"Ist das Kunst oder kann das weg?" Dieses geflügelte Wort fällt einem ein, während des Anschauens von Sobo Swobodniks Dokumentarfilm über den Österreicher Hermes Phettberg. In der Alpenrepublik ist dieser mittlerweile bemitleidenswert aussehende Mann eine öffentliche Person: In den 90er-Jahren hatte er eine eigene Talkshow auf ORF und 3sat. Unter dem Titel "Phettbergs Nette Leit Show" durfte der vormals stark übergewichtige Mann das Publikum mit seinen perversen Aussagen provozieren. Nach mehreren Schlaganfällen und einem Herzinfarkt ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Stark verkrümmt bewegt er sich durch seine Räume, hat Sprachstörungen, bezieht Sozialhilfe, bloggt aber immerhin noch regelmäßig im Internet. Swobodnik durfte ihn im Alltag begleiten, der sich hauptsächlich in Phettbergs Wohnung abspielt. Aus dem Off trägt Österreichs bekannter Schauspieler und Kabarettist Josef Hader Zeilen des von Krankheit Gezeichneten vor.

Ästhetik des Zerfalls?
 
Eines ist klar, die Schwarz-Weiß-Bilder von Swobodnik sind ästhetisch reizvoll. Seine Einteilung in Kapitel gewagt. Aber dem zähen alten Mann beim Dahinvegetieren zuzuschauen, ist schwer auszuhalten. Genauso gut hätte der Filmemacher seine Kamera in einem Altenheim aufstellen können. Und in diesem Fall hätten die Angehörigen wohl protestiert. Aber offenbar hält man Phettberg noch für so zurechnungsfähig, dass er selbst darüber entscheiden kann, ob er sich filmen lässt. Nur wer die Ästhetik des Zerfalls erkennt, wird hier bis zum Schluss dranbleiben.
 
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