Ende der 1970er beginnt das FBI etwas Neues: Es versucht, Serienmörder zu verstehen, statt sie nur zu fangen. Die Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) setzen sich dafür mit verurteilten Tätern in Gefängnissen an einen Tisch und stellen Fragen, die vorher niemand gestellt hat.
So redet Ford mit einem Mörder, der bereitwillig erzählt, wie er dachte, plante und fühlte, und plötzlich wird klar, dass diese Menschen nicht wie Monster auftreten. Sie erklären sich logisch. Genau daraus entsteht die Unruhe der Serie: Man versteht zu viel. Parallel merkt Ford, dass die Methode ihn selbst verändert. Je länger er zuhört, desto schwerer fällt es ihm, eine klare Grenze zwischen Analyse und Faszination zu halten.
Gut zu wissen:
Steven Avery tritt hier nicht als Figur auf, sondern als er selbst. Die Serie begleitet ihn nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis zurück in den Alltag, er gibt Interviews und will den Staat verklagen , der ihn 18 Jahre unschuldig inhaftiert hat. Kurz darauf verschwindet in seiner direkten Umgebung die Fotografin Teresa Halbach und Avery steht erneut im Zentrum der Ermittlungen.
Zu den prägendsten Personen gehört sein Neffe Brendan Dassey, ebenfalls keine Rolle, sondern ein realer Jugendlicher, dessen Vernehmungen zu den verstörendsten Momenten der gesamten Serie zählen. Auch Staatsanwalt Ken Kratz, Verteidiger Dean Strang und Jerry Buting sowie Ermittler der Polizei treten vor der Kamera auf. Gerade weil hier keine Schauspieler spielen, wirkt jede Aussage unmittelbarer als in einem Spielfilm.
Gut zu wissen:
Der Fall ist bekannt, aber die Serie erzählt ihn nicht als Krimi, sondern als Gerichtsdrama. Footballstar O. J. Simpson (Cuba Gooding Jr.) wird des Mordes angeklagt, und plötzlich stehen nicht nur Beweise im Mittelpunkt, sondern Kameras, Öffentlichkeit und Strategie. Staatsanwältin Marcia Clark (Sarah Paulson) und Ankläger Christopher Darden (Sterling K. Brown) versuchen einen klassischen Mordprozess zu führen. Aber die Verteidigung um Robert Shapiro (John Travolta) und Johnnie Cochran (Courtney B. Vance) verwandelt den Gerichtssaal in eine Medienbühne.
Gut zu wissen:
Los Angeles, Mitte der 1980er. In einer Stadt, die an Serienmorde gewöhnt ist, beginnt eine Mordserie, die sich nicht einordnen lässt. Unterschiedliche Opfer, unterschiedliche Tatorte, keine erkennbare Verbindung. Die Ermittler Gil Carrillo und Frank Salerno treten selbst vor die Kamera und beschreiben, wie sie versuchen, aus scheinbar chaotischen Tatorten ein Muster zu erkennen. Erst langsam wird klar, dass hinter allem ein Täter steht: Richard Ramirez.
Gut zu wissen:
Robert Durst (er selbst) ist Multimillionär und Erbe einer New Yorker Immobilienfamilie. Jahrzehntelang taucht sein Name in Mordermittlungen auf: seine verschwundene Ehefrau, eine erschossene Freundin, ein zerstückelter Nachbar. Verurteilt wird er lange Zeit nicht. Die Dokumentation beginnt damit, dass Durst den Filmemachern freiwillig Interviews gibt und erstaunlich offen über sein Leben spricht.
Der eigentliche Moment, der die Serie berühmt machte, passiert zufällig. Während der Dreharbeiten geht Durst in ein Badezimmer, trägt noch sein Mikrofon und glaubt, es sei ausgeschaltet. Allein murmelt er vor sich hin. Was er sagt, verändert den gesamten Fall und später sogar die Ermittlungen. Plötzlich wird aus einer Dokumentation ein Beweisstück.
Gut zu wissen:
Ted Bundy (er selbst) sitzt im Gefängnis und spricht. Keine dramatischen Geständnisse. Lange, ruhige Interviews, in denen er scheinbar sachlich über Gewaltverbrechen redet — allerdings in der dritten Person. Er beschreibt Täterprofile, Vorgehensweisen und Motive, ohne zunächst offen zuzugeben, dass er über sich selbst spricht. Das resultiert in Beklemmung: Man merkt, wie kontrolliert er seine Geschichte steuert.
Gut zu wissen:
Gypsy Rose Blanchard (Joey King) sitzt im Rollstuhl, hat angeblich Leukämie, Muskelkrankheiten und eine geistige Behinderung. Ihre Mutter Dee Dee Blanchard (Patricia Arquette) rasiert ihr den Kopf, verabreicht Medikamente und sammelt Spenden, organisiert Treffen mit Prominenten und sogar ein geschenktes Haus. Ärzte, Nachbarn und Hilfsorganisationen glauben ihr jahrelang.
Mit der Zeit merkt Gypsy, dass sie laufen kann, dass ihr Alter nicht stimmt und dass viele Diagnosen erfunden sind. Heimlich chattet sie nachts im Internet und plant mit einem jungen Mann ihre Flucht. Was als Ausbruch gedacht ist, endet in einem Mord an ihrer Mutter. Die Serie zeigt sehr konkret, wie es dazu kommt: nicht aus plötzlicher Gewalt, sondern aus jahrelanger Kontrolle, Lügen und Isolation.
Gut zu wissen:
Autor Michael Peterson (er selbst) ruft nachts den Notruf. Seine Frau Kathleen liegt tot am Fuß einer Treppe in ihrem Haus. Für ihn ein Unfall, für die Staatsanwaltschaft ein Mord. Von diesem Moment an begleitet ein Filmteam über Jahre hinweg den gesamten Prozess: Anwälte, Strategiegespräche, Gutachten, Gerichtsverhandlungen.
Das Ungewöhnliche an der Serie ist die Nähe. Man sitzt praktisch mit der Verteidigung am Tisch, hört Diskussionen über Blutspuren, Verletzungen und darüber, wie eine Geschichte vor einer Jury wirken könnte. Besonders eindrücklich sind die Szenen, in denen Experten dieselben Spuren völlig unterschiedlich erklären können. Je länger der Prozess dauert, desto weniger sicher wirkt, was tatsächlich passiert ist.
Gut zu wissen:
Die Geschichte beginnt nicht mit einem Mord, sondern mit einem Video im Internet. Ein Unbekannter lädt Aufnahmen hoch, in denen er Tiere tötet. Während Polizei zunächst kaum reagiert, schließen sich Menschen in Online-Foren zusammen und versuchen, den Täter selbst zu identifizieren. Sie analysieren Möbel, Steckdosen, Staubsaugergeräusche und Schatten im Hintergrund, alles wird zum Hinweis.
Das Verstörende ist weniger die Fahndung als die Dynamik dahinter: Jemand begeht Verbrechen, um gesehen zu werden. Und tausende Menschen verfolgen ihn genau deshalb.
Gut zu wissen:
Der Film beginnt wie ein sehr persönliches Projekt. Filmemacher Kurt Kuenne spricht mit Freunden und Familie seines ermordeten Freundes Andrew Bagby, um dessen Sohn später einmal zeigen zu können, wer sein Vater war. Interviews, Erinnerungen, alte Fotos, liebevolle Anekdoten. Man glaubt zunächst, eine ungewöhnlich intime Erinnerungsgeschichte zu sehen.
Dann verändert sich der Film. Neue Informationen kommen hinzu, Entscheidungen von Behörden spielen eine Rolle und plötzlich geht es nicht mehr nur um ein Verbrechen, sondern um die Folgen danach. Ohne etwas vorwegzunehmen: Die Dokumentation trifft viele Zuschauer völlig unvorbereitet, weil sie sich von einer Hommage zu einer Geschichte über Verantwortung, Justiz und Verlust entwickelt. Er wirkt deshalb stärker als viele True-Crime-Produktionen. Nicht wegen Details der Tat, sondern weil man die Menschen dahinter kennenlernt.
Gut zu wissen:
Jahrzehntelang bleibt ein Täter ohne Namen. Ein Serienvergewaltiger und Mörder, später als „Golden State Killer“ bekannt, begeht in Kalifornien Dutzende Taten, verschwindet und hinterlässt kaum Spuren. Die Serie folgt weniger der Polizei als der Autorin Michelle McNamara (sie selbst), die besessen versucht, Muster zu erkennen. Nachts sitzt sie am Computer, liest alte Akten, spricht mit Opfern und verknüpft Fälle, die offiziell nichts miteinander zu tun haben. Sie dabei auf dieser Suche zu begleiten vermittelt einen ungewöhnlichen Reiz.
Gut zu wissen:
Eine gewöhnliche Vorstadtfamilie auf Long Island. Vater Arnold Friedman unterrichtet Kinder in Computerkursen im Keller seines Hauses, Sohn Jesse Friedman hilft ihm dabei. Dann beginnt eine Ermittlung wegen Besitzes illegaler Bilder. Aus einem Verdacht wird ein riesiger Missbrauchsprozess mit Dutzenden angeblichen Opfern.
Der Film besteht größtenteils aus echten Familienaufnahmen, die die Friedmans selbst jahrelang gemacht haben. Geburtstage, Streitgespräche am Küchentisch, Diskussionen über Anwälte. Während die Öffentlichkeit bereits überzeugt ist, dass die Schuld feststeht, zerbricht vor laufender Kamera eine Familie, die selbst nicht mehr weiß, wem sie glauben soll. Aussagen ändern sich, Erinnerungen wirken plötzlich unsicher, und man merkt, wie stark Druck und Erwartung beeinflussen können, was Menschen für wahr halten. Der eigentliche Schock liegt darin, dass der Film keine klare Auflösung liefert. Man beendet ihn nicht mit Gewissheit, sondern mit Zweifeln.
Gut zu wissen: