Kane Parsons: Dieser YouTube-Teenager wurde zum gefeierten Hollywood-Regisseur
Seine Karriere klingt wie eine dieser Hollywood-Geschichten, die eigentlich zu schön sind, um wahr zu sein. Kane Parsons begann als Teenager, auf YouTube seine eigene Version der mysteriösen "Backrooms" zu erschaffen. Aus dem Internetprojekt wurde schließlich ein rund 10 Millionen Dollar teurer Kinofilm, der nach sechs Tagen bereits die Einspiel-Marke von 100 Millionen US-Dollar knackte und weltweit bei rund 350 Millionen Dollar steht – auch dank einer um 16 Minuten längeren "Everything Must Go Edition", die die Produktionsfirma A24 rasch nachschob. Aus dem jungen YouTuber wurde indes ein angesagter Hollywood-Regisseur. Doch ausgerechnet Parsons selbst scheint seinen kometenhaften Aufstieg erstaunlich gelassen zu betrachten.
Kane Parsons: Plötzlich Hollywood-Star
"Ich bin mittendrin, aber ich fühle mich immer noch ein bisschen wie ein Außenseiter", gesteht Parsons. Das Gefühl, plötzlich wirklich zu Hollywood zu gehören, stelle sich nicht einfach über Nacht ein. Dabei hat sich sein Leben innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert.
Den einen Augenblick, in dem ihm sein Erfolg bewusst wurde, gab es trotzdem nie. "Es gab viele kleine Versionen dieses Moments", erzählt Parsons gegenüber teleschau. Als sein "Backrooms"-Projekt Anfang 2022 auf YouTube plötzlich immer mehr Menschen erreichte (sein Kurzfilm "The Backrooms – Found Footage" steht bei über 70 Millionen Abrufen), sei das der erste große "Pinch-me"-Moment gewesen. Seitdem habe sich dieses Gefühl immer wiederholt. "Man passt sich immer an den Punkt an, an dem man gerade steht."
Dass mittlerweile so viele Menschen seinen Film gesehen haben und sich damit verbunden fühlen, mache ihn "überglücklich". Trotzdem versucht der heute 21-Jährige, sich nicht permanent mit seinem Erfolg zu beschäftigen. "Ich möchte, dass die tägliche Arbeit der Grund ist, warum ich das wirklich mache", erklärt er. Entscheidend sei für ihn am Ende nicht, wie groß der Hype um ihn werde, sondern etwas erstaunlich Bodenständiges: wie er sich nach einem Arbeitstag fühle, wenn er abends schlafen gehe. "Das ist eine sehr zen-artige Sichtweise", räumt er selbst ein. "Aber es ist alles, was ich wirklich kontrollieren kann."
Überhaupt scheint Parsons wenig Interesse daran zu haben, sich den klassischen Regeln Hollywoods anzupassen. Ein größeres Budget mache für ihn nicht automatisch einen besseren Film. Bis heute sei eines seiner liebsten und ungewöhnlichsten Werke eine Produktion, die praktisch ohne Budget entstanden sei und auf YouTube liege. "Ich werde immer der Idee folgen, die am bizarrsten ist oder die stärkste Verbindung zu Menschen hat."
Kane Parsons und seine "fast psychotische Art zu denken"
Wie weit er dafür manchmal geht, zeigt eine ungewöhnliche Geschichte aus der Entstehung von "Backrooms". Parsons erzählt, dass Gebäude, Räume und Architektur für ihn schon immer beinahe eine eigene Persönlichkeit besessen hätten. Während der Postproduktion und späterer Nachdrehs wollte er sich noch tiefer in diese Vorstellung hineinversetzen.
Für einige Tage habe er deshalb versucht, sich tatsächlich vorzustellen, die Räume um ihn herum seien lebendig – fast wie ein seltsamer Parasit, der zwischen den Menschen existiert. Irgendwann habe er selbst gemerkt, wie weit er sich gedanklich von der Realität entfernt hatte. "Es ist eine ziemlich abwegige, fast psychotische Art zu denken", sagt Parsons. Gerade solche gedanklichen Ausflüge empfinde er für seine Arbeit aber als spannend. Er möge es, wenn ein Projekt sein Denken an einen Ort bringe, der außerhalb seiner normalen Wahrnehmung liege.
Dass ihn Psychologie interessiert, kommt dabei nicht ganz von ungefähr. Seine Mutter ist Therapeutin. Parsons scherzt, einiges davon habe er wohl einfach "durch Osmose" mitbekommen. Für "Backrooms" habe das Team zusätzlich mit einer Therapeutin gesprochen, während er selbst intensiv recherchierte, damit die psychologischen Zusammenhänge der Geschichte für ihn stimmig blieben.
So holt sich Kane Parsons Inspiration
Und noch etwas unterscheidet den jungen Regisseur vermutlich von vielen älteren Hollywood-Filmemachern: Parsons ist mit dem Internet groß geworden. Bis heute liest er nach eigener Aussage ständig Kommentarspalten. Das könnte seiner Generation sogar einen ungewöhnlichen Instinkt mitgegeben haben. Wer jahrelang beobachte, wie Menschen online auf Inhalte reagieren, entwickle möglicherweise unbewusst ein Gespür dafür, welche Reaktionen ein Film später in den sozialen Medien auslösen könnte.
Einen Erfolgsbaukasten für die Generation Z will Parsons daraus allerdings nicht machen. Viele Entscheidungen treffe er intuitiv, ohne im jeweiligen Moment überhaupt zu wissen, warum sie bei Gleichaltrigen funktionieren. Erst hinterher könne er manches erklären. Gerade der Versuch der Filmindustrie, daraus eine einfache Formel zu machen, sei deshalb schwierig.
Und zurück in eine reine YouTube-Welt möchte Parsons trotz seines Erfolgs im Kino nicht. Spielfilme stehen derzeit ganz oben auf seiner Wunschliste – eine Fortsetzung von "Backrooms" ist möglich. "Ich hatte unglaublich viel Spaß", verrät er teleschau. Es gebe vieles, was er beim nächsten Mal anders oder noch besser machen wolle. Gleichzeitig denke er über ein oder zwei TV-Projekte nach, wolle YouTube weiterhin als "experimentelles Testgelände" nutzen und könne sich sogar vorstellen, eines Tages ein Videospiel zu entwickeln.
Türen schließen möchte Parsons jedenfalls keine. Vielleicht passt gerade das am besten zu einem Regisseur, dessen Karriere mit einem geheimnisvollen Labyrinth begann, in dem niemand genau weiß, wohin der nächste Gang führt. Kane Parsons scheint damit ziemlich gut leben zu können.
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH