"Das Vergessen – Spurlos im Moor": Kritik zur neuen ARD-Krimiserie mit Julia Koschitz
Als Polizistin im oberösterreichischen Dorf Engelsberg führte Pia Kraus (Julia Koschitz) lange ein recht unspektakuläres Leben: Hier mal ein gestohlener Wohnwagen, da ein illegal aufgestellter Blitzer. Vor sechs Monaten jedoch verschwand Pias Nichte Amelie Scheuer (Fabia Matuschek). Seither scheint die gewissenhafte Polizistin immer häufiger neben sich zu stehen. Dabei ist es nicht nur die Sorge um Amelie, die Pia beschäftigt ...
"Das Vergessen – Spurlos im Moor" ist eine sechsteilige deutsch-österreichische Thrillerserie von Timo Lombeck und Marcel Kawentel (Serienidee und Drehbuch der Folgen 1, 2, 5 und 6). Regie führten Daniel Geronimo Prochaska (Folgen 1 bis 4) und Johanna Moder (Folgen 5 und 6). Das Erste zeigt die ersten vier Folgen am Samstag, 24. Oktober, ab 20.15 Uhr, die Folgen fünf und sechs sind am Sonntag, 25. Oktober, um 21.45 Uhr zu sehen. In der ARD Mediathek ist die komplette Serie ab Freitag, 23. Oktober, abrufbar.
Eine Polizistin mit schwerer Diagnose
Einzig Pias Freundin Anni Rath (Regula Grauwiller) weiß anfangs, was in Pia vor sich geht: Die Ärztin hatte bei ihr eine früheinsetzende Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert. Lange scheut sich Pia, ihrem Mann Jonas (Matthias Koeberlin) und den gemeinsamen Kindern Vivian (Anja Pichler) und Linus (Leopold Pallua) von der Diagnose zu erzählen. Wie auch soll man seinen Liebsten beibringen, dass man sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schon bald nicht mehr erkennen wird?
Eigentlich sollte sich Pia Stück für Stück aus dem aktiven Polizeidienst zurückziehen. Doch sie kann nicht, denn ausgerechnet jetzt gibt es eine neue Spur im Fall von Amelie: Ein Hund hat beim Gassi gehen im Moor einen blutbefleckten Sneaker gefunden. Wenig später wird die Leiche der 17-Jährigen im Moor gefunden. Doch das ist noch nicht alles ...
Julia Koschitz glänzt als Alzheimer-Patientin
Julia Koschitz ist hier wie so oft eine Meisterin der leisen Szenen: Pias Zerrissenheit, ihr Schmerz und ihre zunehmende Angst vor ihrem eigenen, immer schlechter werdenden Gedächtnis lassen sich leicht an der Mimik der 51-Jährigen ablesen.
In der Vorbereitung auf diese besondere Rolle stand die in Brüssel geborene Österreicherin im engen Austausch mit dem Drehbuch- und dem Regieteam, wie sie im Interview verrät: "Ich war sofort eingenommen von der Idee, dass Pia zwar behindert wird durch diesen grausamen Gedächtnisverlust, aber auch gleichzeitig ermächtigt wird, auf ihre Intuition zu hören. Wie eine neue Gabe, die ihr zur Verfügung steht."
In der Serie wird diese "neue Gabe" eher bedrohlich durch verzerrte Bilder und nicht zu verortende Stimmen und Geräusche dargestellt. Das Publikum bekommt so zumindest eine leise Vorstellung davon, wie sich der zunehmende Gedächtnis- und Kontrollverlust bei einer Alzheimer-Erkrankung womöglich anfühlen könnte. In seiner Vollständigkeit erfassen wird man dieses Gefühl als nicht betroffene Person aber wohl nie, wie auch Koschitz weiß: "Wir können uns alle vorstellen, wie bedrohlich eine Welt ist, in der wir niemandem mehr vertrauen können. Aber das Gefühl, sich selbst zu verlieren, hat nochmal eine ganz andere Dimension der Verunsicherung."
Ein Thriller zum Miträtseln
Es ist nicht das erste Mal im deutschen Fernsehen, dass die Hauptfigur in einem Thriller gegen den eigenen Gedächtnisverlust ankämpfend in einem Mordfall ermittelt: Vor gut einem Jahr spielte Walter Sittler in dem ARD-Thrillerdrama "Tödliche Schatten" den Mordermittler Philip Nabrow, der an Demenz litt. Seine Symptome wurden damals nicht weniger beklemmend inszeniert als nun die von Pia.
"Bei 'Das Vergessen' war unser Ansatz von Anfang an, das Familiendrama und die Thriller-Elemente in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen", erklären der Regisseur Daniel Geronimo Prochaska und seine Co-Regisseurin Johanna Moder in einem gemeinsamen Statement: "Uns war wichtig, dass die emotionale Geschichte der Figuren genauso viel Gewicht bekommt, wie die Spannung der Ermittlungen. Denn je näher man den Menschen kommt, desto intensiver fiebert man mit ihnen mit. Gleichzeitig wollten wir, dass das Publikum gemeinsam mit der Ermittlerin Hinweise entdeckt, miträtselt und sich immer wieder die Frage stellt, was wirklich passiert ist." Ein Vorhaben, das aufgeht und das "Das Vergessen – Spurlos im Moor" zweifellos zu einer sehenswerten und besonderen Serie macht.
Das Vergessen – Spurlos im Moor – Sa. 24.10. – ARD: 20.15 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH