Das neue "Jurassic Park"? Filmkritik zum Dinosaurierthriller "The End of Oak Street" mit Anne Hathaway
Ob im Kino oder auf den unzähligen Streamingplattformen – die 80er Jahre haben die Film- und Serienwelt längst im Sturm erobert. Auf den mutmaßlichen Auslöser dieses Nostalgietrends – die Erfolgsserie "Stranger Things" (2016 bis 2025) – folgt seitdem eine regelrechte Welle von Produktionen, die in den 1980er Jahren angesiedelt sind. Das jüngste Beispiel im Kino ist der Abenteuerthriller "The End of Oak Street" mit Anne Hathaway und Ewan McGregor.
Die beiden Hollywood-Schwergewichte spielen Denise und Greg Platt, in deren Ehe sich große Risse aufgetan haben. Infolge eines unerklärlichen kosmischen Ereignisses reisen sie und ihre gesamte Nachbarschaft mitsamt Grundstücken und Einfamilienhäusern aus dem Jahr 1982 in die Zeit der Dinosaurier. Denise, Greg sowie ihre Teenager-Kinder Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella) finden sich in einem Albtraum wieder. Sie müssen um ihr Überleben kämpfen – und irgendwie zurück in ihre Gegenwart finden.
"The End of Oak Street" macht aus seiner bekannten Grundidee ein Mysterium
Die Prämisse von "The End of Oak Street" ist simpel und schnell erzählt, aber gleichzeitig auch vielversprechend. Bis sie so richtig zur Geltung kommt und die ersten Dinos über die Leinwand stürmen, vergehen jedoch gut und gern zwanzig Minuten. Mit geradezu liebevoller Hingabe führt Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell in die idyllische Vorstadt-Welt der USA in den 80ern ein und lässt uns seine Charaktere und deren Konflikte erst einmal in Ruhe kennenlernen.
Dadurch gelingt es ihm, uns Denise, Greg und Co. näherzubringen. An diesem Punkt scheiden sich vermutlich die Geister. Entweder freut man sich über die tiefere Verbindung zu den Charakteren oder man stört sich daran, dass "The End of Oak Street" nicht sofort zur Sache kommt. Tatsächlich baut der Film ein Mysterium um seine Handlung auf, beginnend mit zaghaften Hinweisen, denen Denise nachgeht.
Lässt man sich darauf ein, ist das durchaus spaßig mitanzusehen. Gleichzeitig dürften die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer – egal, ob ihnen der Trailer bekannt ist oder nicht – die Grundidee des Films bereits kennen. Das birgt die Gefahr, dass der Einstieg für viele etwas langatmig geraten könnte.
80er-Nostalgie trifft auf modernen Zeitgeist – auch dank Anne Hathaways Rolle
Zur Entwarnung sei aber gesagt: Dinosaurier – groß wie auch klein, im Wasser, in der Luft und auch an Land – bekommen wir in Hülle und Fülle zu Gesicht. Dabei berücksichtigt die Produktion sogar die noch immer eher unbekannten Erkenntnisse der Forschung, dass viele Dinosaurier mutmaßlich Fell hatten oder ein Federkleid ihr Eigen nennen konnten. Wer nach dem letzten Film der "Jurassic Park/World"-Reihe "Jurassic World: Die Wiedergeburt" (2025) Sehnsucht nach Dinos hat, findet in "The End of Oak Street" einen würdigen Nachfolger im Geiste.
Die Wartezeit bis zum Auftritt der Dinos versüßt uns die versprochene 80er-Jahre-Nostalgie. Davon versprüht der Film jede Menge – angefangen beim Soundtrack, über Frisuren und Mode bis hin zu Kassettenspielern und alten Röhrenfernsehern. Auch hinsichtlich seiner Erzählweise und seiner Charaktere erinnert "The End of Oak Street" an 80er-Jahre-Abenteuerfilme. Dabei verleiht David Robert Mitchell seinem Film jedoch einen modernen Anstrich, etwa was die Geschlechterrollen betrifft.
So ist es Anne Hathaways Charakter Denise, die mit einem Gewehr auf Dinos schießt. Den Schutz ihrer Familie überlässt sie nicht allein ihrem Mann Greg – im Gegenteil. Hathaway, die in diesem Kinojahr omnipräsent zu sein scheint, zeigt hier nochmal eine andere Seite ihres Schauspiels. Gleichzeitig ist es schön, Ewan McGregor, alias Obi-Wan Kenobi, zurück auf der großen Leinwand zu sehen, nachdem es in den vergangenen Jahren eher still um ihn war.
Der Kopf hinter "The End of Oak Street" kommt aus dem Horrorkino
Regisseur und Drehbuchautor Robert David Mitchell traut sich also trotz aller Nostalgie, altbekannte und mittlerweile ausgetretene Pfade auch mal zu verlassen. Spannend ist dabei ein Blick in seine bisherige Filmografie. Mitchell wird bislang vor allem bei Fans von Horrorfilmen und Thrillern geschätzt – und zwar für "It Follows" (2014) und "Under the Silver Lake" (2018). Wüsste man es nicht besser, so würde man hinter "The End of Oak Street" vermutlich nicht den Macher dieser beiden Werke vermuten.
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In der einen oder anderen Szene blitzt Mitchells Handschrift jedoch auf. In zwei oder drei von ihnen entwickelt der Regisseur eine zum Atem anhaltende Spannung. Wenn sich etwa ein Tyrannosaurus Rex im Rücken der Familie und von dieser lange unbemerkt nähert, zieht man unweigerlich Parallelen zu "It Follows", in dem die Protagonistin von einem dämonischen Wesen verfolgt wird, das sich ihr langsam nähert.
Ein eher uninspirierter Film für Regisseur Mitchell – "The End of Oak Street" ist dennoch unterhaltsamer Dino-Spaß
Ein klassischer Familienfilm ist "The End of Oak Street" nicht, dafür ist er schlicht zu brutal und immer wieder auch zu nervenaufreibend. Freigegeben ist er ab zwölf Jahren. Vor allem wenn man Mitchells Abenteuerfilm mit seinen bisherigen Filmen vergleicht, kann man ihm sicher vorwerfen, dieses Mal nicht sonderlich innovativ zu sein. Die Handlung des Dino-Thrillers ist recht klassisch gehalten und wesentlich typischer für Hollywood-Produktionen als seine vorherigen Werke – sieht man von den genannten Pfadabweichungen in seinem neuen Film einmal ab.
So scheinen einige Charaktere trotz der enormen Bedrohung ohnehin sicher zu sein; auch gibt es am Ende eine klassische Moral von der Geschichte, die den Wert der Familie in den Vordergrund rückt. Dazu gesellen sich die ein oder anderen Momente, in denen die Handlungen der Charaktere nicht nachvollziehbar erscheinen – etwa warum bei einem Stromausfall alle zusammen im Wohnzimmer schlafen, während sie sich dann in der ersten Nacht, in der sie von den Dinos wissen, in verschiedenen Zimmern aufhalten.
Das dient einzig und allein dazu, die Handlung in Gang zu setzen. Zu sehen bekommen wir sowas immer wieder, von Robert David Mitchell hätte man jedoch eine kreativere Lösung erwartet. Wer also für "The End of Oak Street" wegen seines Regisseurs und Drehbuchautors Kinotickets holt, wird voraussichtlich enttäuscht werden. Als harmloser Dino-Spaß taugt der Abenteuerfilm aber allemal – mit Potenzial zum Sommer-Blockbuster.
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