John Travolta

Ob Komödie, Tanzschnulze oder Actionfilm: John Travolta passt sich an. Vergrößern
Ob Komödie, Tanzschnulze oder Actionfilm: John Travolta passt sich an.
Fotoquelle: Ales Studeny/shutterstock.com
John Travolta
Geboren: 18.02.1954 in Englewood, New Jersey, USA
Sternzeichen: Wassermann

Der jüngste Sohn von sechs Kindern irisch-italienischer Schauspieler verlässt die Schule, um ebenfalls Schauspieler zu werden. Er geht in die Schauspielschule seiner Mutter Helen Travolta. 1977 ist er der Vorstadt-Casanova Tony Manero in John Badhams Disco-Hit "Nur Samstagnacht". Hier schafft er es wie James Dean oder Elvis Presley gefeiert zu werden und er bleibt - wenn auch nur noch sporadisch - als Barbarino am Bildschirm und wird sogar für den Oscar nominiert. Das "Saturday Night Fever" hält an, es reißt auch noch die schwache Musicalverfilmung des Broadway-Erfolgs "Grease" an der Seite von Olivia Newton-John mit. Travoltas Manager verstehen es, seine Popularität auch im Plattengeschäft zu vermarkten.

Er ist für ein paar Jahre der Markenartikel des Showbusiness bis 1980 nach "Urban Cowboy" von James Bridges sein Star-Image abbröckelt. Seine Karriere hatte er mit seinem Kinodebüt in dem Horrorfilm "Nachts, wenn die Leichen schreien" (1975) begonnen und im gleichen Jahr wurde er als cool-robuster Vinnie Barbarino in der Sitcom "Welcome Back, Kotter" bekannt. Travolta spielte den schlitzohrigen Anführer einer Schülerbande im Stadtteil Brooklyn, der vier "Sweathogs", die es in Brooklyn dem High-School-Lehrer Gabe Kotter besonders schwer machen. "Welcome" ist eine neue Art von realistischer Alltagskomödie, die sich fünf Jahre lang bei ABC Television hält.

Travolta wird zum Star, zum Traumbild junger Mädchen. Durch Brian De Palmas High-School-Trauma "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" (1976) kommt er an der Seite der hochbegabten Sissy Spacek und De Palmas späteren Ehefrau Nancy Allen allmählich zu Kinostarruhm. Doch dem Karrierehoch nach "Saturday Night Fever" folgt das Tief.

Kritiker haben das vorhergesehen und ihn als gesichts- und profilloses Strohfeuer neben R2D2 (dem Roboter aus "Krieg der Sterne") und Steven Spielbergs "Der weiße Hai" gestellt. In dem Fernsehfeature "Von James Dean zu John Travolta" wurde herausgearbeitet, wie sehr Travolta als Markenartikel der Filmindustrie aufgebaut wurde und sich an seiner Figur erkennen lässt, wie sich das Star-Image von der Garbo bis in die Siebzigerjahre verändert hatte.

Doch schon damals gibt es einen zweiten John Travolta, der sich erst ganz allmählich gegen das Teenager-Idol-Image durchsetzt. Erstmals bemerkt man es 1981, als Brian De Palma in seinem subtilen Thriller "Der Tod löscht alle Spuren" wieder besetzt. Als Toningenieur einer Filmproduktion soll er genau den richtigen Sound für eine Szene finden. Zufällig wird er Zeuge eines Autounfalls: Er hat ihn auf dem Band mit geschnitten und kann anhand dieses Dokuments nachweisen, dass ein Mord geschah. Doch auch der Mörder weiß, dass er die Spur gefunden hat ...

Travolta ist schauspielerisch überzeugend. Und Hollywood-Agenten entdecken ihn wieder. Doch meist besetzt man ihn wieder unter seinem Talent in Komödien wie "Kuck mal, wer da spricht" (1989) und den zwei Fortsetzungen, doch dann spielt er einen zu Recht für den Oscar nominierten Killer in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" (1994) und den coolen Geldeintreiber Chili Palmer in Barry Sonnenfelds köstlicher Krimikomödie "Schnappt Shorty!" mit Gene Hackman und Danny DeVito.

Überzeugend ist auch sein Arbeiter, der in Desmond Nakanos "Straße der Rache" (1995) seinen schwarzen Boss (Harry Belafonte) entführt. Der Film vollzieht eine interessante Umkehrung der sozialen Verhältnisse in den USA: Die Schwarzen haben das Sagen, die Weißen leben als Underdogs in den Slums. In John Woos Thriller "Face/Off - Im Körper des Feindes" (1997) überzeugt er an der Seite von Nicolas Cage als FBI-Agent Sean Archer, der einen gefährlichen Terroristen fassen kann, danach aber in eine wahre Höllenmaschine gerät.

In Constantin Costa-Gavras Mediensatire "Mad City" (1997) ist er ein simpler Angestellter, der seinen Job als Museumswächter verliert. Daraufhin besetzt er seinen ehemaligen Arbeitsplatz mit einer Pump-Gun und will den Job zurück. Dummerweise ist ein TV-Reporter (Dustin Hoffman) zugegen, der die Sache aufbauscht und schließlich in eine Tragödie verwandelt. Der Film sagt über die Medien letztlich nichts Neues. 1998 spielt er in "Mit aller Macht" unter der Regie von Mike Nichols den Präsidentschaftskandidanten Stanton. Hinter der Figur ist deutlich US-Präsident Clinton zu erkennen, der sich im Wahlkampf mit diversen Sex-Skandalen konfrontiert sieht. Zwar haucht Travolta der Figur das nötige Leben ein, doch der Film insgesamt entpuppt sich zu flau für eine Satire. Eine kleine Rolle hatte er in Terrence Malicks Kriegsfilm "Der schmale Grat" (1998). Das gelungene Gerichtsdrama "Zivilprozess" (1999) von Steven Zaillian zeigte ihn als Anwalt, der sich bis zum persönlichen Ruin für die Opfer einer industriellen Umweltverschmutzung einsetzt.

Travolta hat sich als Schauspieler behauptet, machte aber in den Neunzigerjahren nicht nur in den USA Schlagzeilen, als er sich sehr wortreich und konsequent zur Scientology-Sekte bekannte. Dies spiegelt sich auch in seinen Filmen "Michael" und "Phenomenon" (beide 1996), die unter dem Deckmäntelchen rührseliger Allerweltsunterhaltung massiv die Ideologie Ron L. Hubbards unter das Volk brachten. 1999 bemüht er sich mit Nachdruck um die Verfilmung eines bescheidenen Sciencefiction-Werkes des Sektenspenders, "Battleship Earth". Einen schweren Schicksalsschlag mussten John Travolta und seine Ehefrau Kelly Preston 2009 während eines Neujahrsurlaubs auf den Bahamas verkraften: Ihr 16-jähriger Sohn Jett starb an den Folgen eines Krampfanfalls.

Weitere Filme mit John Travolta: "The Tenth Level" (1975, TV), "The Boy in the Plastic Bubble" (1976, TV), "Von Augenblick zu Augenblick" (1978), "Staying Alive" (1982), "Zwei vom gleichen Schlag" (1983), "Perfect" (1985), "Die Experten" (1987), "The Dumb Waiter" (1987, TV), "The Grand Knockout Tournament" (1987, TV), "Basements" (1987), "Eine gefährliche Freundschaft" (1990), "Ketten aus Gold" (1990, auch "Straße der Gewalt"), "Shout" (1991), "Boris und Natasha - Dümmer als der CIA erlaubt" (1992), "Operation: Broken Arrow" (1995), "Phenomenon", "Orientation" (beide 1996), "Alles aus Liebe" (1998), "Wehrlos - Die Tochter des Generals" (1999), "Lucky Numbers" (2000), "Passwort: Swordfish", "Tödliches Vertrauen" (beide 2001), "Basic" (2003), "The Punisher", "Im Feuer", "Lovesong für Bobby Long" (alle 2004) und "Be Cool" (2005), "Lonely Hearts Killers" (2006), "Born to be wild - Saumäßig unterwegs", "Hairspray" (beide 2007), "Bolt - Ein Hund für alle Fälle" (Sprecher, 2008), "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123", "Old Dogs - Daddy oder Deal" (beide 2009), "From Paris with Love" (2010), "Savages" (2012).


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