Filmkritik zu “Exit 8“: Ein neuer Trend im Horrorfilmgenre
Hollywoods Filmstudios stürzen sich unbeirrt auf Games und Internetkultur – das scheint 2026 besonders ersichtlich zu sein. Im Februar kam hierzulande der Horrorfilm "Return to Silent Hill" in die Kinos. Mit "Der Super Mario Galaxy Film" startete im April ein Blockbuster, der weltweit über eine Milliarde US-Dollar einspielen konnte und einen Monat später folgte mit "Mortal Kombat II" die nächste Computerspiel-Adaption.
An ein eher jüngeres Publikum richtete sich im Juni der Horrorfilm "Backrooms", der eine der umfangreichsten urbanen Legenden des 21. Jahrhunderts aufgreift. Filmisch umgesetzt wurde das Creepypasta-Internet-Phänomen (das auch eine Vielzahl von Games beinhaltet) von YouTuber und Regisseur Kane Parsons. Dieser hat sich über die Plattform hinaus mit Kurzfilmen zu den Backrooms einen Namen gemacht. Jetzt im August 2026 schließt der Horror-Mystery-Thriller "Exit 8" nahtlos an den Trend an.
Japanisches Videospielphänomen bekommt Filmadaption: Wovon handelt "Exit 8"?
Auch "Exit 8" basiert auf einem gleichnamigen Videospiel. Hollywood hat diesmal jedoch nicht seine Finger im Spiel, denn beim Produktionsland handelt es sich um Japan – woher auch das Spiel stammt. In der Verfilmung verkörpert Schauspieler und Sänger Kazunari Ninomiya einen jungen Mann, der in einer U-Bahnstation Tokios festsitzt. Unerklärlicherweise scheint sich der immer gleiche sterile Metro-Gang in Dauerschleife zu wiederholen.
Einem Hinweisschild in dem Metrogang entnimmt der junge Mann, wie er zu Exit 8 kommen und damit die U-Bahn verlassen kann. Dafür muss er Anomalien erkennen, also Abweichungen von der Norm. Denn anders als zunächst vermutet sind die Gänge keineswegs völlig identisch. Im Fall einer Anomalie – so steht es in den Spielregeln – muss der Mann umkehren, andernfalls soll er geradeaus weitergehen. Entscheidet er sich richtig, so steigt er stetig ein Level auf, und zwar im Idealfall bis zum finalen Ausgang Exit 8.
Wie "Exit 8" den Videospiel-Look umsetzt – und dadurch schaurige Spannung erzeugt
Auf eine sehr unkonventionelle Weise ist "Exit 8" ein echter Hingucker, denn er bedient sich visuell einer weit verbreiteten Videospieloptik. Besonders gelungen ist Regisseur Genki Kawamura hier der Einstieg, bei dem nicht nur Gamern das Herz aufgehen dürfte: Wir erleben aus der Egoperspektive, wie der junge Mann in einer fahrenden U-Bahn steht, dicht an dicht mit den zahllosen anderen Fahrgästen. Wenn sich der Protagonist in der Bahn umsieht oder wenn er sich am Bahnsteig nach seinem heruntergefallenen Smartphone bückt, erweckt die Egoperspektive den Eindruck, als würde man einem Videospielcharakter folgen und nicht einer Filmfigur.
Dadurch entsteht eine völlig andere, immersive Nähe, die selbst bei banalen Alltagshandlungen in den Bann zieht. Damit allein begnügt sich "Exit 8" allerdings nicht. Auch darüber hinaus sind die Kameraeinstellungen dem Spielerlebnis nachempfunden – so wechselt die Ansicht in die Third-Person-Perspektive, wenn der junge Mann das erste Mal den wiederkehrenden Gang erreicht. Zwischendurch bewegt sich die Kamera um ihn herum, sodass wir einen Blick darauf erhaschen können, was etwa in seinem Rücken geschieht. Folglich bekommen wir Details zu Gesicht, die dem jungen Mann zunächst entgehen.
Zugleich baut der Film damit gezielt Spannung auf, denn unsere Sicht ist trotzdem begrenzt. Als Konsequenz daraus findet man sich bald in ständiger Erwartung eines Jumpscares wieder, der erfrischenderweise häufig jedoch ausbleibt. Stattdessen setzt "Exit 8" vornehmlich auf dieses beklemmend-schaurige Gefühl, das man verspürt, wenn man allein in Metro-Gängen und Unterführungen unterwegs ist. Dieser Horror, der von sogenannten Liminal Spaces (Übergangsräume/Schwellenräume) ausgeht, die plötzlich menschenleer sind, ist auch zentral für die Idee der Backrooms.
Die Suche nach dem Absonderlichen: "Exit 8" lässt sein Publikum am Erlebnis teilhaben
Als Zuschauer weiß man nie, was den jungen Mann und einen selbst nach der nächsten Abzweigung erwartet. Das Furchterregende in "Exit 8" liegt also zunächst in Banalitäten, in der Ungewissheit und der angespannten Atmosphäre, die daraus resultiert. Was den Horror anbelangt, übt sich der Film anfangs in Zurückhaltung; die Anomalien sind noch recht unspektakulär. Hier punktet "Exit 8" aber erneut mit seinem Videospielcharakter, denn in gewisser Weise schlüpft der Zuschauende selbst in die Rolle des jungen Mannes, wird selbst zu einer Art Spieler.
Immer wieder prüfen wir die Werbeposter an der linken Seite des Gangs nach Besonderheiten beziehungsweise Absonderlichkeiten, dann den Mann, der uns entgegenkommt, dann rechts die Türen und Lüftungsschächte, den Feuerlöscher, nach der Abzweigung schließlich auch die Spinde und den Fotoautomaten. Man starrt allein schon deswegen gebannt auf die Leinwand oder den Bildschirm, um bloß keine Anomalie zu verpassen.
Im Zusammenspiel mit dem beständigen Unsicherheitsgefühl ist diese scheinbare Teilhabe als Zuschauer erstaunlich packend, obwohl alles sehr repetitiv ist. Wird ein Abschnitt erfolgreich gemeistert – entweder durch die Entscheidung, umzukehren oder weiterzulaufen – oder fällt man wieder zurück an den Anfang, weil etwas übersehen wurde? Diese Ungewissheit ist Motivation genug, um am Ball zu bleiben.
"Exit 8" verliert nur kurz seine Anziehungskraft – und kommt dann stärker wieder zurück
Zwischendurch liefert uns der Film das eine oder andere Highlight – etwa indem er den jungen Mann und uns im Unklaren darüber lässt, ob es sich bei einem Anruf der schwangeren Exfreundin nun um eine Anomalie handelt oder ob er real ist. Irgendwann ist dann jedoch der Punkt erreicht, wo zu wenig passiert und das wiederkehrende, gründliche Absuchen nach Anomalien zu redundant wird. Hier büßt "Exit 8" für eine Weile spürbar etwas von seiner Anziehungskraft ein.
Glücklicherweise hält der Effekt aber nicht lange an, denn die Horrorszenen steigern sich noch in ihrer Häufigkeit und Intensivität. Auch Story und Worldbuilding schreiten endlich wieder voran – und zwar auch durch einen zwischenzeitlichen Wechsel der Erzählperspektive und der Zeitebene, auf die Fans des Spiels sehnsuchtsvoll gewartet haben dürften. Seine Erzählstränge führt der Film elegant zusammen, wobei auch die Themen und Motive immer klarer werden, während wir die Charaktere näher kennenlernen: Verantwortung und Verantwortungslosigkeit, Vaterschaft, Konflikte mit Eltern…
"Exit 8" als weiterer Horrorhit 2026
Nicht nur Angehörige der Gen Z und Gamer dürften mit "Exit 8" etwas anfangen können; es gelingt dem Film nämlich ausgezeichnet, in sein Szenario einzuführen – und das ganz ohne die für viele Horrorfilme typischen Charaktere, die dem Protagonisten von vorne bis hinten erklären, wie der Hase läuft. Die wichtige Regel für Kreative "Show, don’t tell" (Zeigen, nicht erzählen) beherrscht Regisseur Genki Kawamura, der bislang vornehmlich als Produzent in Erscheinung getreten ist, also zweifellos.
Vorwissen braucht es daher nicht zwingend, dafür aber die Bereitschaft, ein bisschen mitzudenken, und zwar nicht nur bei der Suche nach Anomalien. Denn "Exit 8" arbeitet viel mit Symbolik, erklärt nicht jedes Detail, lässt Fragen teils offen und lädt zum Interpretieren ein. Das Ende ist dafür jedoch unmissverständlich gestaltet. Ähnlich wie im Fall von "Backrooms" (2026) hätte "Exit 8" in seinem Horror womöglich noch albtraumhafter sein können.
Beirren lassen sollte man sich davon aber nicht, schließlich ist in beiden Fällen ein Film gelungen, der seiner Vorlage gerecht wird und zugleich eine interessante Geschichte erzählt. "Exit 8", "Backrooms", "Obsession" – 2026 ist im Begriff, ein fantastisches Jahr für das Horrorgenre zu werden.
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