Seit geraumer Zeit weht nicht nur in der Wirtschaft und in der Gesellschaft ein rauer Wind - immer neue Krisen lassen das Vertrauen in das gängige Wertesystem zunehmend schrumpfen, ein Umdenken scheint allerdings nur bei einer kleinen Minderheit einzusetzen. Viemehr werden nachkommende Generationen weiterhin einem Bildungssystem ausgesetzt, in dem Leistung als Maxime der Wettbewerbsgesellschaft zum unerbittlichen Maß aller Dinge geworden zu sein scheint. Diese einseitige Ausrichtung auf technokratische Lernziele und auf die fehlerfreie Wiedergabe isolierter Wissensinhalte lässt jene spielerische Kreativität verkümmern, die den Menschen helfen könnte, ohne Angst vor dem Scheitern nach neuen Lösungen zu suchen.

Bereits in seinem Dokumentarfilmen "We Feed The World - Essen global" und "Let's Make Money" setzte sich der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer kritisch mit drängenden Fragen der Welternährung und -ökonomie auseinander. Während "We Feed The World" überzeugen konnte, stellte sich bereits "Let's Make Money" als recht bunt zusammengewürfelte Darstellung längst bekannter Fakten heraus. In "Alphabet" nimmt sich Wagenhofer nun des Themas Bildung und Kinder an, zeigt exemplarisch Missstände auf, lässt internationale Experten zu Wort kommen und kritisiert die Erziehung und Bildung im Sinne des jeweiligen Systems. Das ist sicherlich gut gemeint und einzelne Beispiele ungewöhnlicher Lernkarrieren sind tatsächlich verblüffend, doch oft nervt der pathetische Grundton dieser Bestandsaufnahme, die stellenweise nicht über Schwarz-Weiß-Malerei hinauskommt.



Foto: Pandora Film