Die Weltfinanzkrise ist zu Ende. Ein kleiner Kreis von Millionären hat den ökonomischen Zusammenbruch so gut wie unbeschadet überstanden und verbringt seinen Urlaub in einem entlegenen Luxushotel in Indien. Fräulein Else hat gerade ihr Studium abgeschlossen und begleitet ihre Tante dorthin in die Ferien. Kaum angekommen, erhält sie eine Nachricht von ihrer Mutter: Ihr Vater hat sich verspeku­liert und braucht dringend ihre Hilfe. Else soll den Familienfreund Dorsday um ein Darlehen bitten, um so die Verhaftung ihres Vaters abzuwenden. Doch Dorsday erwartet für seine Hilfe eine unmoralische Gegenleistung ...

1924 veröffentlichte der österreichische Erzähler und Dramatiker Arthur Schnitzler (1862-1931) seine Novelle "Fräulein Else", ein typisches Beispiel der sogenannten Wiener Moderne. In dieser Film-Adaption von Spielfilmdebütantin Anna Martinetz - zugleich ihr Abschlussfilm an der Münchner Filmhochschule - verlegt die Regisseurin die Handlung des schon mehrfach verfilmten Stoffes in die heutige Zeit und lässt sie in Indien spielen. Martinetz bleibt dabei eng an der literatischen Vorlage, selbst die Original-Dialoge nutzt sie zeitweise, was allerdings nicht zu den Szenen passt, in denen der heutige Sprachgebrauch überwiegt. Und während Schnitzlers Novelle besonders von den inneren Monologen seiner Protagonistin lebt, nutzt Martinetz diese in ihrer Verfilmung nicht. Stattdessen versucht sie, das durcheinandergewirbelte Seelenleben ihrer Hauptfigur durch poetisch anmutende Bilder darzustellen - was nicht immer gelingt. So ist dies eine betuelich in Szene gesetzte Schnitzler-Adaption, die allerdings nur bedingt überzeugen kann. Gut ist allerdings Korinna Krauss in der Hauptrolle des Fräulein Else.



Foto: Martinetz (One Filmverleih)