine Folge fertig gestellt werden. Im Februar 2009 verstarb Ruth Drexel an einer Krebserkrankung.

Ruth Drexel war bis 1965 mit Michael Adami verheiratet. Die gemeinsame Tochter Katharina Adami kam 1956 zur Welt. Von 1969 an war sie mit Hans Brenner liiert. 1975 wurde Tochter Cilli Drexel geboren. Hans Brenner, der unter anderem der Vater von Moritz Bleibtreu war, starb im September 1998.

Weitere Filme und Serien mit Ruth Drexel: "Magdalena" (1955), "Die fidelen Detektive", "Jägerblut" (beide 1957), "Die Bekehrung des Ferdys Pistora", "Glaube, Liebe, Hoffnung" (beide 1958), "Kasimir und Karoline" (1959), "Der Marquis von Keith" (1962), "Candida", "Detective Story" (beide 1963), "Eiche und Angora", "Der Arzt wider Willen" (1964), "Der Ruepp", "Der zerbrochene Krug" (beide 1965), "Endkampf", "Mohrenwäsche" (beide 1966), "Biedermann und die Brandstifter", "Siedlung Arkadien", "Mann ist Mann" (alle 1967), "Jagdszenen aus Niederbayern" (1968), "Mathias Kneissl" (1970), "Der Kommissar - Als die Blumen Trauer trugen" (1971), "Adele Spitzeder" (1972), "Der Sieger von Tambo", "Wildwechsel" (beide 1973), "Hahnenkampf" (1975), "The Marquise of O" (1976), "Tatort - Das Mädchen am Klavier" (1977), "Whizzer", "Die Farbe des Himmels", "Tatort - Der King" (alle 1979), "Niemandsland" (1981), "Der starke Stamm", "Fast wia im richtigen Leben" (TV-Serie, beide 1982), "Francesca" (1987), "Abgetrieben" (1992), "Tatort - Alles Palermo", "Geschichten aus der Heimat - Blattschuß" (beide 1993), "Bandagistenglück" (1997), "Späte Gegend" (1998), "Wambo" (2000), "Ein Sommertraum" (2001), "Körner und Köter" (TV-Serie, 2002), "Tatort - Tod aus Afrika", "Das Weihnachts-Ekel" (beide 2006), "Die Heilerin 2" (2008).

 


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