Der Kölner Fotograf Carl-Heinz Hargesheimer (1924-1972) wurde unter seinem Künstlernamen Chargesheimer berühmt, besonders sein Adenauer-Porträt für einen "Spiegel"-Titel anlässlich der Bundestagswahl 1957 machte ihn auch deutschlandweit bekannt. 2007/2008 widmete das Kölner Museum Ludwig dem Fotografen die Retrospektive "Chargesheimer. Ein Bohémien aus Köln", in dem auch Fotografien aus seinem letzten Buch, "Köln 5 Uhr 30" gezeigt wurden. Der Text zur Ausstellung bezeichnete das 1970 erschienene Buch als "einen melancholischen Abgesang an 'seine' Stadt Köln, die im Beton zu erstarren drohte. Alle äußerten Ratlosigkeit, aber keiner wusste letztlich eine Erklärung zu liefern, als Anfang Januar 1972 Chargesheimer tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde."

Filmemacher Dietrich Schubert hat zehn der Kölner Plätze, die Chargesheimer seinerzeit um 5.30 Uhr morgens ohne eine Menschenseele in 64 Schwarzweiß-Fotos abgelichtet hatte, erneut besucht. Über den strengen formale Rahmen hinaus, den der Fotograf 1970 wählte, hat Schubert eben diese zehn Plätze um 5.30 Uhr, um 13.30 Uhr und um 21.30 Uhr in einem 360-Grad-Schwenk mit der Filmkamera eingefangen. So werden nicht nur die Veränderungen in der Domstadt in den letzten 40 Jahren sichtbar, sondern auch die Veränderungen innerhalb eines Tages. Damit ist diese Hommage an Chargesheimer und sein geliebtes Köln nicht nur eine Entdeckung für Freunde der Rhein-Metropole, sondern dürfte der Stadt auch einige neue Fans bescheren.



Foto: RealFiction/Museum Ludwig