In der Tschechoslowakei gehörte sie in den Dreißiger- und frühen Vierzigerjahren zu den beliebtesten Charakterdarstellerinnen: die in Pilsen geborene Anna Letenská (1904-1942), von Familie und Freunden "Andula" genannt. Die sympathische Frau wurde vom Volk verehrt, von den Kritikern bejubelt, war tief gläubig, geistreich, witzig und warmherzig. Die Nationalsozialisten missbrauchten sie nach ihrem Einmarsch und dem Anschluss für Herz-Schmerz-Dramen wie "Herz in Zellophan", "Versiegelte Lippen" oder "Frauen an der Tankstelle". Mit derlei Filmen wollte man den Widerstand des Volkes gegen das deutsche "Protektorat" entschärfen. Doch mit dem Einzug von Reinhard Heydrich als "Stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren" verschärfte sich die Situation der Bevölkerung und des tschechischen Widerstands dramatisch. Über 5000 Tschechen und Slowaken verschwanden in den KZs, über 400 Menschen wurden hingerichtet und ihre Namen öffentlich ausgehängt. Andulas zweiter Mann, der Ingenieur Wladislaw Caloun, gehörte seit 1939 ebenfalls zum Widerstand. Als Heydrich schließlich am 4. Juni 1942 in Prag an den Folgen eines Attentats stirbt, geraten auch Caloun und Andula ins Visier der Gestapo. Mit schrecklichen Folgen ...

Regisseur Fred Breinersdorfer ist besonders als Drehbuchautor bekannt, so lieferte er etwa die Bücher für Filme wie "Sophie Scholl - Die letzten Tage", "Nachts, wenn der Tag beginnt" oder "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Zusammen mit seiner Regiekollegin Anne Worst erzählt Breinersdorfer hier das erschütternde Schicksal der tschechischen Schauspielerin Anna Letenská (1904-1942), die von den Nazis im KZ Mauthausen ermordet wurde. Zunächst als Spielfilm geplant, der aus finanziellen Gründen nicht zustande kam, lässt das Regieduo Zeitzeugen wie Letenskás 2008 verstorbenen Sohn Jiri Letensk, den Regisseur Otakar Vávra oder ihre Schauspielkollegin Zita Kabátovázu Wort kommen, zeigt Ausschnitte aus ihren Filmen und historische Aufnahmen. Gut gemeint ist sicher auch der Auftritt von Hannah Herzsprung als Erzählerin aus dem Off, doch ihre Auftritte an den historischen Stätten wie das Theater, das Filmstudio oder das KZ wirken doch arg aufgesetzt und lenken eher ab, als sie zum Verständnis und zur Vertiefung dieser tragischen Geschichte beitragen.

Foto: Salzgeber