Schon nach wenigen gespielten Noten erkennt der geübte Hörer seinen Ton: Jazz-Altsaxofonist Charlie Mariano wurde als Sohn italienisch-stämmiger Eltern 1923 in Boston geboren und fand schon früh zur Musik. Tatsächlich begeisterte es sich schnell für den Jazz und spätestens als er mit Größen wie Charlie Parker und Dizzy Gillespie gemeinsam auf der Bühne stand, wusste er, dass er von der Musik nicht lassen kann. Über viele Umwege fand er schließlich nach Deutschland, fand ein neues Zuhause in Köln, wo er im Juni 2009 starb. Filmemacher Axel Engstfeld hatte ihn in seinen letzten Jahren häufig begleitet (auf Konzerten und auch privat) und hat nun aus seinem Filmmaterial ein Porträt des Ausnahmemusiker erstellt.

Das allerdings zeigt den Musiker leider nur in seiner letzten Lebensphase, thematisiert die Schwierigkeiten, vor allem im Alter überhaupt den Lebensunterhalt mit der Musik zu verdienen, lässt Freunde und Mitmusiker ausführlich über den Jazzer mit Herz und Seele plaudern, zeigt eine Menge Konzertausschnitte (leider selten einmal ein ganzes Stück), reißt aber seinen Lebenslauf nur kurz bis überhaupt nicht an. So viel Spannendes gäbe es zu erzählen und wäre zumindest Wert gewesen, kurz umrissen zu werden. Der Grund seiner Suche nach einer Heimat und Grundlage für seine Musik etwa, wird nur kurz damit erklärt, dass er in den USA nur einer unter ganz vielen gewesen wäre (was nur bedingt stimmt). Dass er aber etwa länger in Malaysia und Japan lebte, bevor er nach Europa kam, um hier zu leben (zunächst in Den Haag) und zu arbeiten, wird außen vorgelassen, ebenso wie seine europäischen Erfolge ab den 1970er Jahren. Denn er leitete nicht nur eigene Gruppen, sondern war auch festes Mitglied von Eberhard Webers "Colours", der kurzlebigen Fusion-Band "Pork Pie" mit Jasper van’t Hof und Philip Catherine, spielte mit der World-Music-Band Embryo und war Mitglied der überaus erfolgreichen Bandleader-Formation "The United Jazz & Rock Ensemble" usw. Immerhin werden hier von Dokumentarfilmer Axel Engstfeld die letzten Jahre des Musikers um so intensiver gezeigt, was den Verlust des großartigen Künstlers und Menschen durchaus verdeutlicht.



Foto: RealFiction