Wieder einmal muss Jo mit ihrer Mutter Helen eine Wohnung heimlich durch das Fenster verlassen, weil das Geld für die Miete fehlt. Aber durch solche "Kleinigkeiten" lässt sich Helen die Laune nicht verderben. Am nächsten Tag überrascht sie Jo mit der Nachricht, dass sie wieder heiraten werde. Helen zieht in das Haus ihres neuen Mannes, während Jo ein Zimmer findet, in dem sie sich ihre eigene Welt schaffen kann. Eines Tages lernt sie Geoffrey kennen, einen Homosexuellen, der genauso einsam ist wie sie ...

Tony Richardson drehte ein einfühlsames Porträt einer jungen Frau in der grauen Industrielandschaft Englands, die sich aus Sehnsucht nach Liebe schließlich einem farbigen Matrosen hin gibt. Der Film zählt heute Dank seiner beeindruckenden Milieuzeichnung als eines der wichtigsten Werke des britischen "Free Cinema". Etwa Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre hatte auch der englische Film seine "neue Welle", das "Free Cinema". Einige junge Regisseure debütierten, deren Filme eine neue Sicht der Wirklichkeit vermittelten. Sie berichteten vom eintönigen Alltag der Arbeiter und kleinen Angestellten in schmutzigen Hinterhöfen und öden Vorstadtstraßen; viele ihrer "Helden" waren gebrochene Existenzen. Zu diesem Kreis gehört auch Tony Richardson, der vor "Bitterer Honig" unter anderem zwei Osborne-Verfilmungen ("Blick zurück im Zorn", "Der Komödiant") und "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" inszenierte. In "Bitterer Honig" verfilmte er das Theaterstück der 19-jährigen Arbeiterin Shelagh Delaney in der Umgebung von Manchester. Er bewahrte dabei die psychologischen Aspekte und die poetischen Akzente des Schauspiels, erweiterte sie aber um eine realistische Milieuschilderung. Bei den Filmfestspielen in Cannes 1962 wurden sowohl Rita Tushingham als auch Murray Melvin als beste Darsteller ausgezeichnet.

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