Kritik zu “Insidious: Out of the Further“: Eine erstaunlich gelungene Horrorfortsetzung
Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, in denen große Franchises das Horrorkino dominieren. Zumindest legen das so hochgelobte Einzelwerke nahe wie “Obsession“ (2026), “Weapons“ und “Sinners“ (je 2025) oder auch “The Substance“ (2024), die (noch) nicht einer Filmreihe angehören. Dennoch bleiben Horrorfranchises weiterhin präsent – so liefen dieses Jahr (2026) etwa “Scream 7“ und “Evil Dead Burn“ in den Kinos an, und “Saw 11“ ist nach wie vor in Arbeit, auch wenn ein Erscheinungstermin noch auf sich warten lässt.
In vielen ausgearteten Franchises – nicht nur im Horrorgenre – leidet teils die Qualität der Filme darunter. Dass auch dann noch eine Trendwende zum Besseren möglich ist, beweist jetzt “Insidious: Out of the Further“, der immerhin bereits sechste Teil der “Insidious“-Reihe. Im Zentrum steht dieses Mal eine neue Familie, bestehend aus der jungen Mutter Gemma Hall (Amelia Eve) und ihrer Tochter Maya (Island Austin). Mutter und Tochter ziehen zurück in das Kindheitshaus Gemmas. Sie ist bestrebt, für sich und Maya das zu schaffen, was ihr als Kind wegen des sonderbaren Verhaltens ihrer verstorbenen Mutter verwehrt worden war: ein schönes Zuhause.
Kreative Schockmomente in “Insidious: Out of the Further“ – trotz klassischer Horrorfilmelemente
Wenig überraschend greift die Story von “Insidious: Out of the Further“ auf Setting, Motive und Handlungsabläufe zurück, die seit eh und je typisch für das Horrorgenre sind. Denn selbstverständlich wird Gemma von ihrer düsteren und traumatischen Vergangenheit eingeholt, die im schaurigen Prolog bereits etabliert wird. Außerdem wäre es natürlich nicht “Insidious“, wenn nicht dem Ewigreich eine zentrale Rolle zukommen würde – ein Ort zwischen Himmel und Hölle mit dämonenartigen Wesen. Insofern setzt der Film in erster Linie auf Bekanntes, garniert das jedoch mit einigen frischen und kreativen Ideen.
Das bezieht sich zum einen auf die Fähigkeit, die Gemma besitzt, die der Geschichte eine neue Facette hinzufügt. Zum anderen glänzt “Insidious: Out of the Further“ mit einigen kreativen Jumpscare-Einlagen, die richtig unter die Haut gehen und noch eine Weile im Gedächtnis bleiben dürften – wie etwa die überraschend intensive Kissenburg-Szene.
Zwar lässt sich in der Regel schon erahnen, wann ein solcher Schockmoment unmittelbar bevorsteht, wie genau er aber letztendlich gestaltet worden ist, ist dank der kreativen Einfälle immer wieder unterhaltsam. Schon bald bereitet allein schon das erwartungsvolle Gefühl vor dem Jumpscare große Freude. Regisseur und Co-Drehbuchautor Jacob Chase, der zuvor mit “Come Play“ (2020) erst einen Langfilm geschrieben und inszeniert hatte, scheint das “Insidious“-Franchise noch um ein paar furchteinflößende Ideen bereichern zu können.
Generationentrauma in “Insidious: Out of the Further“
Trotz seiner für Horrorfilme klassischen Grundstruktur weicht der neue “Insidious“-Film ab und an von den erwartbaren Story-Entwicklungen ab – etwa indem ein geschmiedeter Plan nicht aufzugehen droht und Improvisation gefragt ist. Aufgewertet wird die Geschichte zudem durch die gleich zweifache Mutter-Tochter-Beziehung, wobei auch das Thema Kindeswohlgefährdung mitschwingt.
Somit erzeugt der Horrorfilm beim Publikum echtes Interesse für seine Charaktere und kreiert eine wirkliche Fallhöhe – weil viel auf dem Spiel steht und weil es gelingt, mit dem Thema Mutter-Tochter-Beziehungen zu berühren und aufzuwühlen. Ein Horrordrama wird aus “Insidious: Out of the Further“ deshalb zwar nicht gleich, dennoch bringt er mehr Tiefe mit und in letzter Konsequenz auch mehr Spannung. Zumal der Film im Wesentlichen auch von einem intergenerationalen Trauma erzählt, also von einem Trauma, das von einem selbst an Kinder und Enkel weitergegeben wird.
Zahnarztpraxis als eines der Horrorsettings
Angenehm ist auch, dass es keine wirklichen Momente gibt, in denen sich Charaktere ausgesprochen dämlich verhalten, nur damit die Story vorangetrieben wird. In lediglich einer Szene spricht eine Figur überflüssigerweise das Offensichtliche aus. Einen Hauch von Billig-Horror bewahrt sich “Insidious: Out of the Further“ dennoch – und zwar beim gewollt schockenden Soundeffekt, der abgespielt wird, wenn nach dem Prolog der Filmtitel auf der Leinwand prangt.
In einigen Horrorszenen clever eingesetzt wird der Umstand, dass Gemma als Zahnärztin arbeitet. In eben diesen Szenen wird es oft richtig eklig und schaurig – auch ein bisschen nach dem Motto: Du brauchst keine Angst vor der Zahnärztin zu haben, denn die Zahnärztin hat Angst vor dir oder liegt auch selbst mal auf dem Patientenstuhl. Fans der “Insidious“-Reihe können sich zudem über einen erneuten Auftritt von Lin Shaye als legendäres Medium Elise Rainier freuen.
Fazit zu “Insidious: Out of the Further“: Überraschend viel Kreativität und Anspruch
Eine weitere Stärke des Horrorfilms ist es, dass Zuschauer nicht unbedingt Vorwissen benötigen. Und das, obwohl es sich bereits um den sechsten Teil der Reihe handelt. “Insidious: Out of the Further“ nimmt auch Neulinge an die Hand und erzählt eine Geschichte, die ebenso eigenständig funktioniert. Für Fans wiederum gibt es die erwarteten Anknüpfungspunkte. Wohl auch um potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer nicht abzuschrecken, wurde auf die Zahl sechs im Titel verzichtet – eine sinnvolle Entscheidung.
“Insidious: Out of the Further“ ist ein überraschend kreativer Horrorfilm, der zuweilen auch emotional berührt, vor allem aber durch seine gut durchdachten Schockmomente bei der Stange hält. Zusammen mit dem erfahrenen Co-Drehbuchautor David Leslie Johnson-McGoldrick belebt Regisseur und Autor Jacob Chase das “Insidious-Franchise“ wieder.
Zwar darf bezweifelt werden, ob es deshalb unbedingt noch mehr Fortsetzungen braucht, für die Gelder blockiert werden, die an komplett neue Projekte gehen könnten. Doch immerhin scheinen die beiden Filmemacher noch ein paar frische Ideen im Gepäck zu haben – und nicht zuletzt auch den Anspruch, unterhaltsames Horrorkino zu schaffen.
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