Samuel Finzi

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Auch auf der Bühne ein Großer: Samuel Finzi.
Fotoquelle: 360b/shutterstock.com
Samuel Finzi
Plowdiw, Bulgarien
Sternzeichen: Steinbock

Hierzulande hat sich Samuel Finzi hauptsächlich einen Namen als Bühnenschauspieler gemacht. Bekannt wurde er durch sein ausdrucksstarkes Spiel, dass er häufig in Zusammenarbeit mit dem - ebenfalls in Deutschland lebenden - bulgarischen Theaterregisseur Dimiter Gotscheff zeigte. Samuel Finzis Mimik ist so emotionsgeladen, dass er mit wenig Veränderung in seinem Mienenspiel eine ganze Geschichte erzählen kann. Wenn er in eine Rolle schlüpft, dann spielt er sie nicht, sondern verkörpert sie. Das gelingt nur wenigen Schauspielern und das macht den gebürtigen Bulgaren so einzigartig.

Mit der Arbeit an deutschen Bühnen begann er kurze Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer. Nach nur zwei Jahren Ausbildung an der Akademie für Film und Schauspiel in Sofia zog es den Sohn eines - in Bulgarien sehr populären - Schauspielers und einer Pianistin im Herbst 1989 zunächst nach Paris und dann direkt weiter in die Spreemetropole. Innerhalb von nur zwei Monaten lernte er die deutsche Sprache und bekam sofort eine Anstellung am Hebbel-Theater. Bereits kurze Zeit später folgte seine erste Zusammenarbeit mit Gotscheff. Seither sind der 1966 in Plowdiw geborene Finzi und sein Landsmann ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreibt. "Leonce und Lena", "Die Möwe", "Woyzeck" und "Don Quixote" sind nur einige Stücke, in denen Finzi unter der Regie Gotscheffs brillierte. Doch auch zusammen mit anderen Regisseuren wie Stefan Bachmann, Michael Thalheimer und Ivan Panteleev weiß der Vollblutmime mit seiner enormen Konzentrationsfähigkeit zu überzeugen.

In seiner Heimat stand der Charakterschauspieler bereits 1989 und 1990 für zahlreiche Filme vor der Kamera und wurde schnell zu einem gefeierten Star. Gleich viermal spielte er in diesen beiden Jahren an der Seite seines Vaters Itzhak Finzi: "The Countess" (im Orginal: "Az grafinyata"), "Divorces, Divorces..." ("Razvodi, razvodi..."), "Das Lager" und "Love Is a Willful Bird" ("Nemirnata ptitza lyubov"). In Deutschland sah man ihn erstmals 1995 in "Doppelter Einsatz - Brisante Geschäfte" auf dem Bildschirm. Für den passionierten Theaterschauspieler sind die Gastauftritte in Serien und Filmen - anfangs - ein finanzielles Zubrot. Sucht er auf der Bühne die Herausforderung in anspruchsvollen Rollen, so gab er sich bei der Auswahl von TV-Angeboten zunächst mit der gewöhnlichen deutschen TV-Kost zufrieden, gab den Arzt ebenso überzeugend wie den Kommissar und scheute sich nicht vor Gastauftritten im alltäglichen Krimiserien-Allerlei. Trotzdem blieben TV-Engagements bis 1998 nur sporadische Ausflüge von seiner Theaterarbeit.

Erst kurz vor der Jahrtausendwende übernahm er vermehrt Rollen in TV-Serien und -Filmen und spielte sich langsam, aber kontinuierlich in das Gedächtnis der Zuschauer. Nach kleinen Parts in "Und alles wegen Mama" und "Die Unschuld der Krähen" (beide 1998), sah man ihn auch in "Tolle Lage" (1999), "Abschied - Brechts letzter Sommer" und "Deutschlandspiel" (beide 2000). Äußerst verwirrend ist Samuel Finzis Arbeit für die ZDF-Krimiserie "Bella Block". In mindestens drei verschiedene Rollen schlüpfte er seit 1999: Mal spielte er den Pathologen Christensen, dann Dr. Andreas Beyer und seit "Bella Block - Weiße Nächte" (2007) Dr. Sömms. Seine weiteren "Bella Block"-Krimis: "Bella Block - Abschied im Licht" (1999), "Bella Block - Am Ende der Lüge" (2000), "Bella Block - Die Freiheit der Wölfe" (2004), "Mord unterm Kreuz", "Bella Block - Blackout" (beide 2006), "Bella Block - Falsche Liebe" (2008), "Bella Block - Am Ende des Schweigens" (2009).

Auch für den Kieler "Tatort" steht er in einer durchgehenden Nebenrolle vor der Kamera. Seit 2005 sieht man ihn dort (wie in "Bella Block") als Gerichtsmediziner, hier allerdings als Dr. Stormann. Nach "Borowski in der Unterwelt" folgten "Tatort - Sternenkinder (2006), "Tatort - Mann über Bord" (2006), "Das Ende des Schweigens" (2007), "Tatort - Borowski und die heile Welt" (2009), "Tatort - Borowski und eine Frage von reinem Geschmack" (2010), "Tatort - Borowski und die Frau am Fenster", "Tatort - Borowski und der coole Hund" (beide 2011) sowie "Tatort - Borowski und der stille Gast" (2012). Gleichzeitig hatte er ein festes Engagement an der Volksbühne Berlin, spielte dort in Bernard-Marie Koltès' "Der Kampf des Negers und der Hunde", außerdem in Anton Tschechows "Iwanow" und in Alfred Jarrys "König Ubu". In "Das Wunder von Bern" (2003), "Delfinsommer" (2004) und "Ein ganz gewöhnlicher Jude" (2005) zeigte er schließlich, dass er auch vor der Kamera in erstklassigen Rollen zu überzeugen weiß.

Mit "Wir sagen du! Schatz" drehte er 2007 seinen ersten Kinofilm an der Seite von Nina Kronjäger. In Marc Meyers Regiedebüt übernahm er den Part eines Mannes, der sich kurz vor dem Weihnachtsfest eine Familie zusammen klaut. Seine Opfer betäubt er und verschleppt sie in die zugemauerte 18. Etage eines leer stehenden Plattenbaus. Doch als seine Familie vollständig ist, bemerkt er, dass er die einzelnen Mitglieder zunächst noch erziehen muss. 2008 sah man ihn in der Tragikomödie "Die Helden aus der Nachbarschaft" und in Lola Randls Drama "Die Besucherin". Nachdem er 2009 in dem Drama "Sieben Tage" den Ehemann von Claudia Michelsen gab, ließ er sich in der Titelrolle der ZDF-Krimiserie "Flemming" von ebendieser direkt im Flemming: Glanz in deinen Augen scheiden. Samuel Finzi spielt in "Flemming" einen Kriminalpsychologen, der auch eine eigene Radioshow hat. Claudia Michelsen ist nicht nur Flemmings frisch geschiedene Ehefrau, sondern gleichzeitig Kriminalkommissarin der Mordkommission.

Seit 2006/07 hat Finzi ein festes Engagement am Deutschen Theater und setzt dort erfolgreich die Zusammenarbeit mit Dimiter Gotscheff fort. Für seine Theater- und Filmarbeit wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 1995 als bester Darsteller Nordrhein-Westfalens. 1996 erhielt er den Förderpreis der Stadt Düsseldorf. Beim International Television Festival in seiner Geburtsstadt Plowdiw gewann er 2001 den Golden Chest in der Kategorie "Bester männlicher Darsteller". Doch trotz der Auszeichnungen, scheint das deutsche Fernsehpublikum nur langsam zu begreifen, welch großartiger Schauspieler Samuel Finzi ist und was er darstellerisch leisten kann. Das deutschsprachige Feuilleton ist schon vor Jahren auf ihn aufmerksam geworden und in Bulgarien, wo er mindestens einmal im Jahr eine Hauptrolle in einem Kinofilm übernimmt, sind seine Erfolge schon längst Bestandteil der Abendnachrichten.

Weitere Filme und Serien mit Samuel Finzi: "Parcheta lyubov" (1989), "Die verbotene Frucht" (1994), "Die Gang - Ich töte alles was du liebst" (TV-Serie, 1997), "Großstadtrevier - Der Verdacht" (TV-Serie, 1998), "Adelheid und ihre Mörder - Das grosse Los" (TV-Serie, 1999), "Studers erster Fall", "Posseteni ot gospoda", "Santa - Ein Weihnachtsmärchen", "Auf Herz und Nieren", "Opashkata na dyavola", "Einsatz in Hamburg - Stunde der Wahrheit" (TV-Serie, alle 2001), "Gebürtig", "Am Ende der Hochzeitsnacht", "Zwei Engel auf Streife - Irre" (TV-Serie), "Rapsodiya v byalo", "Halmat na borovinkite" (alle 2002), "Die Wache - In schlechter Gesellschaft" (TV-Serie), "Hamlet_X" (beide 2003), "Tatort - Der Name der Orchidee", "Weltverbesserungsmaßnahmen", "Kunstfehler" (alle 2005), "Pazachyt na myrtvite" (2006), "KDD - Kriminaldauerdienst - Letzte Chance" (TV-Serie), "Das Vaterspiel" (beide 2008), "Ein Sommer mit Paul", "SOKO Köln - Lackschäden" (TV-Serie), "Aghet - ein Völkermord" (Sprecher, alle 2009), "Akte Golgatha" (2010), "Kokowääh" (2011), "Alexander Granach - Da geht ein Mensch", "Die Libelle und das Nashorn", "Ludwig II." (alle 2012), "Kokowääh 2", "Unsere Mütter, unsere Väter", "George", "Aschenbrödel und der gestiefelte Kater", "Die Erfindung der Liebe", "Oktober November" (alle 2013).


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