"Die Bibelfälscher": Kritik zur ARTE-Doku über die Qumran-Funde
Alleine die Bilder von der jordanischen Wüste sind in ihrer kargen Schönheit abendfüllend. Als dort um 1947 tausende von Fragmenten gefunden wurden, die als älteste Zeugnisse des Alten Testaments gelten, war die Sensation perfekt. Insbesondere die von Beduinen in elf Felsenhöhlen entdeckten Pergamentrollen gelten als älteste Abschriften der Bibel überhaupt. Nicht zuletzt, weil sie als Beweis für die Existenz der Juden vor Jahrtausenden in Palästina stehen, stiegen sie zuletzt in ihrem Wert, der in die Millionen geht. In der zweiteiligen ARTE-Dokumentation "Die Bibelfälscher" spüren die französischen Autoren Rémi Lainé und Fanny Belvisi den aufregenden Erkenntnissen um ihre Entdeckung, aber auch um vielfache Fälschungen nach. ARTE strahlt beide Teile direkt hintereinander aus.
"Die Bibelfälscher": ARTE-Doku über Qumran-Funde und antike Bibelfragmente
Am Anfang waren da Beduinen, um die sich spannende Geschichten, ja "Märchen" ranken. Etwa die von Hirten, die, indem sie ihren Ziegen nachkletterten, die erste Qumran-Höhle entdeckten und später vorgefundene Schriftstücke in kleinste Schnipsel zerlegten, weil sie dafür jeweils eine Belohnung von fünf Dollar von ihrem Auftraggeber bekamen.
Der Preis der Fragmente stieg immens. Er kletterte in Millionenhöhen, als 60 Jahre später, nach 2000, erneut auf Pergament geschriebene Textfragmente in den Handel kamen, deklariert als neuerliche Funde aus der jordanischen Wüste. Schriftkundler und Archäologen, die als Experten auf die Fragmente angesetzt wurden, entdeckten jedoch bald, dass es sich um Fälschungen handeln musste. Sei es, weil Schriftvergleiche nicht zu Übereinstimmungen führten, sei es auch nur, weil das Pergament reines Kochsalz (Natriumchlorid) statt verschmutztes Salz aus dem Toten Meer aufwies.
Gefälschte Bibelfragmente führen von Jerusalem bis Washington D.C.
Die "Täter", wie der syrisch-christliche Antiquitätenhändler Iskander Kando aus Jerusalem, hielten sich bedeckt, durch ihr Wissen und die lange Tradition ihres Geschäfts geschützt. Weitere Spuren führten zu einem norwegischen Sammler, der zwischen 2.002 und 2.009 zig Millionen bezahlte, um die angeblich biblischen Fragmente weiter zu vermitteln – letztlich an amerikanische Geschäftsleute, die in den Handel einstiegen, um mit den Bibelfragmenten ein neues Museum in Washington D.C. zu bestücken und so die amerikanische Kultur in christlichem Sinn zu beeinflussen. Abgesehen von der Aufarbeitung einer hanebüchenen Eulenspiegelei, beeindruckt der ARTE-Film vor allem durch die penible Arbeit der Forscher, die Betrügern, Fälschern und Leichtgläubigen auf die Schliche kommen. Doch hinter allem steht die Frage, ob Gläubige wirklich auf den tatsächlichen Fund antiker Schriften angewiesen sind.
Die "Täter", wie der syrisch-christliche Antiquitätenhändler Iskander Kando aus Jerusalem, hielten sich bedeckt, durch ihr Wissen und die lange Tradition ihres Geschäfts geschützt. Weitere Spuren führten zu einem norwegischen Sammler, der zwischen 2002 und 2009 zig Millionen bezahlte, um die angeblich biblischen Fragmente weiterzuvermitteln – letztlich an amerikanische Geschäftsleute, die in den Handel einstiegen, um mit den Bibelfragmenten ein neues Museum in Washington D.C. zu bestücken und so die amerikanische Kultur in christlichem Sinn zu beeinflussen.
Forscher entlarven Fälschungen in "Die Bibelfälscher"
Abgesehen von der Aufarbeitung einer hanebüchenen Eulenspiegelei, beeindruckt der ARTE-Film vor allem durch die penible Arbeit der Forscher, die Betrügern, Fälschern und Leichtgläubigen auf die Schliche kommen. Doch hinter allem steht die Frage, ob Gläubige wirklich auf den tatsächlichen Fund antiker Schriften angewiesen sind.
Die Bibelfälscher (1/2) – Di. 11.08. – ARTE: 20.15 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH