Techno-Kulturerbe

Dokumentarfilm "Love is Stronger": Der Weg von der Loveparade zu "Rave the Planet"

27.07.2026, 11.35 Uhr
"Love is Stronger" begleitet Dr. Motte und Ellen Dosch-Roeingh bei ihrem Versuch, die Loveparade unter dem neuen Namen "Rave the Planet" wiederzubeleben und die Berliner Technokultur als UNESCO-Kulturerbe anzuerkennen.

Die Subkulturen der 90-er sind in die Jahre gekommen. Wer heute zu einem Konzert von Blumfeld oder Tocotronic geht, sieht viel weißes Haar im Publikum. Auch die Dancekultur der späten 80-er und 90-er ist älter geworden – zeitgleich zu den Helden der Indie-Bewegung. "Mensch, Motte wird schon 62", ruft dem Berliner Loveparade-Erfinder seine heutige Frau Frau Ellen Dosch-Roeingh zu. Der neckische Zuruf erfolgt, während das Paar von der Doku-Kamera begleitet versucht, die Herausforderungen ihrer beiden Großprojekte zu stemmen. Zum einen die Wiederbelebung der Loveparade, deren Namensrechte man nicht mehr besitzt, unter der Losung "Rave The Planet". Zum anderen ist es die Anerkennung der Berliner Technokultur als Kulturerbe durch die UNESCO. Den Kampf und das Hadern der beiden reiferen Technorecken – plus den Blick in die Geschichte der Bewegung – erzählt der Dokumentarfilm "Love is Stronger. Von Loveparade zu Rave The Planet". Ab Freitag, 31. Juli, ist er in der ARD Mediathek zu sehen.

Die Beobachtung von Filmemacherin Britta Mischer begleitet das Techno-Macher-Paar Dr. Motte und Ellen Dosch-Roeingh über mehrere Jahre. 2022, zwölf Jahre nach der verheerenden Loveparade-Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten, wollen sie in Berlin an die Ursprünge der Bewegung anknüpfen. Die Namensrechte der Loveparade hatte man nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Nullerjahren an einen Fitness-Unternehmer verkauft. Der zog schließlich mit dem "Produkt" ins Ruhrgebiet um. Die letzte Loveparade in Berlin fand am 15. Juli 2006 statt. 2022, da setzt der Film ein, wollen Motte und Co. ihren Traum von der ravenden Hauptstadt im Gefühl von Frieden, Toleranz und Freiheit wiederaufleben lassen. Über drei Jahre begleitet "Love is Stronger" das Comeback der Idee – mit allen Höhen und Tiefen. Der 90-Minüter thematisiert die Zeitlosigkeit von Lebensträumen und wie sie sich über die Jahre verändern.

Raver denken über ihr Leben nach

Einst war Techno eine Sub- und Popkultur, zu der Millionen Menschen gemeinsam feierten. Doch können ihre Musik und ihr Lifestyle heute noch mal wiederbelebt werden? In einer Zeit, die geprägt ist von Konflikten, Ausgrenzung und dem Verschwinden gemeinsamer kultureller Räume? Zunächst ist Dr. Mottes Loverparade die Geschichte eines steilen Aufstiegs: 1989 – kurz vor dem Mauerfall – findet sie zum ersten Mal statt. Als eher skurriler, improvisiert wirkender Umzug merkwürdiger Gestalten. Gerade mal 150 Teilnehmer sollen gezählt worden sein. In den Jahren danach explodiert die Veranstaltung jedoch: 1990 kamen 2.000, in den Folgejahren wurden 10.000, 30.000, 100.000 und 350.000 Teilnehmende gezählt. Der Höhepunkt des Umzugs, der zunehmend wegen Kommerzialisierung und Vermüllung der Stadt in die Kritik geriet, waren 1999 1,5 Millionen angereiste Raver.

Sargnagel des wirtschaftlichen Niedergangs der Loveparade war 2001 der Entzug ihrer Anerkennung als politische Demonstration. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte das Urteil in einem Eilverfahren am 12. Juli 2001. Danach wurde die Veranstaltung rechtlich als kommerzielle Großveranstaltung eingestuft. Die Veranstalter mussten ab sofort Kosten für die Straßenreinigung, Müllentsorgung und Sicherheitsvorkehrungen selbst tragen. Der Film sucht die Macherinnen und Macher von einst auf, die das Großprojekt damals und heute unterschiedlich betrachten. Darunter Dr. Mottes damalige Freundin und Geschäftspartnerin, die Künstlerin Danielle de Picciotto, oder der Publizist und Techno-Unternehmer Jürgen Laarmann ("Frontpage", "Mayday"). Wer sich die Spannung nicht verderben will und es noch nicht weiß, möge besser nicht während der Ansicht des Films parallel recherchieren, ob das Wiederbelebungsprojekt "Rave the Planet" funktioniert hat.

Was in jedem Fall funktioniert: Filmemacherin Britta Mischer kommt ihren Protagonisten, ihren Träumen und Sorgen in "Love is Stronger" authentisch nahe. Ihr ARD-Dokumentarfilm zeigt: Auch Raver können nicht nur tanzen und fühlen, sondern über ihr Leben nachdenken.

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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