Auch wenn die Geschichten um Peter Pan, den Jungen, der niemals erwachsen wird, multimedial und tausendfach für Kinder aufbereitet wurden – so richtig kindgerecht war die Vorlage nie. Der schottische Autor J. M. Barrie erzählt von Kämpfen zwischen einsamen und mutterlosen Jungs, wilden Indianern und blutrünstigen Piraten. Sein Ton ist zwar meist fröhlich, um Themen wie Verlust, Trauer und Tod ist er aber nicht verlegen. "Pan" (2015), die neueste Adaption des Klassikers, scheut sich vor einer buchnahen Interpretation und bringt mit seinem Effektbrimborium nicht viel Gehaltvolles zustande. SAT.1 zeigt die enttäuschende Neuinterpretation als TV-Premiere zur besten Sendezeit.

Bei Joe Wrights Kiddie-Abenteuer ist alles ein wenig anders: Todfeind von Peter Pan (Levi Miller) ist nicht etwa Captain James Hook, sondern der Pirat Blackbeard (Hugh Jackman). James Hook (Garrett Hedlund) hingegen ist kein abartiges Freibeuter-Scheusal, sondern ein nett dreinschauender Amerikaner mit großem Herzen. Hook unterstützt Peter und macht Tiger Lilly (Rooney Mara) schöne Augen. Bevor das alles aber geschehen kann, muss der kleine Peter erst einmal ins Nimmerland verfrachtet werden. Denn zu Beginn des Filmes befindet er sich noch im vom Nazi-Bombenterror bedrohten London in einem Waisenhaus.

Schon dort keinem Abenteuer scheu, bringt er die despotische Mutter Barnabas (eine wahre Freude: Kathy Burke) immer wieder gegen sich auf. Die Mischung aus Dickens-Elend und Lindgren-Lebensfreude funktioniert fantastisch. So vielschichtig bleibt es in der Folge leider nicht. Denn ab dem Moment, als die Piraten mit ihrem Schiff über dem Waisenhaus Halt machen und die Kinder aus ihren Betten stehlen, wechselt das Schauspiel eher zu einem "Fluch der Karibik"-Abklatsch, perfekt choreografiert zwar und mit immer wieder dezentem Witz versehen. Die ewige Hetzerei ist auf Dauer aber eher anstrengend als unterhaltsam.

Entführt nach Nimmerland – und aberwitzig begrüßt von einem von Tausenden Stimmen gegrölten "Smells Like Teen Spirit" (Nirvana) – sollen die Kinder in einer Mine arbeiten, nach Feenstaub wird gehackt und gehämmert. Blackbeard benötigt diesen für seine tägliche Verjüngungskur. Doch die Vorräte gehen zur Neige. Dass mit Peter offensichtlich sein Widersacher aus der mythischen Vorhersage auftaucht, bringt den Fiesling endgültig aus der Fassung. Peter muss es sein, beginnt er doch zu fliegen, als er am zweiten Tag bereits von der Planke gehen muss.

An eine "erwachsene" Version des Stoffes scheint sich nach wie vor niemand ranzutrauen. So muss man "Pan" nehmen, wie er ist: als einen knallbunten Kinderfilm, dem auch ein Fahrgeschäft anstelle eines vielschichtigen Romans vorliegen könnte. An den Kinokassen setzte die Neuinterpretation nicht zu Höhenflügen an. "Pan" ging 2015 als einer der katastrophalsten Flops in die Filmgeschichte ein, alle Pläne für etwaige Fortsetzungen wurden eingestampft.


Quelle: teleschau – der Mediendienst