Lars Eidinger

Lars Eidinger in dem Drama "Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden". Vergrößern
Lars Eidinger in dem Drama "Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden".
Fotoquelle: Camino
Lars Eidinger
Geboren: 21.01.1976 in Berlin, Deutschland

Für viele gilt er als "das Gesicht einer ganzen Generation" (tagesspiegel), Kritiker sagen ihm eine ganz große Zukunft voraus: Lars Eidinger, Star der Berliner Schaubühne. Der Absolvent der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin (1995-1999), der bereits seit seiner Kindheit Schauspieler werden wollte, startete seine Karriere noch während seiner Studienzeit zunächst mit Gastauftritten am Deutschen Theater in Berlin, bevor er sich besonders durch seine Zusammenarbeit mit Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne, einen Namen als Darsteller von ambivalenten, unausgegorenen und randständigen Charakteren machte. Theater-Experten bezeichnen das feste Ensemblemitglied der Schaubühne (seit 1999) gern als "Experten für das Maßlose im Theater".

Dies erkannte Regisseur Ostermeier schon sehr früh, der ihn etwa als Bill in "Goldene Zeiten" von Richard Dresser (2002), als Doktor Rand in "Nora" von Henrik Ibsen (2002), als Alwa Schöning in "Lulu" von Frank Wedekind (2004), in "Ein Sommernachtstraum" frei nach William Shakespeare (2006), in der umjubelten Titelrolle in "Hamlet" von William Shakespeare (2006) oder als Frank in "Dämonen" (2010) von Lars Norén besetzte, um nur einige wichtige Zusammenarbeiten der beiden zu nennen. Daneben widmete sich Eidinger auch der Musik, so etwa als DJ in Klubs wie dem "Rio" in Berlin, dem "Broken Hearts Club" und der "Ersten Liga" in München. Bekannt sind auch Eidingers Kompositionen von Ostermeier-Stücken wie die bereits genannte "Nora"-Inszenierung, "Der Würgeengel" von Karst Woudstra (2003) und "Trauer muss Elektra tragen" von Eugene O’Neill (2006).

Neben seinen durchgehenden Theaterarbeit, die ihm zum Teil euphorische Kritiken einbrachte, ist Eidinger in seit 2003 auch im Kino und im TV zu sehen. Sein TV-Debüt gab er bereits 2003 mit einem kleinen Auftritt als Student in der erfolgreichen TV-Serie "Berlin, Berlin" an der Seite von Felicitas Woll. Und im gleiche Jahr strahlte arte erstmals "Nora", das Theaterstück von Henrik Ibsen in der Inszenierung von Thomas Ostermeier, als Aufzeichnung einer Aufführung der Schaubühne am Lehniner Platz aus Februar 2003 aus. Im Juli 2004 folgte die arte-Ausstrahlung das Georg-Büchner-Dramas "Woyzeck" - wiederum in der Inszenierung von Thomas Ostermeier - vom Festival d'Avignon 2004.



Seinen Durchbruch als Filmschauspieler erlebte Eidinger nach kleineren Serien- und Kurzfilmrollen schließlich 2008 in der Rolle des Chris in Maren Ades gut gespieltem Drama "Alle Anderen" an der Seite von Birgit Minichmayr, die für ihre Rolle ein Jahr später mit dem Silbernen Bären der Filmfestspiele von Berlin ausgezeichnet wurde. Nach diesem nicht unumstrittenen, aber mehrfach ausgezeichneten Werk folgte Rollenangebot auf Rollenangebot für Eidinger: Zunächst die eines kleinen, schmierigen Gauners in der "Polizeiruf 110"-Episode "Polizeiruf 110 - Die armen Kinder von Schwerin" (2009) und im Jahr darauf gab Eidinger eine wunderbare Vorstellung als als cooler, Marihuana rauchender Kommissar Lars Reiter in dem "Polizeiruf" "Polizeiruf 110 - Zapfenstreich". Leider war dies sein letzter Auftritt in dieser Rolle, denn seine Partnerin Stefanie Stappenbeck beendete mit dieser ungewöhnlichen Episode ihr "Polizeiruf"-Engagement.

Es folgten eine Hauptrolle in dem Ulrike Folkerts-"Tatort" "Tatort - Hauch des Todes" (2010) und einen ungenannten Part hatte er in dem harten Insel-Thriller "Mörder auf Amrum" (2010) mit Hinnerk Schönemann. Mit seinem Ernst-Busch-Kommilitonen Devid Striesow sah man Eidinger danach in dem Familiendrama "Verhältnisse" und Christoph Stark besetzte ihn an der Seite von Peri Baumeister in seinem mit radikalen Sexszenen versetzten Kinodrama "Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden" (2011) in der Rolle des Salzburger Dichters Georg Trakl (1887-1914). Danach gehörte Eidinger zur Besetzung des reichlich überschätzten Thrillers "Hell" (2011), während sich Hendrik Handloegtens Kinodrama "Fenster zum Sommer" (2011) in lähmender Tristesse verlor.

Wieder mit Peri Baumeister spielte Eidinger 2012 in dem "Tatort" Tatort - Borowski und der stille Gast" einen geheimnisvollen Postboten, der sich in das Leben von alleinstehenden Frauen schleicht, an ihrer Wäsche und ihren Schuhen schnüffelt und sich in ihrem Haushalt besser auskennt als sie selbst. Eidinger spielt diesen merkwürdigen Charakter mit einer fulminanten Präsenz, schade nur, dass das Drehbuch von Sascha Arango einfach zu dick aufträgt, um noch überzeugen zu können. Bleibt zu hoffen, dass Eidinger, der das Filmemachen dem Theaterspiel zur Zeit vorzieht, noch häufig auf den Bildschirmen und im Kino zu sehen sein wird!

Lars Eidinger, der mit den Inszenierungen der Berliner Schaubühne weltweite Vorstellungen gibt, ist mit der Opernsängerin Ulrike Eidinger verheiratet, die beiden haben eine Tochter.

Weitere Filme, Serien und Theaterinszenierungen mit Lars Eidinger: "Ketchup Connection" (Kurzfilm, 2005), "Der Dicke" (Serie, 2006), "Deutschland deine Lieder" (Kurzfilm mit der zu früh verstorbenen Maria Kwiatkowsky), "Hedda Gabler" (Aufzeichnung aus der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, 2006, mit Katharina Schüttler), "Notruf Hafenkante" (Serie, 2007), "Hamlet" (Aufzeichnung aus dem Ehrenhof des Papstpalastes in Avignon, 2008), "Torpedo" (2008), "Wanna Be" (Kurzfilm mit Maja Schöne, 2009), "Was bleibt" (2012), "Polizeiruf 110 - Der Tod macht Engel aus uns allen", "Grenzgang", "Die Wolken von Sils Maria" (alle 2013), "Familienfest", "Mathilda" (beide 2014), "Die Blumen von gestern", "Tatort - Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" (2015).


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