Klimakrise im TV

Klimaberichterstattung bei ARD und ZDF halbiert trotz Hitze-Rekorden

20.07.2026, 15.44 Uhr
Während die Klimakrise voranschreitet, halbierte sich die Klima-Berichterstattung bei ARD und ZDF. Die Initiative "Klima vor acht" warnt vor der Öffnung von Räumen für Verharmlosung und Desinformation.
Tagesschau
"Tagesschau"-Sprecherin Julia Niharika-Sen bei der 20-Uhr-Ausgabe: Klimathemen werden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen immer seltener aufgegriffen.  Fotoquelle: NDR / ARD

Temperaturen über 40 Grad, tropisch heiße Nächte und Wassermangel in vielen Städten und Regionen: Die Hitzewelle, die Europa ab Juni heimsuchte, hielt der Deutsche Wetterdienst für ein "historisches" Extremereignis. Widergespiegelt hat es sich im TV-Programm von ARD und ZDF in bemerkenswerter Weise: nämlich historisch wenig. Zu dieser Auswertung kommt eine Analyse der Initiative "Klima vor acht".

Den Zahlen der Untersuchung zufolge sank der Anteil der Sendeminuten zur Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unter ein Prozent. 0,95 Prozent im Ersten und 0,82 Prozent im ZDF seien im ersten Halbjahr 2026 für Klima-Berichterstattung reserviert gewesen. Dabei handle es sich um "den niedrigsten Wert seit Beginn der kontinuierlichen Messungen Mitte 2021". Im Vergleich zu 2023 habe sich die Berichterstattung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu Klima-Themen mehr als halbiert.

"Wir brauchen die Entscheidung, den Klimabezug nicht länger zu verschweigen"

Weiter kritisieren die Autoren der Studie, dass die 20-Uhr-"Tagesschau" den Zusammenhang zwischen Hitze und Klimakrise erst am 24. Juni – sechs Tage nach Beginn der Warnperiode des Deutschen Wetterdiensts – benannt habe. Das ZDF habe die Extremwetterlage früher eingeordnet, sei dabei aber nicht konsequent geblieben. Der Datenwissenschaftler Norman Schumann, Sprecher von "Klima vor acht", fordert: "Wir brauchen die Entscheidung der Programmverantwortlichen, den Klimabezug nicht länger zu verschweigen."

Ältere Menschen seien von Hitzewellen gesundheitlich überproportional stark betroffen – zugleich bilden sie das Kernpublikum von ARD und ZDF. Daraus ergebe sich eine besondere Verantwortung, wie die Autoren der Initiative schreiben: "Wo die reichweitenstärksten Formate schweigen, überlassen sie es anderen, die Auswirkungen der Klimakrise einzuordnen – und öffnen den Raum für Verharmlosung und Desinformation."

Infolge der Hitzewelle im Juni kam es in Deutschland unter anderem zu Schäden an Straßen und Schienen sowie zu Wald- und Flächenbränden. In einzelnen Städten wie Köln und Essen waren Rettungsdienste und Notaufnahmen durch Hitzepatienten überlastet. In der heißesten Woche ab 22. Juni registrierte das Statistische Bundesamt "etwa 6.800 Sterbefälle mehr als noch zwei Wochen zuvor".

Du willst alle Sender live im Stream verfolgen? waipu.tv bietet alle top TV-Sender in HD, über 69 Pay-TV-Sender und mehr als 30.000 Filme, Serien und Shows auf Abruf. Jetzt abonnieren!*
*Die mit * gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, erhält prisma eine Provision. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo, wann und wie du ein Produkt kaufst, bleibt natürlich dir überlassen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das könnte dich auch interessieren