Außerhalb ihrer vier Wände funktionieren sie halbwegs "normal", zu Hause aber herrscht das nackte Chaos: Messies. Ihre Wohnungen platzen aus allen Nähten. Kaum ein Zentimeter ist mehr frei und doch können sie sich von nichts trennen. Wie fleißige Ameisen tragen sie immer neue Berge von Krimskrams zusammen. Familie und Freunde wenden sich nicht selten von den sammelwütigen Chaoten ab, die Nachbarn ärgern sich. Aus Scham lassen Betroffene oft jahrelang niemanden mehr in ihre überfüllten Behausungen. Allein in Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen unter dem Messie-Syndrom. Bei vielen hat der Sammelzwang extreme Züge erreicht, weil sie nichts wegwerfen können und ihre Häuser und Wohnungen zu wahren Müllhalden verkommen.

Der Berner Filmemacher Ulrich Grossenbacher ("Hippie Masala") ist dem Messie-Phänomen, das hierzulande gerne auf den Privatsendern mit einschlägigen Ekelbild-Reportagen à la "Raus aus dem Messie-Chaos - rein ins Leben" oder "Achtung Messies! Deutschland räumt auf" thematisiert wird, differenzierter auf den Grund gegangen. Drei Jahre hat er vier Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise Messies sind und die er in keinster Weise bloss stellt, mit der Kamera begleitet. So verschieden wie ihre Sammlungen und Projekte sind auch ihre Lebensräume und Geschichten, in denen sie einer eigenen Wert- und Ordnungslogik folgen, die bei vielen anderen allerdings nur Kopfschütteln auslösen. Allerdings fragt man sich, wer sich eine derartige Dokumentation im Kino anschaut.



Foto: Fair & Ugly