Experiment von Vater und Sohn

Jenke von Wilmsdorff im Interview über neues Experiment: "Wie uns schlechter Schlaf krank macht"

04.10.2026, 10.18 Uhr
Jenke von Wilmsdorff untersucht in seiner neuen Doku-Saison gemeinsam mit seinem Sohn Jánik ihre chronischen Schlafprobleme. Das Duo testet alles, was der Markt hergibt, um besser zu schlafen. Im Interview gibt Jenke einen Einblick.

Zum Start seiner neuen Doku-Saison nimmt sich Jenke von Wilmsdorff gemeinsam mit Sohn Jánik eines seiner größten Probleme vor: seinen chronisch schlechten Schlaf. Für "JENKE. Experiment. Schlaflos – Wie uns schlechter Schlaf krank macht" testete das Duo alles, was "der Markt" hergibt.

Jenke von Wilmsdorff untersucht mit Sohn Jánik seine Schlafprobleme

Sieben neue Prime-Time-Filme mit Jenke von Wilmsdorff stehen im Herbst bei ProSieben auf dem Programm. Den Auftakt macht "JENKE. Experiment. Schlaflos – Wie uns schlechter Schlaf krank macht" am Donnerstag, 8. Oktober, 20.15 Uhr, bei ProSieben (danach bei Joyn). In Deutschland leiden acht Millionen Menschen an schweren Schlafstörungen – Tendenz steigend, betroffen sind auch Jenke von Wilmsdorff (60) selbst und sein Sohn Jánik. Nachdem Vater und Sohn bereits für ein Longevity-Experiment des Senders ihr Leben umkrempelten, soll es nun ein besserer Schlaf richten. Was und wie hat man getestet? Und was sollte jeder Mensch, der unter Schlafstörungen leidet, unbedingt angehen?

prisma: Ist der schlechte Schlaf bei Ihnen mit dem Älterwerden gekommen?

Jenke von Wilmsdorff: Nein, ich habe nie gut geschlafen. Ich denke aber, dass viele Leute, die von sich behaupten, sie würden gut schlafen, eigentlich dramatisch schlecht schlafen. Gut geschlafen haben Menschen, die morgens frisch, erholt und mit Lust aufwachen. Mit einem Gefühl nach dem Motto: Jetzt schnappe ich mir diesen Tag!

prisma: Sie haben noch nicht mal in der Jugend, wenn viele Menschen problemlos bis zum Mittag schlafen können, gut geschlafen?

von Wilmsdorff: Meine Erinnerungen an schlechten Schlaf reichen gut 50 Jahre zurück. Also fast noch bis zur Grundschulzeit. Schon damals bin ich schlecht eingeschlafen, nachts wach geworden, und morgens fühlte ich mich meistens platt. Es war ein normales Lebensgefühl für mich. Deshalb fand ich es auch so spannend, das Problem mal endlich so richtig zu erforschen.

"Unsere Psyche wird durch besseren Schlaf extrem stabilisiert"

prisma: Heute "outen" sich viele Menschen als schlechte Schläfer. Sind wir alle zu hektisch und vielbeschäftigt unterwegs, um gut zu schlafen?

von Wilmsdorff: Sie spielen auf unser digitales Leben mit vielen schnellen Kommunikations-Leistungen an. Vielleicht sprechen wir da später noch darüber. Ich würde aber woanders beginnen. Bei einem Problem, das wir schon vor dem dauernden Online-sein hatten: Der Schlaf hatte in unserer westlichen Gesellschaft lange Zeit ein schlechtes Image. Da gab es Sprüche wie: "Schlafen kann ich, wenn ich tot bin'"und die grundsätzliche Unterstellung, dass Menschen, die viel schlafen, faul sind. Echte Macher hingegen kommen mit wenig Schlaf aus – und so weiter.

prisma: Was macht schlechter Schlaf mit uns?

von Wilmsdorff: Er ist sehr ungesund. Der Blutdruck geht in die Höhe. Das Risiko körperlicher und psychischer Erkrankungen nimmt deutlich zu. Schlechter Schlaf ist erwiesenermaßen eines der größeren Gesundheitsrisiken, denen wir Menschen ausgesetzt sind.

prisma: Mittlerweile diskutiert man darüber gesellschaftlich. Wie ist Schlaf zum Trendthema geworden?

von Wilmsdorff: Das kam vor ein paar Jahren, zusammen mit dem Longevity-Hype. In Amerika ist das Streben nach dem langen gesunden Leben schon seit 2021 oder 2022 ein Riesenthema. Bryan Johnson, der Papst der Longevity-Bewegung, hat den Schlaf komplett in den Vordergrund gerückt. Mit dem Tenor: Ihr könnt euch ideal ernähren und ganz viel sinnvollen Sport machen – wenn euer Schlaf schlecht ist, werdet ihr nichts an Lebensjahren gewinnen. Ein anderer Grund, warum das Schlafthema in den Vordergrund trat, war Corona. Es gab einen extremen Anstieg psychischer Erkrankungen während und nach der Pandemie. Und auch da hat man herausgefunden: unsere Psyche wird durch besseren Schlaf extrem stabilisiert.

Social Media soll "ein Gewitter nach dem anderen im Kopf auslösen"

prisma: Welchen Anteil haben digitale Endgeräte und die ständige schnelle Kommunikation an unserem schlechten Schlaf?

von Wilmsdorff: Erwiesenermaßen einen großen. In der letzten halben, besser der letzten Stunde vor dem Schlafengehen sollte man nicht mehr aufs Handy oder in den Laptop schauen. Diese Geräte senden Blaulicht aus, das hindert unser Schlaf- und Dunkelheitshormon Melatonin an der Freisetzung. Es geht aber auch darum, dass Wahrnehmung und Gedanken zur Ruhe kommen. Wenn wir uns noch im Bett liegend durch Social Media scrollen oder eine spannende Serie bei Netflix schauen, wie sollen dabei Körper und Geist zur Ruhe kommen? Die Algorithmen von Social Media sind so gebaut, dass sie uns immer weiter bei der Stange halten. Sie sollen ein Gewitter nach dem anderen im Kopf auslösen, indem man zum nächsten Reiz weiter erwischt. Viele von uns tun abends also genau das Gegenteil von dem, was einen guten Schlaf einleiten würde.

prisma: Wie wichtig ist es, immer zu einer ähnlichen Zeit ins Bett zu gehen?

von Wilmsdorff: Ziemlich wichtig. Laut Forschung stellt sich unser Körper auf ein Schlaffenster ein. Es kommen Prozesse im Körper in Gang, die uns fast schon automatisiert in Richtung Schlaf führen. Verpassen wir diese Zeit, die sich so im Bereich plus minus 30 Minuten bewegt, kommen unser Körper und Geist durcheinander. Auch die sogenannte Lichtverschmutzung ist ein Faktor. Manche Leute sagen: "Ach, mit Lichtquellen schlafen, das macht mir nichts aus." Das ist jedoch wissenschaftlich falsch. Wir müssen in einem abgedunkelten Raum schlafen, und das Schlafzimmer sollte auch eher kühl sein.

"Wir probierten alles aus, was der Markt zu bieten hat"

prisma: Sie haben mit Ihrem Sohn viel ausprobiert in Sachen Schlafanalyse und Verbesserung des Schlafes. Was haben Sie alles getan?

von Wilmsdorff: Wir probierten alles aus, was der Markt zu bieten hat (lacht): Analysen im Schlaflabor, spezielle Matratzen, Kissen und Decken. Dazu kamen Nahrungsergänzungsmittel, Sport, feste Schlafzeiten und der Blaulicht-Verzicht vor dem Schlafen. Sechs bis sieben Monate haben mein Sohn und ich diese Reise mitgemacht.

prisma: Was war die merkwürdigste "Methode" Ihres Programms, an die Sie sich erinnern?

von Wilmsdorff: Vielleicht das Schlafen im Schrägbett. Das sind Betten, die zwischen 3 und 5,5 Grad geneigt sind. Außerdem haben wir Schlafmasken und Ohrenstöpsel ausprobiert. Ich schlief zudem mit einer Maske gegen Atemaussetzer. All diese Maßnahmen führten wir natürlich isoliert voneinander durch. Sonst hätte man ja nicht sagen können, was genau davon wirkt.

prisma: Und das Ergebnis lautet?

von Wilmsdorff: Ich schlafe massiv besser. Meinem Sohn geht es genauso. Und nun fragen Sie sicher, welche Maßnahme hat geholfen ...

"Du brauchst keine Matratze für 20.000 Euro"

prisma: Richtig!

von Wilmsdorff: Es ist eine Kombination aus vielem. Dazu kommt: Man muss allen Maßnahmen Zeit geben, denn fast nichts wirkt sofort. Guter Schlaf ist ein zähes Geschäft und hat viel mit Disziplin zu tun. Ich kann an dieser Stelle nicht alles verraten, denn die Spannung der Sendung soll aufrechterhalten werden. Ich denke, dass das Thema auch viele Menschen interessiert, denn die Deutschen schlafen dramatisch schlecht. Jeder Dritte hat Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Jeder Vierte nimmt verschreibungspflichtige Schlafmittel. Knapp 40 Prozent der Deutschen schlafen weniger als sieben Stunden pro Nacht, obwohl sieben das absolute Minimum sind. Besser sind acht oder sogar neun Stunden. Es sind dramatisch schlechte Werte, finde ich.

prisma: Sie haben mit Ihrem Sohn schon mal ein ähnliches Experiment gemacht zum Thema Longevity. War damals der Schlaf kein Thema?

von Wilmsdorff: Doch, aber wir haben damals beim Schlaf keine deutliche Verbesserung erzielt. Deshalb dachten wir: Diesen Punkt schauen wir uns noch mal genauer an. Das Ergebnis – kleiner Spoiler – ist beim Schlaf so ähnlich wie bei Longevity. Unterstrichen wird es von fast allen internationalen Experten, mit denen wie gesprochen haben: Der Weg zum Erfolg liegt in einem ausgewogenen Mix. Im Prinzip müssen wir so leben wie bis vor etwa hundert Jahren. Dann erzielst du den größten Effekt. Ernähre dich ausgewogen. Iss nicht zu viel, zu wenig oder zu spät. Triff dich mit Freunden, anstatt vorm Handy zu hängen. Bewege dich, sei aktiv und gehe immer zur selben Zeit ins Bett. Stehe auch etwa zur selben Zeit auf. Mit solch einfachen Maßnahmen erzielst du den größten Erfolg in Sachen Longevity. Genauso ist es beim Schlaf: Du brauchst keine Matratze für 20.000 Euro oder eine teure Batterie von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Methoden, um deutlich besser zu schlafen, sind recht simpel. Man muss sie nur durchziehen, dann verbessert sich die Lebensqualität erheblich.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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