Wer hätte ahnen können, dass die Rolle des makabren Maklers Knock in Friedrich Wilhelm Murnaus Klassiker "Nosferatu - Symphonie des Grauens" der Start zu einer Weltkarriere werden sollte, Zeitgenossen bezeichneten ihn ehrfurchtsvoll als "Jahrhundertschauspieler": Alexander Granach (1893-1945). Geboren in Galizien (heute Ukraine) war Alexander Granach eines von 13 Kindern einer bitterarmen jüdischen Familie. Schon in jungen Jahren musste der kleine Alexander in der Bäckerei der Familie kräftig mit anpacken. Doch schon bald lockte ihn die weite Welt, er riss immer wieder von Zuhause aus und landete im Alter von 16 Jahren schließlich mutterseelenallein in Berlin, wo er sechs Jahre später ein Stipendium für die legendäre Schauspielschule des Deutschen Theaters unter Max Reinhardt erhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg und einer riskanten Operation, in der er sich seine krummen Beine begradigen liess, startete Granach eine einzigartige Karriere an den deutschen Theatern, spielte unter Bertolt Brecht, Frank Wedekind, Arnolt Bronnen und Erwin Piscator. Mit der Machtergreifung musste Granach wie viele seiner Kollegen Deutschland verlassen und liess sich schließlich in den USA nieder. Auch dort stieg er innerhalb kurzer Zeit zum gern besetzen Hollywood-Star auf, spielte unter Ernst Lubitsch ("Ninotschka"), Fritz Lang ("Auch Henker sterben") oder Fred Zinnemann ("Das siebte Kreuz"). Doch seine Karriere endete abrupt: Im März 1945 unterzog er sich einer lange verschleppten Blinddarmoperation, einige Tage später starb er an deren Folgen.

Grimme-Preisträgerin Angelika Wittlich ("Das Kino als Laufsteg") drehte dieses Porträt des heute fast vergessenen expressionistischen Schauspiel-Giganten, der sein Leben in der nach seinem Tod erschienenen Autobiografie "Da geht ein Mensch" (1945) Revue passieren liess. In Gesprächen mit Historikern, Granach-Sohn Gad und Experten zeichnet sie das Bild eines Multitalentes, da allen Widrigkeiten zum Trotz an seinem großen Traum, der Schauspielerei, festhielt. Wittlich reiste auch Granachs Spuren in die Ukraine, folgt diesen nach Deutschland und besucht die Stationen seines Exils in Polen, der UdSSR, der Schwei, New York und Hollywood. Über alle Entfernungen hinweg hielt Granach immer an seiner großen Liebe fest, der Schweizer Schauspielerin Lotte Lieven, der er hunderte Briefe schrieb. Juliane Köhler und Samuel Finzi lesen aus diesen Briefen an Lotte und aus seiner Autobiografie. Allerdings bleibt Wittlichs Hommage an den Schauspieler lediglich eine faktenreiche Fleißarbeit, denn Originalausschnitte aus seinen Filmen - von "Nosferatu" abgesehen - sucht der Zuschauer vergeblich.



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