Norman Taurog

Norman Taurog
Geboren: 23.02.1899 in Chicago, Illinois, USA
Gestorben: 07.04.1981 in Rancho Mirage, Kalifornien, USA

Regisseur Norman Taurog ist viel besser als seine Drehbuchautoren. Es ist das Verdienst der jungen französischen Filmkritik, wenn das spätere Kinopublikum einen Tashlin, Hawks oder Cukor kennenlernt, wenn es den Ford vom Anthony Mann und William Wyler unterscheidemn lernt. Außer Alfred Hitchcock, Charlie Chaplin oder Orson Welles kannten früher selbst regelmäßige Kinogänger Namen von Regisseuren so gut wie nicht, man orientierte sich an Stars und man tut das auch heute noch bei Leuten, deren Namen - berechtigt oder unberechtigt - nicht zu Begriffen geworden ist.

Taurog gehört zu den erfolgreichsten Männern der amerikanischen Filmkomödie, doch sein Name blieb stets hinter dem seiner Stars zurück, das gilt nicht nur für Europa, sondern auch für sein Heimatland USA. Taurog drehte mit dem unvergeßlichen W.C. Fields und mit Harold Lloyd und einige der schönsten Jerry Lewis-Filme entstanden unter seiner Führung. Mit dem Kinderstar Mickey Rooney drehte er einige bemerkenswerte historisch literarische Filme.

Das Amerika des 19. Jahrhunderts war Kulisse für den filmischen Entwicklungsroman des jungen Der junge Tom Edison (Rooney) und die wild bewegten Die Abenteuer des Huckleberry Finn und Tom Sawyer nach den Romanen von Mark Twain. Ungeachtet der zahlreichen Mark-Twain-Adaptionen sind Taurogs Filme die bemühtesten. Mit Spencer Tracy als berühmtem Jugendpfarrer Pater Flanagan stand Rooney auch im Mittelpunkt der sozialkritischen Boys Town Filme. "Teufelskerle" (1937, im Original "Boys Town") war das (historische) Resozialisierungswerk eines Geistlichen, der sich schwer erziehbarer Kinder annahm. und ihnen statt der seinerzeit üblichen brutalen Erziehungsmaßnahmen in den Heimen ein Höchstmaß an Freiheit anbot. 1947 widmete sich Taurog noch einmal einem ernsthaften Thema: "The Beginning of the End" war eine recht unreflektierte, regierungshörige Abhandlung über die Atombombe auf Hiroshima.

Das Hauptwerk Taurogs jedoch besteht aus Komödien und Musicals und all diese Filme sind so unterschiedlich in der Qualität wie ihre Drehbuchautoren und Stars. 1949 und 1950 entstanden unter seiner Regie zwei Filme mit dem früh verstorbenen Gesangstalent Mario Lanza, die von rein akustischem Interesse waren. Da Lanza trotz seines sagenhaften Erfolgs als "Enrico Caruso" kein Schauspieler war, sondern ausschließlich mit seiner Stimme arbeiten konnte. Ebenso wenig wird man Taurog sechs Elvis Presley-Filme mehr als numerische Bedeutung zumessen können.

Es sind im Grunde Serials, Verkaufsprodukte für die augenblickliche Nachfrage verarbeitet. Presley verkaufte sich gut und deshalb drehte Taurog so viele Filme mit ihm. Der weit begabtere Sänger Eddie Fisher blieb ebenso wie der von Elia Kazan entdeckte Komiker Andy Griffith dem singenden G. I. Elvis unterlegen. Doch es gibt gleichfalls Filme von Norman Taurog, die in der amerikanischen Filmgeschichte Bedeutung erlangten, so die "Broadway Melody 1940" mit Fred Astaire, "Ein Lied, ein Kuss, ein Mädel" ("The Stars are Singing", 1953) mit Rosemarie Clooney, Anna-Maria Alberghetti und Lauritz Melchior und "Die Falsche Eva" (1956) mit Mitzi Gaynor und David Niven nach einem Drehbuch von Preston Sturges.

Dieser Film - vielleicht einer der besten von Taurog - macht deutlich wie sehr der Regisseur in seinen Filmen oft viel Mühe darauf verwenden mußte gegen schlechte Drehbücher anzuarbeiten. So bleibt auch "Der sympathische Hochstapler" ("Living it up", 1954) nach einem Drehbuch von Melville Shavelson der schwächste unter den sieben Filmen mit Jerry Lewis, während der "Besuch auf einem kleinen Planeten" nach Gore Vidal einr der erfindungsreichsten ist.

Oft gelingt es Taurog durch erfindungsreiche Regie musikalische Komödien aufzupeppen, die in Story undMusik schwach sind. Sieht man unter diesem Gesichstpunkt von so mäßigen Filmen wie "Cafe Europa" und "Cowboy Melodie"- beide mit Elvis Presley ab - so wird man erstaunen, wieviel Kurzweil allein die Regie zu entfalten weiß.

Namen werden oft durch Zufallstreffer berühmt. So ist ein Durchschnittsregisseur wie Charles Walters berühmt durch Filme wie "Lilli" und "High Society - Die oberen Zehntausend". Norman Taurog, der bereits mit 40 Jahren zu den Säulenheiligen der amerikanischen Filmmetropole zählte - und das will etwas heißen bei den Produktionspraktiken der 40er Jahre - wurde 1899 in Chikago geboren und begann - kaum der Schulbank entwachsen - in den Filmateliers von Beverly Hills heimisch zu werden.

Weitere Filme von Norman Taurog: "Rache ist süß" (1941), "A Yank at Eton" (1942), "Girl Crazy", "Bühne frei für Lily Mars" (beide 1943), "Ein Kuss um Mitternacht" (1949), "Toast of New Orleans", "Drei Männer für Alison", "Der Fischer von Louisiana" (alle 1950), "Hübsch, jung und verliebt" (1951), "Vater werden ist nicht schwer", "Schrecken der Division" (beide 1952), "Der Tolpatsch" (1953), "Patient mit Dachschaden" (1954), "Der Gangsterschreck" (1955), "Wo Männer noch Männer sind" (1956), "Traum in Pink" (1957), "Der Zwiebelkopf" (1958), "Café Europa" (1960), "Blaues Hawaii" (1961), "Ob blond, ob braun ...", "Girls! Girls! Girls!" (beide 1962), "Im Paradies ist der Teufel los" (1963), "Cowboy-Melodie" (1964), "Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine" (1965), "Sag niemals ja" (1966), "Speedway", "Liebling, lass das Lügen" (beide 1968).

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