Krebs bei jungen Menschen

Filmkritik zu "Sunny Dancer" – berührendes Coming-of-Age-Drama mit Bella Ramsey & Neil Patrick Harris

20.08.2026, 16.09 Uhr
Mit viel Zärtlichkeit und Empathie erzählt "Sunny Dancer" von einer Gruppe junger (ehemals) Krebserkrankter im Sommercamp. Mit ihnen erleben wir vier Wochen voller Zweifel und Ängste, aber auch Freundschaft, Liebe und schöner Erfahrungen. Ein Film, der nur wenig Luft nach oben hat.
Bella Ramsey und Neil Patrick Harris posieren für ein Foto.
"Sunny Dancer" läuft seit dem 13. August in den deutschen Kinos.  Fotoquelle: picture alliance / AP Photo/Millie Turner | Millie Turner

Wenig im Leben fühlt sich so magisch an wie als Kind oder Teenager die Sommerferien zu erleben. Sonnige Tage im Freibad oder am See, laue Sommernächte am Lagerfeuer und viel Zeit mit Freunden und Familie – wer solche glücklichen Erinnerungen an die Sommerferien sein Eigen nennen darf, den kann bei diesen Worten schnell die Nostalgie packen. In der britischen Tragikomödie "Sunny Dancer" verbringt die 17-jährige Ivy (Bella Ramsey) eben solche Ferien – nur mit einem entscheidenden Unterschied: Ivy hat eine Krebserkrankung hinter sich.

Im Zuge ihrer Erkrankung ist die Jugendliche zu einer Einzelgängerin mutiert, die sich lieber zurückzieht. Ihre überfürsorglichen Eltern melden sie daher im Children Run Free Camp an. Dort soll sie vier Wochen lang Zeit mit weiteren mittlerweile krebsfreien und teils auch noch krebskranken Jugendlichen verbringen. Und genau so kommt es – trotz des vehementen Protests Ivys. Ihren nun unvermeidlichen Aufenthalt im Camp will sie einfach nur hinter sich bringen, findet jedoch bald Gleichgesinnte, dank derer es tatsächlich ein unvergesslicher Sommer werden könnte.

"Sunny Dancer" und die fast perfekte Balance aus Tragik und Feelgood

In die berüchtigte Klischeekiste greift "Sunny Dancer" anfänglich etwas zu häufig. Da wären etwa Ivys Eltern, Karen (Jessica Gunning) und Bob (James Norton): Während Bob als der "coole" und verständnisvolle Dad gezeichnet wird, ist Karen eine immerzu laute Glucke, die einer Teenagerin schlicht peinlich sein muss – insbesondere, wenn sie bei ihrer Ankunft im Camp zu einer Gruppe von Jugendlichen sagt, sie sollen gefälligst nett zu Ivy sein.

Auch sonst greift Regisseur und Drehbuchautor George Jaques auf so einige althergebrachte Klischees zurück, die vor allem für das Coming-of-Age-Genre typisch sind. Dazu gehören etwa Ivys anfängliche entschiedene Ablehnung des Camps, das sie als "Freak-Camp" bezeichnet, oder auch die eigentliche Motivation des Campleiters Patrick (Neil Patrick Harris), die im Verlauf offenbart wird.

Je mehr Zeit vergeht, desto häufiger weicht die Geschichte von "Sunny Dancer" jedoch vom klassischen Drehbuch ab, sorgt für Überraschungen und traut sich zuweilen deutlich mehr, als man erwartet hätte. Dadurch gelingt Filmemacher-Talent George Jaques (Jahrgang 2000) eine schöne Balance aus Feelgood und Tragik.

Moderne Coming-of-Age-Geschichte – mit nur einer Ausnahme

Mit seiner einfühlsamen Herangehensweise und dank des talentierten Casts aus vielen Jungschauspielern rund um Bella Ramsey ("Game of Thrones", "The Last of Us") bringt uns Regisseur Jaques die Freundesgruppe näher. Ohne wirkliche Mühe schließen wir die Teenager ins Herz, leiden und lachen mit ihnen – trotz der erwähnten Genreklischees, die teilweise auch auf die Charaktere übergreifen. Gleichzeitig präsentiert sich "Sunny Dancer" in vielen erzählerischen Aspekten sehr modern und fortschrittlich, beispielsweise bezüglich dessen, wie männliche Charaktere weibliche Figuren behandeln.

Darüber hinaus prangert die Tragikomödie auch geheuchelte Betroffenheit gegenüber Erkrankten an. Lediglich die Darstellung von Sexualität hätte noch etwas mehr Einfühlsamkeit und Realismus vertragen können. Bei einer zentralen Szene hierzu liegt der Fokus, wie so oft in Filmen und Serien, rein auf Penetration. Es geht sehr schnell zur Sache, sodass sich die Szene sehr lieblos anfühlt – so, als müsste man diesen Aspekt nun mal abhandeln, weil er zur Figurenentwicklung dazugehört.

Lebenswelten junger Menschen: Das bittersüße Coming-of-Age-Drama "Sunny Dancer"

Ganz und gar authentisch erscheinen dagegen viele andere Verhaltensweisen und Wünsche der jungen Menschen. Die ebenfalls krebsfreie Ella (Ruby Stokes) ist zum Beispiel versessen darauf, ihr erstes Mal im Camp zu erleben, wobei sie teilweise etwas zu verbissen wirken kann. Eigentlich aber ist dieser Wunsch nur nachvollziehbar, denn wegen ihrer Erkrankung in einem so jungen Alter war lange Zeit unklar, ob sie bestimmte Erfahrungen jemals würde machen können oder nicht.

Für die noch oder wieder Erkrankten mag es sich dagegen so anfühlen, als hätten sie ohnehin nichts mehr zu verlieren – weder Zeit noch Gesundheit – und so trifft man sich eben heimlich außerhalb des Campgeländes, um zu trinken oder zu kiffen. Jugendliche Leichtigkeit und der unablässige Gedanke, dass diese fürchterliche Krankheit jederzeit zurückkehren könnte: In "Sunny Dancer" ist beides allgegenwärtig, was dem Film seine bittersüße Färbung verleiht.

Wen gefeierte Coming-of-Age-Dramen wie "Vielleicht lieber morgen" (2012), "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" oder auch "Call Me by Your Name" (2017) tief berührt haben, dem dürfte es mit "Sunny Dancer" ähnlich ergehen. An der einen oder anderen Stelle hätte der Tragikomödie zwar etwas mehr Kreativität gutgetan, nichtsdestotrotz ist dem noch jungen Filmemacher George Jaques ein warmherziges Werk gelungen – wohl auch deswegen, weil er die Lebensrealitäten, viele Wünsche, Träume und Probleme anderer junger Menschen kennen dürfte.

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