Leichtathletik-EM im ZDF

Frühstücksfernsehen trifft Leichtathletik: Maral Bazargani rockt das ZDF

10.08.2026, 11.55 Uhr
Maral Bazargani, einst 400-Meter-Läuferin bei Olympia 2012, ist heute TV-Moderatorin beim ZDF. Sie moderiert die Leichtathletik-EM und berichtet über ihren Weg in den Journalismus sowie die Herausforderungen ihrer neuen Rolle.

Vor einigen Jahren lief Maral Bazargani noch selbst auf der Tartanbahn um Medaillen – unter anderem trat sie bei den Olympischen Spielen 2012 in London an. Inzwischen ist sie 36 und startet in ihrer Karriere als TV-Journalistin durch. Maral Bazargani moderierte unter anderem die Kindernachrichtensendung "logo!", und neuerdings ist sie auch im ZDF-"Morgenmagazin" dabei, wo sie bis zu sechs Wochen im Jahr die Frühschicht übernehmen wird. Ganz ohne Sport geht es bei ihr aber doch nicht: Für das ZDF führt Bazargani durch die Leichtathletik-EM, die in diesem Jahr von 10. bis zum 16. August im britischen Birmingham stattfindet. ARD und ZDF übertragen die Wettkämpfe abwechselnd. Im Zweiten geht es mit Bazargani am Dienstag, 11. August, im "Sportstudio" los. Warum sie diesen Job als Ausgleich braucht, und was sie von der Europameisterschaft erwartet, verrät die vielseitige Moderatorin im Interview.

prisma: Zu Beginn Ihrer ersten Woche beim ZDF-"Morgenmagazin" gestanden Sie: "Wenn der Wecker klingelt, ist es hart." Ist das frühe Aufstehen mittlerweile schon etwas leichter geworden?

Maral Bazargani: Leider nein (lacht). Ich frage mich, ob es jemals einfacher wird oder ob man einfach funktioniert, wenn der Wecker um 1.15 Uhr klingelt. Hin und wieder schlafe ich um diese Uhrzeit erst ein – das ist schon hart, da muss ich erst mal klarkommen. Absurderweise habe ich, wenn ich um diese Uhrzeit aufwache, immer direkt Hunger.

"Das Adrenalin regelt"

prisma: Wie geht es mit Ihrem Arbeitstag beim "Morgenmagazin" dann weiter?

Bazargani: Um 2 Uhr fange ich an zu arbeiten. Ich schreibe meine Moderation, bereite Interviews und die Schalten vor und bespreche mich mit meinem Team. Um Viertel vor fünf sitze ich dann in der Maske, und um 5.30 Uhr geht es richtig los. Ich komme gar nicht dazu, zu denken: "Jetzt noch mal eine Runde schlafen", weil das Adrenalin das zum Glück regelt. Ich bin aufgeregt und deshalb wach, wenn es darauf ankommt. Mein Teil der Sendung ist um 7 Uhr vorbei, aber ich bin noch bis 9 Uhr vor Ort, weil die Spätschiene des "Morgenmagazins" noch läuft und wir dann noch eine Besprechung haben. Gegen 10 Uhr habe ich dann richtig Feierabend.

prisma: Klingt ziemlich anstrengend ...

Bazargani: Um 9 Uhr weiß ich gerade noch so, wie ich heiße. Da bin ich ein Zombie. An guten Tagen habe ich es geschafft, kurz nach 10 Uhr zu schlafen (lacht). Weil ich dann schon länger nicht mehr live war, merke ich auch sehr, wie ich abbaue, weil das Adrenalin weg ist.

"Man hat etwas, bei dem man mitfiebern kann"

prisma: Die politischen Themen im "Morgenmagazin" können durchaus belastend sein. Brauchen Sie davon einen Ausgleich?

Bazargani: Auf jeden Fall. Das ist für mich beruflich der Sport. Und ich kann mir vorstellen, dass es dem Zuschauer ähnlich geht: Man hat etwas, bei dem man mitfiebern kann, aber nicht denkt: "Oh Gott, die Welt ist so schlecht, und es passieren so viele schreckliche Dinge." Privat schaue ich manchmal einen Tag lang keine Nachrichten und beschäftige mich nicht mit der Welt. Wegen meines Berufs will ich natürlich nichts verpassen, aber dieses Jahr war wirklich intensiv. Da muss ich mich manchmal ganz bewusst abgrenzen und schalte auch meine Push-Benachrichtigungen aus.

prisma: War die Umstellung von "logo!" zum ZDF-"Morgenmagazin" und jetzt zur EM-Berichterstattung eine große?

Bazargani: Ich weiß noch, dass mir einige vor dem "Morgenmagazin"-Casting sagten: "Sei nicht zu 'logo!'-mäßig, zu kindlich." Das bin ich aber ja gar nicht bei "logo!". Leute denken manchmal: "Ach, die redet da Pipifax." Aber ich nehme die Kinder ernst und rede mit ihnen ganz normal. Inhaltlich war es tatsächlich auch keine große Umstellung, ich führe jetzt allerdings viel häufiger Live-Interviews. Das haben wir bei "logo!" selten. Der Sport ist natürlich inhaltlich etwas ganz anderes, aber da bin ich so in meiner eigenen Welt, dass es keine wirkliche Umstellung für mich ist. Ich glaube, meine Art und meine Ansprache, passt in allen drei Welten.

prisma: Sind Sie vor der Kamera trotzdem noch nervös?

Bazargani: Ja. Aber ich sehe das gar nicht negativ, sondern es hilft mir, mich zu fokussieren. Ich mache mir dann auch bewusst: Mir schauen hier Leute zu, auch wenn ich hier nur vor einer Kamera oder in einem Studio sitze. Das macht mich nochmal nervös, aber im positiven Sinne.

"Man kommt als Journalist an Orte, an die man sonst nicht kommen würde"

prisma: Ab wann wussten Sie, dass Sie Journalistin werden wollen?

Bazargani: Seit der neunten Klasse. Ich habe damals ein Schülerpraktikum beim SWR gemacht, weil ich Fernsehen cool fand und es mir mal anschauen wollte. Da waren wir bei einem Spiel vom 1. FC Kaiserslautern und der Reporter führte im Stadion Interviews. Ich weiß noch, wie ich dachte: "Wow, wie geil ist das denn?" Man kommt als Journalist an Orte, an die man sonst nicht kommen würde, und man spricht mit Menschen, mit denen man sonst nicht sprechen würde, und kann ihre Geschichten erzählen. Ich finde es immer noch verrückt, dass ich das jetzt machen darf.

prisma: Gibt es einen Moment aus Ihrer bisherigen Journalismuskarriere, der Ihnen besonders im Kopf geblieben ist?

Bazargani: Ich bin mal mit dem Polizeihubschrauber bei einem "logo"-Dreh über den Rhein geflogen, als der Wasserstand so niedrig war, dass aus der Luft die ganzen absurden Dinge zu sehen waren, die im Fluss versenkt wurden. Autos oder Reifen zum Beispiel, Ich saß Rücken an Rücken mit dem Piloten, flog also rückwärts, und dann wurde mir so schlecht, dass wir auf einer Sandbank landen mussten. Wer kommt schon auf eine Sandbank mitten im Rhein? Es war ein verrückter Moment. Ich musste mich zwar übergeben. Aber trotzdem denke ich immer wieder daran, wie besonders es war, dass ich das erleben konnte ...

"Dieses Kapitel ist für mich erledigt"

prisma: Bevor Sie Sportereignisse wie die Europameisterschaft moderierten, standen Sie selbst auf der Bahn. Was bereitet mehr Spaß?

Bazargani: Das ist wirklich etwas ganz anderes. Jetzt, wenn ich Sport moderiere und auf die Bahn schaue, dann habe ich gar nicht mehr die große Lust, in den Startblock zu gehen und mich so zu quälen. Ich weiß ja, wie viel Arbeit und wie viel Schweiß dahintersteckt. Dieses Kapitel ist für mich erledigt. Ich schaue da nicht mit einem weinenden Auge zurück. Es ist cool, dass ich das erlebt habe. Aber die jetzige Maral, die könnte das nicht mehr.

prisma: Helfen Ihnen die Erfahrungen aus dem Sport vor der Kamera?

Bazargani: Grundsätzlich schon. Wenn ich das rote Licht der Kamera sehe oder in zweieinhalb Stunden alle Moderationen schreiben muss, dann verfalle ich nicht in Panik. Ich weiß: "Du hast das geübt, du hast trainiert, du kannst das und arbeitest es jetzt ab, und du wirst es schaffen." Ich habe im Sport gelernt, auf den Punkt zu funktionieren, auch wenn es stressig ist. Das hilft mir jetzt auch noch.

"Die Athleten müssen immer schauen, wie sie an Geld kommen"

prisma: Wie nah sind Sie den Athletinnen und Athleten bei der Europameisterschaft?

Bazargani: Es ist nicht mehr so, dass ich den größten Teil persönlich kenne, dafür bin ich schon zu alt. Es gibt noch einige wenige, mit denen ich zeitgleich Atheltin war, zum Beispiel Malaika Mihambo. Ich bin mit niemandem aus dem Team befreundet. Aber klar bin ich nah dran, weil ich genau weiß, worum es geht.

prisma: Wie schätzen Sie die Medaillenchancen der Deutschen bei der EM in Birmingham ein?

Bazargani: Wir haben wahnsinnig viele Medaillenchancen. Wir sind dieses Jahr in der Breite sehr gut aufgestellt. Sowohl im Laufbereich als auch im Hürdenlauf, im Weitsprung und im Werfen, wo die Deutschen seit Jahren sehr gut sind, haben wir sehr gute Chancen auf Medaillen. Es gibt kaum eine Disziplin, in der die Deutschen wahnsinnig schlecht dastehen, finde ich. Man kann jeden Tag den Fernseher anmachen bei dieser EM und mit Medaillenkandidaten mitfiebern.

prisma: Vor allem bei Olympia und Weltmeisterschaften wird indes oft beklagt, dass die deutschen Athletinnen und Athleten nicht genügend Medaillen holen. Aber die Deutschen sind ja nicht per se schlechtere Sportler ...

Bazargani: Das stimmt, und die deutschen Leichtathleten und Leichtathletinnen werden auch immer besser. Das liegt zum Beispiel daran, dass immer mehr deutsche Sportlerinnen und Sportler in internationalen Trainingsgruppen sind, sich austauschen und moderner trainieren. In Deutschland bleibt jedoch das leidige Thema Geld, denn die Sportförderung ist wirklich sehr minimal aufgebaut. Die Athleten müssen also immer schauen, wie sie an Geld kommen. Social-Media-Werbeverträge haben das Ganze inzwischen etwas ausgeglichen, sodass sich auch Sportler aus der zweiten Reihe finanziell besser aufstellen können und die Chance haben, es in die erste Reihe zu schaffen. Aber wer noch nebenher studieren oder sogar arbeiten muss, der kann nicht auf höchstem Niveau trainieren und abliefern. Wie auch, wenn man sich Ende des Monats immer fragen muss: Habe ich genug Kohle?

"Wenn wir Medaillen sehen wollen, dann muss es finanzielle Sicherheit geben"

prisma: Braucht es mehr Unterstützung aus der Politik?

Bazargani: Ja, definitiv. Nur fordern geht nicht. Die Politik muss sich überlegen: Was sind der Sport und Sportler in Deutschland wert? Wie wollen wir das unterstützen? Ist das nur eine Hobbyveranstaltung? Dann dürfen wir auch keine Erwartungen haben. Wenn wir Medaillen sehen wollen, dann muss es finanzielle Sicherheit geben, damit Athletinnen und Athleten sich keine Sorgen machen müssen und frei ihrem Sport nachgehen können.

prisma: Das IOC unterstützt nun alle Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer mit 10.000 US-Dollar. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?

Bazargani: Das Problem ist: Wer bei Olympia teilnimmt, der macht den Sport schon lange und hat schon wahnsinnig viel investiert, um überhaupt dort zu sein. Gina Lückenkemper sagte vor ein paar Jahren: "Wir haben in Deutschland kein wirkliches Fördersystem, sondern eher ein Belohnungssystem." Wir können nicht nur die unterstützen, die ganz oben sind, sondern wir müssen den Weg dorthin unterstützen. Sonst haben wir irgendwann keine Leute mehr oder nur noch die, die einen entsprechenden familiären Background haben oder schon früh sehr gut waren und so Sponsoren auf sich aufmerksam gemacht haben. Mit einem College-System wie in den USA – da gibt es natürlich auch Probleme – könnte man eben die Leute, die von zu Hause keine Unterstützung bekommen oder ein paar Jahre länger trainieren müssen, um gesehen zu werden, unter die Arme greifen. Die müssen dann nicht sagen: Ich muss nach der Schule mit dem Sport aufhören, weil ich irgendwie Geld verdienen muss.

prisma: Wie gingen Sie in Ihrer sportlichen Karriere mit diesen finanziellen Hürden um?

Bazargani: Es war ein Puzzle: Ich hatte eine minimale Unterstützung von meinem damaligen Verein und das Glück, dass ich ein akademisches Stipendium hatte. Dazu kam noch die Sporthilfe und ein Deutsche-Bank-Sportstipendium, das es damals gab. Durch diese vielen kleinen, finanziellen Spritzen konnte ich als Studentin gut leben. Aber etwas zur Seite legen konnte ich natürlich nicht. Durch das akademische Stipendium musste ich auch mein Studium durchziehen. Aber ich brauchte das tatsächlich für meinen Kopf. Ich war nie der Typ, der sich zu 100 Prozent auf den Sport konzentrieren kann. Trotzdem: Es kostet Kraft und Energie, sich um dieses Puzzle zu kümmern, und die hat man dann, glaube ich, nicht für den Sport.

"Ich war bei Olympia, ich kann das"

prisma: Sie schafften es als Sportlerin bis zu Olympia. Wie haben Sie nach diesem Highlight weitergemacht?

Bazargani: Ich machte direkt im Anschluss an die Olympischen Spiele meinen Master in London – da trainierte ich zwar weiter, aber auch immer wieder alleine und das klappte nicht so gut. Ich konnte dann nicht mehr an meine Leistungen aus dem Olympiajahr anknüpfen. Ich machte zwar noch bis 2014 Profisport, aber da merkte ich zunehmend, dass mir die Motivation fehlt. Es hat mir dann auch nicht mehr so viel Spaß gemacht. Deshalb zog ich 2014 einen sauberen Strich unter das Kapitel "Leistungssport" und begann dann das Kapitel "Journalismus und Beruf".

prisma: Gibt Ihnen das heutzutage auch noch Rückenwind, dass Sie so etwas Großes schon einmal erreicht haben?

Bazargani: Tatsächlich, ja. Wenn ich vor einer großen Aufgabe stehe, dann denke ich manchmal: Ich bin 400 Meter gelaufen, eine ekelhaft anstrengende Disziplin. Das hier wird nicht so anstrengend sein. Ich war bei Olympia, ich kann das.

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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