26.01.2026 Im Interview

Ein Trickbetrüger als Ermittler

Bastian Pastewka spielt im neuen Murder-Mystery-Film „Fabian und Die mörderische Hochzeit“ bei Amazon Prime einen Trickbetrüger, der auf der Flucht nach einem gescheiterten Job in eine Hochzeitsgesellschaft gerät. Zunächst tritt er dort als vermeintlicher Hochzeitsfotograf auf, doch nach einem Mord übernimmt er die Ermittlungen. prisma sprach mit Pastewka über diese besondere Rolle.
Bastian Pastewka.
Bastian Pastewka gibt sich als Hochzeitsfotograf aus. Fotoquelle: amazon prime

prisma: Vom Immobilienmakler zum Hochzeitsfotografen und Ermittler in einem Mordfall – Ihre Hauptfigur erlebt in „Fabian und die mörderische Hochzeit“ eine rasante Reise. Was hat Sie am Drehbuch überzeugt?

Bastian Pastewka: Ich mochte, dass sich die Titelfigur so schön verwandelt. Eine Hochzeitsgesellschaft versammelt sich in einem Schloss. Doch während der Vorbereitung geschieht ein Verbrechen. Das haben wir schon oft erlebt, aber hier ist es ebenso besonders, dass der Detektiv von der Hochzeitsgesellschaft nur für einen Detektiv gehalten wird. Das Publikum weiß mehr. Das fand ich super. Und dann hat mich natürlich gefreut, dass dieses Drehbuch so viele Haken schlägt und Wendungen nimmt. Ich hatte das Glück, mit den drei Autoren von „Fabian und Die mörderische Hochzeit“ vor zehn Jahren für das ZDF schon einmal gearbeitet zu haben. Damals gab es die Serie „Morgen hör ich auf“, für die Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser ebenfalls das Drehbuch geschrieben haben. Und als ich sah und las, dass sie sich freundlicherweise für mich etwas Neues ausgedacht haben, war ich natürlich sofort begeistert.

War es schön, mal keine klassische Komödie zu spielen?

Ja schon, aber ich bin mit Leib und Seele komödiantischer Schauspieler. Ich habe noch nie ein Film- oder Serienprojekt angenommen, nur „um etwas ganz anderes“ zu spielen. Als ich das Drehbuch von „Fabian und Die mörderische Hochzeit“ bekam, habe ich im Kopf erstmal alles ausgeblendet, was ich zuletzt gespielt habe und überlegt: Wieso bekomme ich dieses Angebot? Was denken sich die Autoren? Nicht nur: Wie funktioniert ihr Film am besten? Sondern: Was sehen sie möglicherweise in dieser Figur? Wie kann ich mir die Figur vor meinem geistigen Auge zusammensetzen? Wer ist dieser Fabian? Und was kann ich als Bastian Pastewka mit meiner Sprache, meiner Physiognomie dazu beitragen? Dass ich als Privatmensch eine Affinität zu Krimikomödien habe, hat mir beim Erarbeiten der Figur überhaupt nicht geholfen. Es hat mir auch nicht dabei geholfen, mir den Film vorzustellen. Ich habe nur wissen wollen, wer ist dieser Fabian?

Gibt es Überschneidungen zwischen Ihnen und Fabian?

Hoffentlich keine. Fabian ist ein Trickser, der in großer Gefahr schwebt. Und deshalb hoffe ich, dass mir so etwas nie wieder passiert. Filmfiguren sind anders als Menschen im wahren Leben. Sie handeln schneller, sie lösen Fälle, wie in unserem Film, in 100 Minuten. Im echten Leben schwelen große Probleme jahrelang. Deshalb kann ich Fabian auch mit meinen eigenen Eigenschaften ausstatten, in diesem Fall mit einer gewissen Zurückhaltung, vielleicht mit einer Chuzpe, von der ich selbst nicht weiß, ob ich sie im echten Leben habe. Aber zum Glück ist unser Film kein Pastewka-Film, sondern ein Ensemblefilm. Wir haben eine ganze Reihe anderer Charaktere, die so viel Leinwandzeit bekommen, dass sie für das Publikum interessant und gleichzeitig verdächtig sind. Und da Fabian von vornherein nicht weiß, was ihn erwartet, und er sich eine halbe Stunde, bevor er diese Menschen kennenlernt, in tödlicher Gefahr befindet, stolpert er in eine skurrile Geschichte. Es ist ein bisschen so, als würde man beispielsweise eine Preisverleihung besuchen, bei der man nie so genau weiß, wem man begegnen wird. So habe ich versucht, mich Fabian anzunähern. Ich dachte mir, der wird ins Schwimmen geraten, denn er weiß nicht genau, wie er mit den Menschen umgehen muss. Er muss sich blitzschnell Namen merken, er muss sich blitzschnell auf Leute einstellen. Er muss plötzlich so tun, als sei er Ermittler, denn er wird für einen gehalten. Ich habe versucht, mir all diese Dinge vorzustellen, und überlegt, wie würde ich reagieren.

Was hätten Sie an Fabians Stelle gemacht, als er in diesen Fall hineingeraten ist?

Das kann man nie so genau sagen, aber ich fürchte, ich hätte mitgespielt. Wenn die Situation so ausweglos wie im Film ist – ein eingeschneites Haus, eine große Gesellschaft ist auf sich allein gestellt – hätte ich als neutrale Person zumindest versucht, das Heft in die Hand zu nehmen und zu klären, was denn da eigentlich los ist. Ich weiß nicht, ob mir das gelungen wäre. Aber es ist natürlich auch eine Chance, der Solitär zu sein, auf die Leute zuzugehen und natürlich auch Gefahr vom eigenen Leib und Leben abzuwenden.

Gleichzeitig ist es doch aber auch ein gewisses Risiko, wenn man nicht weiß, wer der Mörder ist, oder?

Klar, die Frage ist, was hat man zu verlieren? Im Falle von Fabian eine ganze Menge.

Würden Sie sagen, dass Fabian im Film eine Wandlung durchmacht?

Seine Rolle ändert sich im Laufe des Films, aber sein Charakter nicht wirklich. Wir alle lernen diesen Fabian ja sehr unvermittelt dadurch kennen, dass er – das ist jetzt kein Spoiler – ein Trickbetrüger ist und verschiedene Identitäten annimmt. Ich kann mir ja gar nicht sicher sein, ob dieser Mensch überhaupt Fabian heißt. Damit geht es schon mal los. Er hat in seinem kleinen Geheim-Koffer eine ganze Reihe von Ausweisen. Mal gibt er sich als Rettungssanitäter aus, dann wieder als Hightech-Unternehmer, als Immobilienmakler und so weiter. Es ist unklar, wo er herkommt und was er als nächstes macht. Und das fand ich irgendwie ganz gut. Ich mochte, dass der Charakter nicht noch irgendeine Hintergrundgeschichte hat.

Hochzeitsfotograf oder Ermittler in einem Mordfall – welchen Job würden Sie lieber machen?

Also ich tauge nicht als Rettungssanitäter, dafür braucht man eine richtige Ausbildung. Bei Hochzeitsfotograf würde ich sagen, das ist ein Beruf, den man nicht sein Leben lang hat. Der wechselt auch wahrscheinlich mit anderen, möglicherweise künstlerischen Berufen. Als Polizist und Mordermittler würde ich täglich versagen.

Sie wären also kein guter Ermittler?

Ich glaube nicht. Ich gucke ja nur sehr gerne Murder-Mystery-Krimis, wo es um verschachtelte Rätsel geht. Diese berühmten Locked-Room-Mysteries, die ja Vorbilder in der englischen und französischen Literatur haben. Mich interessieren die „unmöglichen Morde“. Ich rede hier nur vom Unterhaltungsfilm, nicht von True Crime. Das ist nicht mein Feld. Also mich interessiert, wie es funktionieren kann, dass ein Mensch in einem geschlossenen Raum ermordet wird, obwohl alle Türen und Fenster verriegelt sind, eine seltsame Nachricht auf dem Schreibtisch liegt und das Kaminfeuer noch brennt. Da gibt es ja unendlich viele Varianten, die noch längst nicht alle erzählt worden sind. Deshalb haben wir momentan so eine kleine Renaissance dieser Art von in britischer Tradition erzählten Kriminalgeschichten. Aber nur die Tatsache, dass ich daran Spaß habe, solche Unterhaltungsrätsel zu lösen, macht mich nicht zu einem guten Ermittler.

Wenn Sie solche Filme schauen, wissen Sie dann schon immer früh, wer der Mörder ist?

Wenn der Film gut ist, dann trickst er einen bis zum Schluss aus. Solche Fälle sind in unterschiedlichen Serien und Filmen auch schon in verschiedene Richtungen verlaufen. Manchmal ist es ja so, dass man ab der Hälfte glaubt, man habe den Mörder erkannt, nur um dann in der zweiten Hälfte des Films gezeigt zu bekommen, dass man sich geirrt haben muss. Der zweite „Knives Out“-Film ist dafür ein gutes Beispiel. Ich ziehe den Hut vor den Macherinnen und Machern der britischen Serie „Death in Paradise“. Das ist eine Serie, die sich nahezu ausschließlich mit solchen kleinen Agatha Christie-ähnlichen Krimi-Puzzles beschäftigt und Verbrechen konstruiert, die nicht funktionieren, also die so nicht haben stattfinden können. Diese Serie geht, glaube ich, jetzt ins elfte Jahr und ist nach wie vor ein Riesenerfolg für die BBC. Jede Folge ist 50 Minuten lang. In Deutschland würde man es Schmunzelkrimi-Serie nennen. Was ich an Mystery-Krimis so mag, ist, dass der Detektiv alle noch lebenden Verdachtspersonen in einen Raum einlädt und die Tat rekonstruiert. Er sagt dann genau, wer wo zur Tatzeit war und welche Rolle er oder sie gespielt hat. Das unterhält mich sehr, und ich war entzückt, dass ich in dem Drehbuch zu „Fabian und die mörderische Hochzeit“ auch so eine Schlussrunde vorfand. Sie war übrigens so extrem kompliziert, dass wir fünf Tage dafür gedreht haben, obwohl sie im Buch gerade mal gut zwölf Minuten ausmacht.

Wieso hat das so viel Zeit in Anspruch genommen?

Weil unser geschätzter Regisseur Markus Sehr auch ein Fan von Krimi-Puzzles ist und gesagt hat: Ich möchte, dass diese Schlussrunde wirklich so wirkungsvoll ist, dass sie den Film ideal abrundet. Und ich darf Markus beglückwünschen, sein Aufwand hat sich gelohnt.

Absolut, ja. Der Film macht wirklich bis zum Ende Spaß.

Wir haben zwar einen Schluss, aber ich mag es, dass unser Held am Ende eben nicht in den Sonnenuntergang reitet, sondern dass wir nochmal einen kleinen Haken schlagen.

Apropos Fortsetzung: 2026 geht es auch mit „Perfekt zusammen“, der zweiten Staffel von „Perfekt verpasst“ weiter.

Anke und ich stecken mitten in den Dreharbeiten und sind selig. Mit einer Kollegin wie Anke Engelke ist es einfach immer schön und wird niemals langweilig. Zudem haben wir ein Traum-Ensemble um uns herum. Die Zusammenarbeit ist ein feines und wirklich herrlich inspirierendes Gute-Laune-Schauspiel. Ich verspreche allerbeste Unterhaltung.

„Fabian und Die mörderische Hochzeit“ ab Freitag, 6 Februar, bei Amazon Prime