Verschmitzt und spielerisch hat er die Kunst in Bewegung versetzt, durch ihn ist die Avantgarde zum Volksgut geworden. Es gibt wohl keinen zweiten Künstler, der wie Jean Tinguely (1925-1991) in der Schweiz höchste künstlerische Achtung und gleichzeitig größte Popularität gewonnen hat. Weil Malerei für ihn nicht das Richtige war, brachte Tinguely seine Bilder einfach in Bewegung. Er arbeitete mit Alteisen, Konsumabfall, suchte sein Material auf Schutthalden, kombinierte und verkuppelte die verschiedensten Elemente, konstruierte kleine Elektromotoren, die alles in Bewegung bringen. Die Meta-Maschinen, die Mal-Maschinen, die Maschinen-Skulpturen des Künstlers wurden immer monumentaler und funktionierten mit der Präzision einer Schweizer Uhr. Schlagartig berühmt wurde Tinguely mit seiner Schrottplastik "Heureka" auf der Expo 1964 in Lausanne. Danach begegnete man seinen riesigen beweglichen Plastiken vor allem auf öffentlichen Plätzen und Bahnhofsvorhallen. Fürs Museum waren sie eigentlich nicht gedacht. Um seine Werke für die Nachwelt zu erhalten, erbaute man ihm in Basel dann doch eine eigene Kunsthalle.

Eine eindrucksvolle Hommage an den berühmten Schweizer Künstler, der aus einer Fribourger Arbeiterfamilie stammt, ist hier dem Filmemacher Thomas Thümena gelungen. Neben selten gesehenen Archivaufnahmen lässt Thümena Freunde und Weggefährten von Tinguely zu Wort kommen und zeichnet so das aufregende Leben dieses außergewöhnlichen Mannes nach. Natürlich wird auch die langjährige Liebesbeziehung zwischen Tinguely und der aus New York stammenden Künstlerin Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster ... Du oder ich? (1930-2002) thematisiert. Die beiden lernten sich Mitte der Fünfzigerjahre kennen und ihre Beziehung währte trotz heftiger Turbulenzen ein Leben lang. In ihr verbanden sich Liebe und Kunst auf faszinierende Weise, denn einerseits sorgten sie mit gemeinsamen Projekten für Aufsehen, etwa mit der überdimensionalen Frauenfigur "Hon", durch deren Vagina man in einen Ausstellungsraum eintreten konnte. Gleichzeitig verfolgten beide ihre eigenen, sehr unterschiedlichen Arbeiten, wo sie sich durch gegenseitige Konkurrenz und Konfrontation stimulierten und weiterbrachten.



Foto: Film Kino Text