Trotz und auch gerade wegen seiner Turnschuhe, die er als hessischer Umweltminister in der ersten rot-grünen Regierungskoalition 1985 trug, seiner Straßenkämpfer-Vergangenheit, seinen vielen Ehefrauen und respektlosen Sprüche wurde Joseph Martin Fischer zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands. Heute lebt der ehemalige Außenminister als Redner und Wirtschaftsberater von seinem Ruf als weltbekannter Politik- und Geschichtserklärer.

Oscar-Gewinner Pepe Danquart ("Schwarzfahrer") hat Joschka Fischer mit der Kamera begleitet und mit ihm über sein Leben gesprochen. Geschickt verwendet der Regisseur das Leben seines Protagonisten, um über das Porträt hinaus 60 Jahre deutscher Geschichte noch einmal lebendig werden zu lassen. Ausgehend von den stockkonservativen Fünfzigerjahren schlägt er den Bogen über die wilden Tage der außerparlamentarischen Opposition der Sechziger, skizziert die Zeit des Terrors der Rote Armee Fraktion (RAF), thematisiert das Entstehen der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Grünen und kommt schließlich zur deutschen Wiedervereinigung und der ersten rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder und Außenminister Fischer. Dies illustriert er mit vielen bislang selten oder nie veröffentlichten Bildern, lässt zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen, und Joschka höchst persönlich kommentiert die Ereignisse, die Geschichte schrieben. Einzige Minuspunkte: Danquarts Regiearbeit ist deutlich zu lang geraten und der Filmemacher geht zu unkritisch mit seinem Protagonisten um. Er ließ sich offenbar vom imposanten Auftreten Fischers etwas blenden.





Foto: Nadja Klier