Schrecklich schwirrende Zukunft

"Droneland": Kritik zum Science-Fiction-Thriller mit Oliver Masucci und Sibel Kekilli

04.10.2026, 10.10 Uhr
Drohnen überwachen Europa, KI rekonstruiert Verbrechen: Oliver Masucci stößt als Ermittler Aart Westerfeld auf Zweifel an der digitalen Realität.

Tom Hillenbrands 2014 erschienener Roman "Drohnenland" gilt als visionär. Er sah unsere Gegenwart mit omnipräsenten Drohnen, Big Data und möglichem KI-Terror voraus. Nun startet bei MagentaTV die Miniserie "Droneland" mit Oliver Masucci als Agent in einer dystopischen Zukunft.

Im Europa einer nahen Zukunft schwirrt es am Himmel wie im Bienenstock. Rund um die Uhr erfassen Drohnen ein Komplettbild der Welt und ihrer Geschehnisse. Kein Detail bleibt unbeobachtet. Beurteilen die fliegenden Maschinen etwas als illegal, wird auch geschossen. Polizeiarbeit wie beim "Tatort" mit Kommissaren, Spurensicherung und Pathologen vor Ort, gibt es in der Welt der sechsteiligen Miniserie "Droneland" (alle Folgen ab Donnerstag, 8. Oktober) nicht. Vielmehr untersuchen Ermittlerinnen wie Nina Bittmann (Sophie Mousel) Tathergänge über deren Spiegelbilder in der digitalen Aufzeichnung. Dort kann man 3D-Versionen von Morden und anderen Verbrechen betreten, die Zeit anhalten und in den Szenen vor- oder zurückspulen. Die Kriminalität wurde durch derlei Überwachung samt fortgeschrittener Datenanalyse in diesem sich trotzdem eher freudlos anfühlenden Europa weitgehend ausgemerzt. So zumindest in der Theorie.

Oliver Masucci ermittelt in der überwachten Welt von "Droneland"

Im Dresden dieser Zukunft lebt auch Ex-Soldat Aart Westerfeld (Oliver Masucci), der seine Frau Ellen, natürlich eine brillante KI-Forscherin, vor sieben Jahren auf tragische Weise verlor. Ein Rebellenführer soll sie getötet haben, und Aart – Typ: kämpferischer "Blade Runner"-Detektiv im Untergrund – sinnt auf Rache. Weil Aarts Methoden nicht dem Gesetz entsprechen, hat Europol-Chefin Katarina Kush (Sibel Kekilli) ein Druckmittel gegen ihn in der Hand. Mit Nina Bittmann soll Aart Westerfeld einen politisch brisanten Mord aufklären und weitere Rebellen-Anschläge verhindern. Nina und Aart werden zu ungleichen Kollegen: Während die etablierte Ermittlerin der Ermittlungstechnik "Mirrorspace" voll vertraut, findet Aart Ungereimtheiten in den KI-generierten Welten. Unter anderem sieht er dort seine verstorbene Frau in Szenen, in die sie eigentlich nicht hingehört. Halluziniert die KI, oder ist es Aart, der seinen Verstand verliert?

"Droneland" ist ein Science-Fiction-Thriller, der sich auch durch eine hochwertige Optik und Ausstattung auszeichnet. Vier Länder sind an der Produktion beteiligt, neben Deutschland sind auch die Niederlande, Polen und Luxemburg mit Personal vor und hinter der Kamera vertreten. Auch das ZDF ist als Ko-Produzent aufgeführt, dort soll die Serie 2027 zu sehen sein. Der Plot ist hochpolitisch: Im dystopischen, von Drohnen überwachten Europa steht eine Präsidentenwahl an. Offenbar ist der Kontinent in der "Droneland"-Zukunftsvision tatsächlich zu einer Art souveränem Staat geworden.

"Droneland" zwischen KI-Vision und Thriller-Klischees

Dass in dieser Serie viele Nicht-Muttersprachler in der Originalfassung Englisch miteinander reden, sorgt für einen manchmal etwas irritierenden Eindruck. Die Dialoge klingen bisweilen hölzern, was das ein oder andere Klischee des Thriller-Plots und seiner Figuren noch unterstreicht.

Allerdings sollte man dies nicht nur der dem Action-Genre durchaus zugeneigten Serie vorwerfen. Genannte Klischees in Sachen Thriller-Handlung, Sprache und Figuren wurden schon in der Buchvorlage kritisiert. Dennoch erhielt der Roman viele positive Besprechungen, da seine Zukunftsvision fast schon brillant konstruiert ist. Themen wie KI und Überwachung und die Frage, ob eine vollständig digitalisierte Gesellschaft nicht auch ihre eigene Realität manipulieren kann, hat Hillenbrand schon 2014 weit zu Ende gedacht. Was passiert, wenn eine digitale Rekonstruktion der Welt realistischer erscheint als die Realität selbst? Auch die Frage der KI als Gefahr für die Menschheit, weil sie eigene, vor dem Menschen geheimgehaltene Ziele verfolgt, wird in diesem Stoff durchaus klug verhandelt. "Droneland" ist ein toller Sci-Fi-Stoff, bei dem man das ein oder andere Plot- und Figuren-Klischee in Kauf nehmen muss.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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