17 Jahre nach seinem letzten Film (dem legendären "The Troubles We've Seen - Die Geschichte der Kriegsberichterstattung") meldet sich Marcel Ophüls zurück. Der einflussreiche Regisseur meidet öffentliche Auftritte und gilt als schwierig im Umgang. Doch nun erzählt er Geschichten aus seinem Leben. Von vielen Filmemachern wünscht man sich die Verfilmung ihrer Memoiren, so auch von ihm, denn das Leben von Marcel Ophüls ist auch jenseits der Leinwand ausgesprochen vielseitig. Der Dokumentarfilm wirft einen fröhlichen und gleichzeitig bitteren Blick auf das 20.Jahrhundert und die Filmgeschichte. Dem Sohn des großen Max Ophüls fällt es nicht schwer, Bewunderung zu zeigen. In seinen Filmen geht es um Geschichte ("Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie", 1988), um Krieg ("Das Haus nebenan - Chronik einer französischen Stadt im Kriege", 1969), um den Nordirland-Konflikt ("A Sense of Loss", 1972) und um die Justiz ("Nicht schuldig?", 1976), aber auch um Charakterlosigkeit, Niederlagen und Betrug.

Der Regisseur erzählt von seinen Inspirationsquellen, von der Schönheit der Berge, der Anmut Venedigs, von den Erinnerungen an den deutschen Teil seiner Kindheit, vom Charisma seiner Mutter und seiner Frau Régine und den schier unerschöpflichen Anregungen durch bedeutende Künstler wie Bertolt Brecht, Ernst Lubitsch, Otto Preminger, Woody Allen oder seinen Freund François Truffaut. Alle großen Filmemacher haben einen reichen Schatz an Erinnerungen. Doch wenn sie in ihren Memoiren nur von sich selbst sprechen, sollten sie es lieber sein lassen, meint Marcel Ophüls. Das Porträt "Der Reisende" ist wie ein Laden voller individueller und kollektiver Erinnerungen. Das Kino fungiert als Bindeglied zwischen der Geschichte und seinem Leben. Mit der Eleganz eines Mannes, der bereits mehrere Leben gelebt hat, zieht Marcel Ophüls in seinem Film alle Register, von der Farce bis hin zum tiefen Gefühl.

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