Sibel Kekilli

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Längst etabliert: Sibel Kekilli
Fotoquelle: vipflash/shutterstock.com
Sibel Kekilli
Geboren: 16.06.1980 in Heilbronn, Deutschland

Bevor Sibel Kekilli mit "Gegen die Wand" einen fulminanten Durchbruch feiern konnte, arbeitete sie unter anderem als Fotomodell und Pornodarstellerin. Das sorgte dafür, dass sie die Schlagzeilen, die im Zusammenhang mit Fatih Akins Erfolgsfilm veröffentlicht wurden, nicht mit uneingeschränkter Freude genießen konnte. Über Nacht wurde sie berühmt und gefeiert und im gleichen Atemzug von der deutschen Boulevardpresse mit Schmutz beworfen und diffamiert. Dabei trat die Tatsache, dass mit "Gegen die Wand" endlich mal wieder ein erfolgreicher deutscher Film das Rennen um den Goldenen Bären für sich entscheiden konnte, vollkommen in den Hintergrund.

Dabei fing alles so gut an. Die junge Sibel Kekilli wird beim Einkaufen angesprochen und zum "Gegen die Wand"-Casting eingeladen. Dort setzte sie sich gegen 350 Konkurrentinnen durch und erhielt die Rolle der jungen Sibel Güner. Die sympathische Aktrice überzeugt trotz fehlender Schauspielerfahrung. Sie spielt die in Deutschland geborene und aufgewachsene Türkin, die eine Scheinehe mit einem älteren, völlig heruntergekommenen Landsmann nur deshalb eingeht, weil sie den traditionellen Vorstellungen ihrer Eltern entgehen möchte, mit Bravour. Das Feuilleton jubelte und Publikum wie Kritiker waren begeistert. Doch während Fatih Akin stolz den Goldenen Bären in die Luft hob und mit Sibel Kekilli und Birol Ünel an seiner Seite den Erfolg feierte, entbrannte um seine weibliche Hauptdarstellerin eine wahre Schlammschlacht. Die Berichterstattung löste heftige Diskussionen, Missfallensäußerungen aber auch Solidaritätsbekundungen aus und verschaffte dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit.

Ungeachtet der Medienhetze erhielt Sibel Kekilli für ihre Leistung den Preis als beste Darstellerin 2004 beim Filmfestival Türkei/Deutschland in Nürnberg, den New Faces Award der Zeitschrift Bunte als beste Nachwuchs-Schauspielerin, den Undine Award als beste jugendliche Hauptdarstellerin in einem Kinospielfilm und die "Lola in Gold" des Deutschen Filmpreises als beste Hauptdarstellerin 2004. Bei der Bambi-Verleihung im November 2004 nutzte sie die Chance und bat in ihrer Dankesrede, die sie anlässlich der Verleihung des Fernsehpreis als Shooting Star des Jahres 2004 hielt, die Hetzkampagne gegen sie zu beenden. Knapp einen Monat später rügte der Deutsche Presserat öffentlich die Berichterstattung über Sibel Kekilli wegen Verletzung der Menschenwürde.

Seither bemüht sich die sympathische Darstellerin zur Normalität zurückzukehren, was ihr nur bedingt gelingt. Sie nimmt Schauspielunterricht, arbeitet mit einer Sprecherzieherin und hofft auf ein vielseitiges Rollenangebot. Wie viele ihrer türkisch stämmigen Kollegen möchte auch Sibel Kekilli nicht stereotyp besetzt werden und übernimmt darum in ihrem zweiten Spielfilm "Kebab Connection" (2004) die Rolle einer jungen Italienerin und entfernt sich so von den Klischees, die immer wieder von türkisch stämmigen Schauspielern bedient werden müssen.

2006 lieferte Sibel Kekilli mit "Eve dönüs" ihren ersten türkischen Film ab. Unter der Regie von Ömer Ugur spielt sie eine Arbeiterin während des türkischen Militärputsches von 1980. Im gleichen Jahr sieht man sie auch in Joseph Vilsmaiers "Der letzte Zug" als Jüdin, die vom Berliner Bahnhof Grunewald nach Auschwitz abtransportiert wird. Außerdem schlüpfte sie für Hans Steinbichlers "Winterreise" in die Rolle der kurdischen Dolmetscherin Leyla an der Seite von Josef Bierbichler und steht in der amerikanisch-deutschen Coproduktion "Fay Grim" als Concierge hinter dem Rezeptionstresen eines Istanbuler Luxushotels.

Dass man Sibel Kekilli nicht nur als gute Schauspielerin in Erinnerung behält, liegt vor allem daran, dass sie sich sehr stark gegen Gewalt an Frauen in islamischen Lebensräumen engagiert und unter anderem die Organisation Terre des Femmes unterstützt. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Aile ici siddete son - Schluss mit familiärer Gewalt" sorgte sie im Dezember 2006 für einen Eklat, als sie in ihrer Rede einen Zusammenhang zwischen familiärer Gewalt und dem Islam herstellte. Da er Sibel Kekillis Aussagen als Diskriminierung von Muslimen empfunden hat, verließ der türkische Generalkonsul Ahmet Nazif Alpman demonstrativ die Veranstaltung. Die Tatsache, dass Sibel Kekilli ihre Aussage im Anschluss weder zurücknahm, noch leugnete oder abschwächte, zeigt, dass sie nicht nur vor der Kamera zu den starken Frauen gezählt werden muss.

Seit 2011 ist Sibel Kekilli nach einem Gastspiel als Umweltaktivistin in dem Krimi "Tatort - Borowski und eine Frage von reinem Geschmack" (2010) die neue Kollegin von Axel Milberg in dem Kieler "Tatort". Die bisherigen Folgen: "Tatort - Borowski und die Frau am Fenster", "Tatort - Borowski und der coole Hund" (beide 2011), "Tatort - Borowski und der stille Gast", "Tatort - Borowski und der freie Fall" (beide 2012), "Tatort - Borowski und der brennende Mann", "Tatort - Borowski und der Engel" (beide 2013).

Weitere Filme und Serien mit Sibel Kekilli: "Nachtschicht - Blutige Stadt" (TV-Serie), "Die Fremde" (beide 2009), "Gier", "Der Kommissar und das Meer - Ein Leben ohne Lüge", "Mordkommission Istanbul - In deiner Hand" (2010), "What A Man" (2011), "Die Männer der Emden" (2012), "Game of Thrones" (Serie, Game Of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer/Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer/2013).


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