Hans Steinbichler schildert auf der Grundlage ihres weltbekannten Tagebuches das Schicksal von Anne Frank, die hier von Lea van Acken gespielt wird. So ist er mitverantwortlich für eine der größten literatischen Widerentdeckungen der jüngsten Zeit.

Denn "Das Tagbuch der Anne Frank" existierte in der Wahrnehmung Vieler inzwischen vornehmlich als Schullektüre – ein Begriff, der meist mit Pflichtprogramm oder Muff verbunden ist.

Gegen das Vergessen


70 Jahre nach dem Tod des jüdischen Mädchens, das mit 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen starb, verschaffen aber gleich zwei deutsche Filmproduktionen einen neuen Blick auf den Tagebuchroman. Bereits 2015 lief mit Raymond Leys "Meine Tochter Anne Frank" ein Doku-Drama im Fernsehen, das sich auf Annes Vater Otto und seinen Kampf um ihr literarisches Vermächtnis fokussierte. Steinbichler rückt nun wieder das Mädchen selbst ins Zentrum, um sie jüngeren Generationen näherzubringen.

Eine Herausforderung


Sein Handicap ist allerdings Leys TV-Film. Wer diesen gesehen hat, wird im Kino sofort an dessen Kulisse und das ergreifende Spiel von Mala Emde (Anne) und Götz Schubert (Otto) erinnert. Van Acken und Ulrich Noethen, der als ihr Vater zu sehen ist, müssen also nicht nur den Zuschauer überzeugen, sondern auch gegen dieses vorgeprägte Bild anspielen.

Steinbichler unterstützt sie dadurch, dass er die kammerspielartige Szenerie im Amsterdamer Versteck um echte Kinobilder aus der Zeit vor dem Untertauchen der Franks ergänzt.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Das Tagebuch der Anne Frank":